Kommunen im Kreis Paderborn schneiden bei Wirtschafts-Studie eher schwach ab
Bürgermeister kritisieren Ranking

Delbrück/Hövelhof (WB). Die Unternehmerverbände in Nordrhein-Westfalen haben eine Studie beim Institut der Wirtschaft in Köln in Auftrag gegeben. Herausgekommen ist das so genannte „Kommunalranking“ – und die meisten Kommunen im Kreis Paderborn schneiden dabei nicht so gut ab. Stellvertretend nehmen Werner Peitz, Bürgermeister der Stadt Delbrück, und sein Hövelhofer Amtskollege Michael Berens zu der Studie Stellung. Beide finden das Ranking weder aussagekräftig noch hilfreich.

Donnerstag, 16.07.2020, 19:00 Uhr
Das Institut der Wirtschaft hat 17 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität für jede Kommune überprüft und ein Ranking aller 10.554 Kommunen bundesweit aufgestellt. Für viele Kommunen im Kreis Paderborn gab es Platzierungen im hinteren Bereich. Foto:
Das Institut der Wirtschaft hat 17 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität für jede Kommune überprüft und ein Ranking aller 10.554 Kommunen bundesweit aufgestellt. Für viele Kommunen im Kreis Paderborn gab es Platzierungen im hinteren Bereich.

Das Institut der Wirtschaft hat 17 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaft, Arbeiten, Wohnen und Lebensqualität für jede Kommune überprüft. Dazu gibt es zwei Auswertungen, nämlich die für den „Ist-Zustand“ (Niveau-Ranking) und die für die Zukunftsaussichten der jeweiligen Stadt oder Gemeinde (Dynamik-Ranking). Die Tabelle besteht aus bundesweit 10.554 Kommunen (NRW-weit: 396).

Keine Kommune aus dem Kreis Paderborn schaffte es unter die ersten 3700 Plätze. Am besten schnitten im Niveau-Ranking Bad Lippspringe (bundesweit Platz 3787) und Borchen (bundesweit Platz 4255) ab. Im Dynamik-Ranking, also im Bezug auf die zukünftige Entwicklung, schnitt der Kreis sogar noch schlechter ab. Kreisweit belegt Hövelhof hier den letzten Platz (7835. bundesweit), auch für Delbrück sieht es der Studie zufolge kaum besser aus.

Berens: „Wenig aussagekräftig und ungenau“

„Leider ist das Unternehmensranking für Hövelhof wenig aussagekräftig und von statistischen Ungenauigkeiten geprägt“, teilt Bürgermeister Michael Berens auf Anfrage des WV mit. Das schlechte Abschneiden der Sennegemeinde sei im Wesentlichen geprägt durch die Einwohnerentwicklung.

Dies liege aber vor allem an der Auflösung der Zentralen Unterkunftseinrichtung Staumühle. Bei der Auflösung der Flüchtlingsunterkunft seien damals 1950 Personen abgemeldet worden, die offiziell als Einwohner der Sennegemeinde galten. „Betrachtet man hingegen die Gesamtstatistik 2012 bis 2017, gab es bei uns insgesamt 5918 Zuzüge und 4408 Wegzüge und somit einen Zuwachs von 1510 Personen binnen fünf Jahren“, sagt Berens.

Auch beim Punkt Breitbandversorgung (unter 200Mbit/s) habe die Sennegemeinde schlecht abgeschnitten: „Dieser Punkt ist durch den Ausbau der Deutschen Glasfaser sowie das ‚Weiße-Flecken-Programm‘ in Kürze erledigt“, sagt der Bürgermeister.

Irritiert zeigte sich Berens auch darüber, dass Hövelhof bei der Pkw-Fahrzeit zur nächsten Autobahn NRW-weit nur auf Platz 123 landete: „Mit zwei Autobahnzufahrten, die direkt an der Hövelhofer Gemeindegrenze liegen, sind wir bestens angebunden.“

Es sei jedoch nicht bekannt, ob die Ersteller der Studie hier kilometerscharf gerechnet hätten oder einfach gewertet hätten, dass im Gemeindegebiet keine Autobahnabfahrt liegt, sondern beide Abfahrten kurz hinter der Gemeindegrenze (Stukenbrock und Sennelager).

