Mario Schäfer erstellt Modell des Hövelhofer Ortsteils mit dem 3-D-Drucker
Staumühle aus 1500 Einzelteilen

Hövelhof (WB). Wer Staumühle hört, denkt unweigerlich an Kasernen, Lager und die Justizvollzugsanstalt. Für etwa 350 Hövelhofer aber ist Staumühle auch ihr Wohnort, ihre Heimat. Das 250-jährige Ortsjubiläum muss coronabedingt in diesem Jahr ausfallen, die vorbereitenden Arbeiten für das Jubiläum aber sind trotzdem weitergelaufen. Im Keller von Mario und Karina Schäfer an der Fasanenstraße ist in mühevoller Kleinarbeit ein Ortsmodell entstanden, das zeigt, wie Staumühle um 1946 aussah. 1500 Einzelteile hat Mario Schäfer dafür eigenhändig in 3D ausgedruckt und aufgeklebt.

Dienstag, 20.10.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 21.10.2020, 09:38 Uhr
Mario und Karina Schäfer zeigen das zum 250-jährigen Bestehen erstellte Modell des Ortsteils Staumühle. Die Stuggemühle auf dem Gemälde gab Staumühle seinen Namen. Das Jubiläum muss coronabedingt auf 2021 verschoben werden. Foto: Jörn Hannemann
Mario und Karina Schäfer zeigen das zum 250-jährigen Bestehen erstellte Modell des Ortsteils Staumühle. Die Stuggemühle auf dem Gemälde gab Staumühle seinen Namen. Das Jubiläum muss coronabedingt auf 2021 verschoben werden. Foto: Jörn Hannemann

Der Ort Staumühle hat seinen Namen von der fürstlichen Staumühle („Stuggemühle“) am Oberlauf des Haustenbaches aus der Regierungszeit des Paderborner Fürstbischofs Wilhelm Anton von der Asseburg (1763–1782). „Die Stuggemühle war bis in die 1960er Jahre noch in Betrieb“, sagt Mario Schäfer. Der Bau der Mühle wurde historischen Unterlagen zufolge 1770 fertig gestellt, das Jahr 1770 gilt somit als Gründungsjahr Staumühles.

2015 gab es eine Festschrift „100 Jahre Lager Staumühle“

Um die Geschichte kümmert sich seit einigen Jahren die Dorfgemeinschaft Staumühle. Mario Schäfer hat den Verein gegründet, inzwischen ist Marko Hasenohr Vorsitzender. 2015 hat der Verein bereits eine kleine Gedenkschrift zur Geschichte des Lagers unter dem Titel „100 Jahre Leben und Wirken im Bereich des ehemaligen Lagers Staumühle“ herausgegeben. Aus Ehrfurcht vor den vielen vor allem in den Kriegsjahren im Lager Verstorbenen hatte man 2015 von einem Fest Abstand genommen und wollte das eigentlich in diesem Jahr nachholen. Das Coronavirus machten auch diese Planungen zu nichte.

Es gibt aber bereits eine alternative Idee. „Sollte das Pandemiegeschehen dies zulassen, wollen wir die Jubiläumsfeier 250 Jahre Staumühle im kommenden Jahr am 25. April nachholen“, sagt Mario Schäfer. Das ist bekanntlich in Hövelhof der „Maibaum- und Radelfest“-Sonntag. Erste Gespräche mit dem Hövelhofer Verkehrsverein, wie man das Stadtfest und das Staumühler Jubiläum verbinden könnte, liefen bereits, sagt Mario Schäfer. „Wir könnten uns vorstellen, einen Infostand auf dem Maibaum- und Radelfest anzubieten und zu Radtouren an diesem Tag nach Staumühle einzuladen“, ergänzt er.

Dorfgemeinschaft freut sich über „Heimatscheck“ des Landes

Auf jeden Fall soll dann auch das Modell Staumühles öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Dorfgemeinschaft freut sich daher aktuell über einen so genannten „Heimatscheck“. Das ist ein Förderprogramm des Landes NRW, ein Scheck umfasst eine Förderung von 2000 Euro für kleinere Projekte vor Ort. „Wir können dank dieser finanziellen Unterstützung jetzt Vitrinen und Roll-up-Displays anschaffen und es steht damit auch nach der 250-Jahr-Feier eine dauerhaft verfügbare und verleihbare Wanderausstellung zur Verfügung“, berichtet Mario Schäfer. Denkbar sei zum Beispiel, das Staumühler 3-D-Modell zeitweise im Hövelhofer Rathaus, im Kreishaus in Paderborn oder in der Wewelsburg zu zeigen.

Das Modell hat Schäfer im Maßstab 1:1000 auf einer 80 mal 120 Zentimeter großen Platte nachgebaut, die acht größten und wichtigsten früheren Gebäude zeigt er zudem gesondert und etwas größer und detaillierter. 250 Gebäude und Baracken und etwa 900 Bäume hat Schäfers Drucker in den vergangenen Monaten „ausgespuckt“, seit Februar hat der frühere Vorsitzende und heutige Geschichtsbeauftragte der Dorfgemeinschaft an dem Modell gebastelt. Anders ist die Geschichte Staumühles Außenstehenden auch kaum mehr zu erklären: „Nahezu alles, was historische Bedeutung hatte, haben Generationen vor uns weggerissen“, sagt Schäfer. Das, was noch übrig ist, liegt zumeist hinter Zäunen und Schranken verborgen und ist nur selten zugänglich. In 280 ehrenamtlichen Arbeitsstunden hat Mario Schäfer die Geschichte nun ein Stückweit erlebbarer gemacht.

Bilder und Anekdoten aus Staumühle gesucht

Wer für die geplante Festschrift Fotos oder Anekdoten aus Staumühle beisteuern kann, kann sich gerne über die Homepage oder bei Mario Schäfer unter Telefon 05257/3147 melden. Auf der Internetseite finden sich auch Infos zur Mitgliedschaft in der Dorfgemeinschaft und die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft.

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