Renate Regier und Markus Laabs übergeben in Hövelhof Hirtenstab an Thomas Rüping
Schluss mit „Schäferstündchen“

Hövelhof (WB). Vier bis sieben Kilometer legen sie jeden Tag zu Fuß zurück. Egal ob die Sonne vom Himmel brennt, Dauerregen über Hövelhof herunterkommt oder Minusgrade herrschen. Renate Regier und Markus („Max“) Laabs hüten Schafe, genauer gesagt: graue gehörnte Heidschnucken. Doch jetzt ist Schluss. Die beiden Mitarbeiter der Heidschnuckenschäferei an der Sennestraße gehen in den Ruhestand. Die Suche nach einem Nachfolger war alles andere als einfach.

Samstag, 01.08.2020, 05:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 12:20 Uhr
30 Jahre lang hat Renate Regier die Hövelhofer Heidschnucken gehütet. Markus („Max“) Laabs ist seit 15 Jahren dabei. Gemeinsam gehen die beiden jetzt in den Ruhestand und freuen sich auf Reisen, unter anderem nach Usbekistan und Georgien. Foto: Oliver Schwabe
30 Jahre lang hat Renate Regier die Hövelhofer Heidschnucken gehütet. Markus („Max“) Laabs ist seit 15 Jahren dabei. Gemeinsam gehen die beiden jetzt in den Ruhestand und freuen sich auf Reisen, unter anderem nach Usbekistan und Georgien. Foto: Oliver Schwabe

„Man muss vor allem gut mit sich selber klar kommen. Für mich sind die einsamen Stunden mit den Schnucken immer schnell vergangen“, sagt Renate Regier. „Ich habe oft ein Buch dabei, Max hört gerne Musik beim Hüten.“ 1200 Hektar Heide pflegen die von ihnen gehüteten Schafe in der Senne. Den Arbeitstakt geben aber nicht nur die Schnucken vor, sondern auch die britische Armee, die den Truppenübungsplatz bekanntlich intensiv nutzt: „Wir müssen uns bei unserer Arbeit immer nach ihren Schießplänen richten und alles genau absprechen“, erzählt Markus Laabs.

Nachfolger war nicht leicht zu finden

Im vergangenen Jahr war bereits die junge Schäferin Paula Südhaus als Nachfolgerin in der Schäferei an der Sennestraße vorgestellt worden. „Es war dann aber wohl doch nicht das richtige für sie“, berichtet Renate Regier, dass die junge Frau doch nicht ihre Nachfolge antreten wird.

Mitarbeiter der Heidschnuckenschäferei Hövelhof gehen in Ruhestand

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Der „Neue“ ist nun aber ein alter Bekannter: Thomas Rüping war einst Regiers erster Azubi in der Heidschnuckenschäferei. Besuchern des Heideblütenfestes ist er bekannt, weil er dort traditionell unter den Eichen die Schafschur vorführt. Der Kaunitzer hatte zunächst den Beruf des Schlossers erlernt, dann aber sein Abitur nachgeholt.

Eigentlich war der Plan, anschließend Landschaftsbau in Höxter zu studieren. Doch im Zivildienst landet er in der Heidschnuckenschäferei und konnte sich diesem Charme und dieser Aufgabe fortan nicht mehr wirklich entziehen. Er begann eine Lehre bei Renate Regier, später hielt er im Nebenerwerb eine eigene Schafherde. Jetzt übernimmt er das Kommando über 500 Muttertiere und ihre Nachkommen. Michael Jocher aus Bielefeld, der auch bereits früher hier ausgeholfen hat, wird Rüping künftig unterstützen.

Bewerbung auf eine Zeitungsanzeige

Für Renate Regier und Markus Laabs sind die „Schäferstündchen“ in der Senne hingegen nun vorbei. Regier erinnert sich, wie sie der Zufall vor mehr als 30 Jahren nach Hövelhof verschlug: „Ich war in der Meisterausbildung, habe beim NABU auf Fehmarn mit Weißkopfschafen gearbeitet. Und dann stand eines Tages eine Stellenanzeige für die Schäferei in Hövelhof in der Fachzeitschrift ‚Schafzucht‘. Ich habe mich beworben.“ Äußert erfolgreich, wie man 30 Jahre später immer noch sagen kann. Regier hat Biologie studiert: „Aber in einem Labor wollte ich nie arbeiten.“ Es fällt auch schwer, sich die 62-Jährige dort vorzustellen.

Vom Bergbau in die Schäferei

Markus Laabs, den alle Max nennen, hat einen ganz anderen beruflichen Werdegang hinter sich. Er war als junger Mann als Betriebsschlosser im Bergbau in Bergkamen tätig, ehe es ihn für eine Lehre als Imker (Tierwirt) in die Stuttgarter Region verschlug. „In der Ausbildungsklasse saßen auch die Schäfer-Azubis, das hat mich auch interessiert und wurde mein neuer Schwerpunkt.“ In der Meisterausbildung lernte er Renate Regier kennen und folgte ihr vor 15 Jahren nach Hövelhof.

Viele Reiseziele auf der Liste

Den Ruhestand wollen die beiden nun gemeinsam in der Sennegemeinde genießen. Fraglich aber, ob man sie künftig wirklich häufiger als bisher zu Hause an der Breslauer Straße antreffen wird. „Wir freuen uns jetzt vor allem darauf, endlich Zeit fürs Reisen zu haben. Das war in unserem Beruf so gut wie unmöglich. Die Schafe können sich nicht um sich selbst kümmern, die kennen auch kein Weihnachten oder Silvester“, sagt Renate Regier. Strandurlaub ist in Zukunft aber eher nicht angesagt. Auf Reisen treffen sie gerne Schäfer aus anderen Ländern, um sich auszutauschen. Georgien und Usbekistan stehen auf der Wunschliste. Das Schäfchenzählen (und vor allem -hüten) in der Senne übernimmt ab sofort Thomas Rüping.

Die Heidschnuckenschäferei an der Sennestraße

Die Heidschnuckenschäferei Senne ist Teil der Biologischen Station. Ihr Sitz ist in Hövelhof in unmittelbarer Nähe des Truppenübungsplatzes Senne. Sie ist in zwei Gebäuden – einem Stall und einem Heulager – der Nordrhein-Westfalen-Stiftung untergebracht. Die Heidschnucken-Herde besteht aus etwa 500 Mutterschafen (so genannte graue gehörnte Heidschnucken), ebenso vielen Lämmern, acht Böcken und etwa 30 Ziegen. Hauptaufgabe der Heidschnuckenschäferei ist die Landschaftspflege von Trocken- und Feuchtheiden sowie Magerrasen und Grünland. Die Schafe beweiden Flächen auf dem Truppenübungsplatz Senne und angrenzende Naturschutzflächen in den Kreisen Gütersloh, Lippe und Paderborn. Die Heidschnucken tragen zum Erhalt der alten westfälischen Heidelandschaft bei. Dauernder Verbiss bewahrt das Heidekraut vor Überalterung. Die Schafe halten so die Heide von aufkommenden Bäumen und Sträuchern frei. In der Schäferei können auch Spezialitäten wie Heidschnuckenbratwurst und Heidschnuckenlammfleisch erworben werden. Die Schäferei an der Sennestraße ist ein zertifizierter Bioland-Betrieb.

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