Auch in Hövelhof setzt die Feuerwehr auf moderne Technik
Mit Drohnen gegen Brände

Hövelhof/Dortmund (dpa). Ob bei Waldbränden oder Industrieunfällen – Feuerwehrleute begeben sich bei ihren Einsätzen oft auch selbst in Gefahr. Technische Systeme sollen sie unterstützen: An neuen Möglichkeiten forscht ein Robotikzentrum in Dortmund.

Donnerstag, 30.07.2020, 00:55 Uhr aktualisiert: 30.07.2020, 06:58 Uhr
Das Foto zeigt die Wärmebilder einer Drohne.
Foto: dpa

Noch sieht das alte Zechengelände im Dortmunder Norden etwas unscheinbar aus: Eine große Halle, drum herum freie Fläche. Doch hier wird an der Zukunft der Feuerwehrtechnologie geforscht: Drohnen und Roboter sollen die Aufgabe der Helfer bei Bränden und Katastrophen erleichtern und sicherer machen. Dirk Aschenbrenner, Direktor der Dortmunder Feuerwehr, zeigt auf das Luftbild: „Das alles wird Testgelände.“ Hindernisse, unwegsamer Wald und selbst Trümmerfelder sollen hier simuliert werden. Läuft alles nach Plan, werden auf der Fläche demnächst Roboter ihre ersten Fahrversuche machen oder Löschdrohnen durch die Luft schwirren.

Dahinter steckt das Deutsche Rettungsrobotik-Zentrum (DRZ), ein Zusammenschluss aus 13 Partnern aus Praxis und Wissenschaft. Es forscht an komplexen technischen Systemen, die bei der Feuerwehr und im Katastrophenschutz zum Einsatz kommen, und bezieht in Dortmund derzeit seinen Teststandort. Koordiniert wird der Forschungsverbund durch das Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Feuerwehr Dortmund.

„Spannend ist für uns vor allem Forschung zum autonomen Flug“, sagt Christian Fortemeier von der Feuerwehr Hövelhof im Kreis Paderborn. Er ist dort verantwortlich für eine neun Kilo schwere Drohne, die seit über einem Jahr zum Einsatz kommt. „Ich bin gespannt, welche Möglichkeiten sich da für uns noch ergeben werden, gerade im Bereich der künstlichen Intelligenz.“ Noch braucht die Hövelhofer Drohne einen Piloten, der sie vom Boden aus steuert. Mit einer Zoom- und einer Wärmebildkamera hat sie zum Beispiel schon Waldbrandgebiete auf Glutnester hin überprüft und einen vermissten Autofahrer gefunden, der schwer verletzt vom Unfallort in den Wald gelaufen war.

Trotz guter Ausbildung, zuverlässiger Schutzausrüstung und ausgefeilter Einsatztaktiken: Der Job der Feuerwehrleute ist oft lebensgefährlich. Roboter sollen helfen, Einsätze effektiver und für Retter wie gefährdete Menschen gleichermaßen sicherer zu machen, erklärt Aschenbrenner das Ziel des Projektes, dessen Vorsitz er übernommen hat. Technik, die in der Industrie vielleicht sogar schon Anwendung finde, soll hier auf die Anforderungen der Rettungsleute abgestimmt, getestet und dann für die Ausbildung der Feuerwehrkräfte zur Verfügung gestellt werden.

Wie wichtig schnelle, zielgenaue Reaktionen bei Waldbränden sind, hat sich in diesem Jahr schon mehrfach gezeigt: Mitte April bekämpften 1000 Feuerwehrkräfte einen Brand in einem Wald bei Gummersbach. Wenige Tage später brannte es im deutsch-niederländischen Grenzgebiet im Kreis Viersen. 1600 Feuerwehrkräfte waren tagelang vor Ort – unter anderem, weil der Wind die Glutnester immer wieder anfachte.

Innovative Technik kommt bereits jetzt bei solchen Großeinsätzen zum Einsatz – und stößt auch an ihre Grenzen, wie Aschenbrenner sagt. So sei bei dem Waldbrand bei Viersen eine Drohne genutzt worden. „Sie sollte eigentlich eine bestimmte Strecke erkunden, hat dann aber die Orientierung verloren.“ Die Drohne war darauf programmiert, sich an farblich abgesetzten Stellen wie Wegen zu orientieren. „Wenn alles schwarz verbrannt ist, klappt das natürlich nicht mehr“, erklärt der Fachmann. Die Einsatzfähigkeit solcher Erkundungsdrohnen zu verbessern, gehört daher zu den Zielen des DRZ. Doch es geht um mehr: Drohnen mit Löschmitteltanks etwa könnten schwer zugängliche Brandherde löschen, sagt Aschenbrenner. Denkbar seien auch Drohnen, die über spezielle Sensoren chemische Gefahrstoffe erkennen.

Auch für andere Aufgaben in der Unfallrettung wird am DRZ geforscht. „Da geht es zum Beispiel um Laserschneidgeräte, die man am Unfallort händisch bedienen kann“, berichtet Thomas Siekaup, Kreisausbilder im Bereich technische Hilfeleistung in Paderborn und als Praxis-Fachmann am DRZ-Projekt beteiligt. „Bis die Technik aber soweit ist, dass sie zuverlässig durch Autoteile und nicht durch Menschen schneidet, werden noch mindestens fünf Jahre vergehen.“ Wenn es Ideen aus der Forschung erst einmal bis in die Praxis schaffen, liegt es an Ausbildern wie ihm, die Feuerwehrleute im Umgang mit der Technik zu schulen.

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