„Für Hövelhof ergeben sich keine Handlungsempfehlungen“

Bei den Gewerbesteuerhebesätzen, dem Altersquotienten und der Beschäftigtenrate für Frauen habe Hövelhof gute Werte erreicht. Viel anfangen könne er aktuell mit dem Kommunalranking nicht, sagt Michael Berens: „Da die einzelnen Parameter für die Berechnungen nicht bekannt gegeben wurden und mit rein statistischen Daten gerechnet wurde, die teilweise Ungereimtheiten aufweisen, ergeben sich für Hövelhof aus dieser Studie keine Handlungsempfehlungen.“

Interessanter seien da schon die letztjährigen Erhebungen der IHK, in denen die Hövelhofer Unternehmen befragt wurden und dem Standort eine Spitzenqualität attestiert hätten.

Peitz: „Zahlen teilweise veraltet, wenn nicht sogar falsch“

Auch der Delbrücker Bürgermeister Werner Peitz sitzt ein wenig schulterzuckend vor dem Ranking und hat sogar extra zum Ersteller der Studie Kontakt aufgenommen, um Näheres zu erfahren. „Ich finde mich beziehungsweise die Stadt Delbrück in diesen Zahlen nicht wieder und halte sie teilweise für veraltet, wenn nicht sogar falsch. Ich weiß nicht, mit welchem Zahlenmaterial gearbeitet wurde. Bei uns in der Verwaltung wurde jedenfalls für diese Studie nichts aktiv abgefragt.“

Auch Peitz wundert sich zum Beispiel über das schlechte Abschneiden Delbrücks bei der Breitbandversorgung: „Nach dem massiven Ausbau der Deutschen Glasfaser, sowohl in Gewerbe- als auch in Wohngebieten, denke ich eher, dass Delbrück hier mindestens in OWL führend sein müsste.“

Die Gewerbesteuerentwicklung (mehr als zehn Millionen Euro plus innerhalb der vergangenen elf Jahre, keine Steuererhöhung seit 2015) und die Arbeitsplatzversorgung (Steigerung von 7200 auf mehr als 9000 Arbeitsplätze im Stadtgebiet seit 2009) bewerte er anders als im Kommunalranking dargestellt.

Kreis Gütersloh schneidet besser ab

Deutlich besser abgeschnitten hat der Nachbarkreis Gütersloh, hier finden sich mehrere Kommunen NRW-weit in den Top 20 (Verl, Gütersloh, Schloß Holte-Stukenbrock, Rheda-Wiedenbrück). Eine detaillierte Analyse dazu, in welchem Bereich welche Stadt sich wie positiv entwickelt hat, gibt das Institut der Wirtschaft noch nicht heraus. Das soll nach den Sommerferien und damit kurz vor der Kommunalwahl erfolgen.

Kommentar

In der Einleitung zur Studie wird explizit Bezug genommen auf die am 13. September anstehenden Kommunalwahlen. „Die Ergebnisse liefern eine empirische Grundlage für wirtschaftspolitische Debatten im Vorfeld der Kommunalwahl“, heißt es da. Ja? Tun sie das?

Die Bürgermeister haben recht, wenn ihnen die Studie vor allem ein Schulterzucken entlockt – zumindest in der Form, in der sie bisher veröffentlicht wurde. Bislang sind in der im Internet verfügbaren Studie lediglich „Endplatzierungen“ zu lesen, wie diese zustande gekommen sind, wird nicht klar. Delbrück und Hövelhof haben sich auf Nachfrage dieser Zeitung weitere Zahlen besorgt, aus denen man aber auch nicht viel schlauer wird. Warum zum Beispiel Delbrück, wo alle Ortsteile und Gewerbegebiete mit Glasfaser versorgt sind oder aktuell werden, im Bereich Breitbandversorgung in NRW fast auf dem letzten Platz landete? Ein Rätsel. Vielleicht, weil mit älterem Zahlenmaterial gearbeitet wurde? Auch das nur eine Mutmaßung.

In den Rathäusern haben sich die Ersteller der Studie jedenfalls nicht gemeldet – weder vorher, um Zahlen zu erfragen, noch hinterher, um die Ergebnisse der Studie zu erläutern. Eine Analyse soll es nun nach den Ferien geben. Bleibt abzuwarten, ob man dann einen lokalen Erkenntnisgewinn erzielen und Handlungsempfehlungen ableiten kann. Meike Oblau

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7496687?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851066%2F
Rentner schießt auf Nachbarn
Justizbeamte brachten den gehbehinderten Angeklagten von der Pflegeabteilung der Justizvollzugsanstalt Hövelhof zum Landgericht nach Detmold, wo sich der 76-Jährige am Montag verantworten musste. Foto: Althoff
Nachrichten-Ticker