Wie Hubertus Beringmeier auf die Afrikanische Schweinepest reagiert
Erst einmal den Zaun erhöht

Hövelhof (WB). Ob in der Schlachthofkrise oder jetzt nach Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest, kurz ASP: Hubertus Beringmeier ist als Bauernpräsident in Westfalen-Lippe in diesem Jahr ein gefragter Gesprächspartner. Dabei ist er auch selbst Betroffener: Auf dem Hof, den er in Hövelhof im Kreis Paderborn mit seinem Sohn bewirtschaftet, werden etwa 3500 Schweine bis zur Schlachtreife gemästet.

Donnerstag, 17.09.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 13:14 Uhr
Hubertus Beringmeier in seinem Schweinestall. Er ist mittels zweier Webcams auch für Außenstehende einsehbar. Foto: Oliver Schwabe
Hubertus Beringmeier in seinem Schweinestall. Er ist mittels zweier Webcams auch für Außenstehende einsehbar. Foto: Oliver Schwabe

Anders als bei der durch das Coronavirus verursachten zeitweisen Schließung des Tönnies-Schlachthofes in Rheda-Wiedenbrück und anderer Schlachthöfe seien die Landwirte auf ASP besser vorbereitet. „Nachdem beim ersten Wildschwein im polnischen Grenzgebiet zu Deutschland ASP nachgewiesen wurde, waren wir für jeden Monat dankbar, in dem Deutschland von der Tierseuche noch verschont blieb.“

Beringmeiers nutzten die Zeit, um den Zaun um den Hof zu erneuern und auf 1,60 Meter zu erhöhen. Zugleich wurde die Futtersillage so abgeriegelt, dass kein Tier und damit auch kein Wildschwein herankommt. Das Virus ist total leicht übertragbar – für Menschen selbst beim Fleischverzehr unschädlich, für Hausschweine aber tödlich. „Zusätzlich achten wir noch mehr darauf, Kleidung und Schuhe nach jedem Stallbesuch zu wechseln und alle Hygienevorschriften peinlichst einzuhalten”, erklärt Beringmeier – unabhängig von den verstärkten Kontrollen durch die Veterinäre.

Vertrauen in die Wildtierseuchenvorsorgegesellschaft

Beruhigend sei, dass die Behörden vorsorgten. Eine von der NRW-Landesregierung, Landwirten und Jägern vor zwei Jahren gegründete Wildtierseuchenvorsorgegesellschaft habe mobile Zäune und Quads eingelagert, um im Fall des Falles Gebiete schnell abzuriegeln. Vorgesehen ist in NRW ein Kerngebiet von drei Kilometern um den Fundort eines verendeten Wildschweins, in dem jede Arbeit in der Landwirtschaft unterbleiben soll. Im sogenannten „gefährdeten Gebiet” im Umkreis von fünf Kilometern und der „Pufferzone” (30 Kilometer) gelten ebenfalls Einschränkungen, die aber, so Beringmeier, abgestuft seien.

Doppelter Zaun um Bio-Bauernhöfe

Was die Bio-Landwirte in der Region betrifft, so gelten nach Angaben des Bauernpräsidenten die gleichen Vorschriften wie in der konventionellen Landwirtschaft. Allerdings müssten die Hausschweine dort, wo sie Auslauf haben, durch einen doppelten Zaun vor dem Kontakt zu Schwarzwild geschützt werden.

Sorgen bereitet Beringmeier die Entwicklung des Schweinepreises. Pro Schlachttier erhalte er augenblicklich 20 Euro weniger als noch vor kurzem. Das sei nicht rentabel und werde dazu führen, dass manche die vielleicht ohnehin geplante Schließung ihres Hofs vorziehen. Andererseits gehörten Schwankungen beim Schweinepreis zu einem gewissen Grad zum unternehmerischen Risiko.

Es spricht für das unternehmerische Grundvertrauen der Beringmeiers, dass sie, obwohl die Kosten aktuell höher sind als der Erlös, dennoch die Zahl der Schweine nicht reduzieren. Dieses Verhalten entlastet die Ferkelzüchter, die als letztes Glied in der Kette derzeit am stärksten leiden.

Wichtiger noch als der Schweinepreis ist dem Mäster, dass die schlachtreifen Tiere überhaupt abgeholt werden. Denn das, sagt Beringmeier, war in der Corona-Krise das größte Problem.

Aus Deutschland nach Spanien, von Spanien nach Asien

Nun müsse vorrangig den Abnehmerländern erklärt werden, dass man beim Blick auf Deutschland zwischen den Regionen un­terscheiden müsse – auch dann, wenn, was Beringmeier erwartet, es zu mehr ASP-Fällen kommt. Als Zwischenlösung biete sich der Export in andere EU-Länder wie Spanien an. Dort liege der Schweinepreis um fast 50 Cent pro Kilogramm höher. So könnte Spanien das billigere Fleisch aus Deutschland importieren und das eigene in Länder wie China exportieren.

„2020 wird absolut schwierig“, sagt Beringmeier. „Aber ich hoffe, es wie beim Wetter: Nach einem schlechten Jahr kommt auch irgendwann wieder ein gutes.”

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