Anwohner kämpfen seit Jahren – Gespräch mit der Bezirksregierung im September
A 33: Hövelhofer hoffen auf Lärmschutz

Hövelhof (WB). Bereits 1977 wurde die Autobahn 33 zwischen Schloß Holte-Stukenbrock und Paderborn gebaut – im gesamten Hövelhofer Gemeindegebiet allerdings ohne Lärmschutzwände. Teilweise seit Jahrzehnten kämpfen die Anwohner um nachträgliche Maßnahmen . 2011 hat sich der Verein zum Schutz vor Lärm durch die A 33 gegründet. Warum die Vereinsmitglieder jetzt auf ein Gespräch mit der Bezirksregierung im September hoffen, hat der Vorsitzende Hartmut Wiethof WB-Redakteurin Meike Oblau im Interview erläutert.

Dienstag, 21.07.2020, 07:00 Uhr
Ganz schön laut zwischen Mergelweg und Hasendorf: Hartmut Wiethof, Vorsitzender des Vereins zum Schutz vor Lärm durch die A 33, hofft auf ein positives Gespräch mit der Bezirksregierung, das im September stattfinden soll. Foto: Meike Oblau
Ganz schön laut zwischen Mergelweg und Hasendorf: Hartmut Wiethof, Vorsitzender des Vereins zum Schutz vor Lärm durch die A 33, hofft auf ein positives Gespräch mit der Bezirksregierung, das im September stattfinden soll. Foto: Meike Oblau

Wer auf der Fahrt über die A 33 mal bewusst drauf achtet, dem wird auffallen, dass zwischen den Abfahrten Stukenbrock-Senne und Sennelager keine einzige Lärmschutzwand, kein einziger Wall zu sehen ist. Warum ist das so?

Hartmut Wiethof: Man hat uns in den 70er Jahren irgendwie vergessen... Als die Autobahn gebaut wurde, waren ja auch eigentlich alle froh, dass sie kam. Es hatte wohl damals schon zarte Hinweise von Anwohnern auf den zu erwartenden Lärm gegeben, das wurde ihnen aber offenbar erfolgreich ausgeredet und damals hat noch niemand an Klagen oder eine Bürgerinitiative gedacht. Beim Bau war man davon ausgegangen, dass täglich etwa 17.000 Fahrzeuge die A 33 befahren. Die Zahl hat sich heute längst weit mehr als verdoppelt – damit ist natürlich auch der Lärm immer weiter gestiegen. Eine Nachbarin hat vor 20 Jahren dann erstmals die Initiative ergriffen. Seit 2011 gibt es nun unseren Verein, der im März 2017 Klage auf die Anerkennung von Lärmschutz beim Verwaltungsgericht in Minden eingereicht hat.

Vorstand bestätigt

Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins zum Schutz vor Lärm durch die A 33 ist der Vorstand im Amt bestätigt worden. Das sind der Vorsitzende Hartmut Wiethof sowie seine Stellvertreter Edeltraud Ramp­sel und Mathias Schlotmann, Kassierer Hubert Wewer und Schriftführerin Marita Wewer. Interessierte können sich unter www.a33-lärmschutz.de informieren oder unter der Mailadresse a33@wiethof.com Kontakt aufnehmen.

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Wie viele Hövelhofer sind Ihren Schätzungen zu Folge vom Lärm, der von der Autobahn ausgeht, betroffen?

Wiethof: Unserer Klage haben sich 24 Kläger angeschlossen. Da der Lärm durch die A 33 aber zum Beispiel bis zur Mühlenschule zu hören ist, gehen wir von etwa 100 betroffenen Immobilien aus, zum Beispiel auf beiden Seiten des Mergelwegs, der Staumühler und der Sennestraße oder im Hasendorf. Auf Hövelhofer Gebiet liegt die Autobahn höher als die Wohngebiete, das verstärkt den Lärm.

Ihr Verein hat sich vor nunmehr fast zehn Jahren gegründet. Warum ist das Verfahren so langwierig?

Wiethof: Weil wir sehr lange mit der Bezirksregierung und dem Landesbetrieb Straßen NRW über verschiedene Punkte gestritten haben, zum Beispiel über die Verkehrsmenge, darum, welche Richtlinien hier angewendet werden müssen oder auch um die Wertung von Dezibelzahlen. Zur Anwendung kommen muss eine Richtlinie aus den 1970er Jahren, aus der Zeit des Planfeststellungsverfahrens für die Autobahn. Es ist allein ein Jahr vergangen, bis wir als Verein diese Richtlinie vorliegen hatten. Vor einigen Jahren bei der Erneuerung der Fahrbahn hat Straßen NRW zudem lärmmindernden Asphalt verbaut, auch da stellte sich dann die Frage, wie sich das auswirkt und wie das rechtlich zu würdigen ist.

2017 hat der Verein letztlich Klage eingereicht. Was ist seither passiert?

Wiethof: Die Richter haben ausgiebig die Akten studiert, dann gab es einen Erörterungstermin bei unserem Anwalt, an dem Vertreter unseres Vereins, der Bezirksregierung und des Verwaltungsgerichts teilgenommen haben. Anschließend hat das Gericht in einer Stellungnahme deutlich gemacht, dass für die Kläger im Bereich der A 33 ein Anspruch auf Lärmschutz besteht und uns allen eine außergerichtliche Einigung empfohlen. Wegen Corona musste das Gespräch mit der Bezirksregierung verschoben werden, nun soll es im September aber stattfinden.

Was erhoffen Sie sich von diesem Gespräch?

Wiethof: Wir haben am vergangenen Freitag auf der Jahreshauptversammlung unseres Vereins ein paar Eckpunkte für dieses Gespräch festgelegt. Ich denke, es wird vor allem um die Frage gehen, welche Maßnahmen und Kosten als angemessen angesehen werden. In unserer Versammlung ergab sich ein breites Spektrum an Vorstellungen. Unsere Mitglieder möchten aktiven Lärmschutz. Wir alle haben Gärten, in denen man sich kaum aufhalten kann, weil es durch die Autobahn so laut ist. Die Bezirksregierung fürchtet unverhältnismäßig hohe Kosten, es sind ja „nur“ 24 Kläger, eine durchgehende Lärmschutzwand zwischen Stukenbrock-Senne und Sennelager würde vermutlich Millionen kosten. Zur Frage, welche Kosten verhältnismäßig sind, gibt es auch keine klare Rechtsprechung. Es käme möglicherweise auch passiver Lärmschutz in Frage, zum Beispiel die Finanzierung neuer Fenster in den Immobilien der Kläger. Wir setzen jetzt erst einmal auf einen hoffentlich positiven Gesprächsverlauf mit der Bezirksregierung im September, wo wir die Möglichkeiten für eine Einigung ausloten wollen. In unserer Versammlung hat sich eine lebhafte Diskussion um die Frage, wie weit unser Verein seine Forderung nach aktivem Lärmschutz zwischen Stukenbrock und Sennelager ausgestaltet, entwickelt. Für juristische Fragen stand dabei unser Rechtsbeistand Dr. Christoph Worms zur Verfügung. Ich denke, wir haben jetzt eine gute Ausgangsbasis für das Gespräch im September. Wir haben das Gefühl, dass endlich Bewegung in das Verfahren kommt. Wenn wir aber keinen Kompromiss finden, werden wir den juristischen Weg weiter beschreiten.

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