Festival „Wege durch das Land“ veranstaltet Radtour durch Hövelhof
Literatur rund um die Senne

Hövelhof (WB). Trotz der erschwerten Umstände durch die Pandemie konnte auch in diesem Jahr das Literatur- und Musikfestival „Wege durch das Land“ stattfinden. Diese Wege führten durch Hövelhof und die Senne, die zum Thema des Tages werden sollte.

Mittwoch, 16.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 09:28 Uhr
David Hagen (links) am Kontrabass und Fabiana Striffler an der Violine präsentieren selbstkomponierte Stücke. Foto: Rebecca Borde
David Hagen (links) am Kontrabass und Fabiana Striffler an der Violine präsentieren selbstkomponierte Stücke. Foto: Rebecca Borde

Somit war es vor allem die Literatur, die sehr intensiv von der umliegenden Ortschaft erzählte. Vorgelesen wurden die Bücher zu diesem Thema von der mehrfach ausgezeichneten Schauspielerin Wiebke Puls. Sie bot ihren Zuhörern einen tieferen Einblick in die Geschichte der Senne.

Naturvermittlung durch Literatur und Rad

Mit Georg Weerths „Die Armen in der Senne“ berichtete Wiebke Puls aus dem Leben einer verarmter Bauernfamilie, die Mitte des 19. Jahrhunderts lebte. Anschließend las sie aus Erich Maria Remarques Besteller „Im Westen nichts Neues“ vor und ließ die Zuhörer am Alltag russischer Kriegsgefangener des Ersten Weltkriegs teilhaben. Doch es waren nicht nur die negativen Assoziationen, sondern vielmehr die Schönheit der Natur, die beim Festival betont werden sollte. Dies gelang Wiebke Puls vor allem mit Hermann Löns’ „Frau Einsamkeit“.

Die Vielfalt der Natur wurde den Festivalbesuchern jedoch nicht nur durch die Literatur übermittelt, sondern vor allem durch eine 30 Kilometer lange Radtour durch die untere Senne. Dieser Ausflug begann am Ramselhof und erstreckte sich über Landstraßen und Waldstücke bis zur Heidschnuckenschäferei.

„Die Strecke war sehr schön und abwechslungsreich. Wir sind sogar an den Emsquellen vorbeigefahren“, berichtet eine Teilnehmerin.

Wanja Mues liest aus Juli Zehs Roman „Neujahr“ vor.

Wanja Mues liest aus Juli Zehs Roman „Neujahr“ vor.

Auch zum Thema Radfahren bot das Festival passende Literatur: Juli Zehs Roman „Neujahr“. Vorgetragen wurde dieser von Schauspieler Wanja Mues. Er ist unter anderem bekannt durch seine Rolle als Night Clerk im Film „Die Bourne Verschwörung“ an der Seite von Matt Damon.

Während seiner Vorlesung schien er jedoch eher die Rolle des Hennings anzunehmen, aus dessen Sicht der Roman Juli Zehs verfasst wurde. Denn wie auch seine Kollegin, las Mues sehr authentisch mit einer ruhigen und deutlichen Stimme. „Ich habe mich sehr gefreut, hier lesen zu dürfen und hatte großen Spaß dabei“, sagt Wanja Mues.

Der von ihm gelesene Roman handelt von einem Familienvater, den das Leben maßlos überfordert. Nicht einmal seine Familie kann ihm Rückhalt bieten. Manchmal sehe er sie an und wisse, dass er sie liebe, ohne etwas dabei zu empfinden, las Mues.

Die Besonderheit dieses Buches liegt jedoch vor allem in der Zeitstreckung, denn die Radtour des Protagonisten Henning zieht sich über 90 Seiten. Während er einen Berg mit seinem Rad erklimmt und dessen Spitze immer näher kommt, kommt ihm auch die Ursache für seine Unzufriedenheit immer näher.

Musikalische Beiträge

Einen weiteren Höhepunkt des Festivals boten die musikalischen Beiträge. Fabiana Striffler an der Violine und David Hagen am Kontrabass präsentierten gemeinsam viele Lieder aus ihrem eigenen Repertoire. Darunter „Dreamy Backroads“. Diesen Song hatte Striffler nach ihrer Reise durch Kalifornien komponiert, inspiriert durch einsame Straßen mit wenigen Häusern.

Auch der erst 20 Jahre alte Klarinettist Jakob Plag konnte sein Publikum begeistern und bekam für seine Darbietungen aus dem 20. und 21. Jahrhundert besonders viel Applaus. Bereits in jungem Alter verfügt er über die Fähigkeit, selbst Strawinsky und Penderecki nahezu perfekt zu spielen.

Doch mit dieser extravaganten Radtour sollte das Festival noch nicht enden. Insgesamt besteht es aus elf verschiedenen Veranstaltungen und findet vom 3. September bis zum 4. Oktober statt. Erwartet werden 70 Künstler aus insgesamt acht Nationen.

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