Marianne Wiethoff schließt ihr Kindermodengeschäft „Lollypop“ in Hövelhof nach 31 Jahren unter besonderen Bedingungen
Räumungsverkauf durchs Fenster

Hövelhof -

Eigentlich müsste Marianne Wiethoff derzeit Kilometergeld bekommen. „So viel wie im Moment bin ich während der Arbeit noch nie gelaufen“, sagt die 64-Jährige. Grund dafür ist ein ganz besonderer Räumungsverkauf: Die Hövelhoferin schließt nach 31 Jahren ihr Kindermodengeschäft „Lollypop“ an der Schloßstraße – mitten im Lockdown.

Mittwoch, 27.01.2021, 05:18 Uhr aktualisiert: 27.01.2021, 05:20 Uhr
Derzeit geht‘s nur durch das Fenster: Marianne Wiethoff schließt ihr Kindermodengeschäft „Lollypop“, darf wegen des Corona-Lockdowns derzeit aber niemanden hineinlassen. Zum Glück gibt es das „Fenster zum Hof“. Dort darf sie ihre Kunden begrüßen und Ware verkaufen. Das ist mit dem Ordnungsamt abgesprochen.
Derzeit geht‘s nur durch das Fenster: Marianne Wiethoff schließt ihr Kindermodengeschäft „Lollypop“, darf wegen des Corona-Lockdowns derzeit aber niemanden hineinlassen. Zum Glück gibt es das „Fenster zum Hof“. Dort darf sie ihre Kunden begrüßen und Ware verkaufen. Das ist mit dem Ordnungsamt abgesprochen. Foto: Meike Oblau

Das hat zur Folge, dass sie ausgerechnet zum Abschluss ihres Berufslebens niemanden hineinlassen darf in ihr Geschäft. Zum Glück hat der Laden neben all den großen Schaufenstern immerhin ein kleines, zu öffnendes Fenster zur Wichmannallee. Das „Fenster zum Hof“ ist derzeit Dreh- und Angelpunkt des Schlussverkaufs. Das Ordnungsamt hat alles genehmigt. Vor das eigentliche Fenster wurde nochmal extra eine Plexiglasscheibe montiert, der berühmte „Spuckschutz“.

„Zulässig ist der Schaufensterverkauf als Bestell- und Abholservice. Dabei ist darauf zu achten, dass die Hygienebestimmungen eingehalten werden, insbesondere die Maskenpflicht und die Abstandsregelungen“, erläutert Bürgeramtsleiterin Petra Schäfers-Schlichting auf Anfrage. „An der Ausgabestelle kommt es darauf an, dass Ausgabe und Bezahlvorgang kontaktfrei beziehungsweise möglichst kontaktarm erfolgen“, ergänzt die Amtsleiterin, in deren Zuständigkeit auch der Bereich des Ordnungsamtes fällt.

Und nun stehen die Kunden bei „Lollypop“ am Fenster – und schicken Marianne Wiethoff kreuz und quer durch ihren Laden. „Haben Sie noch T-Shirts in Größe 98“, fragte eine Frau. Marianne Wiethoff wetzt los und kommt kurz darauf mit einem Stapel Shirts wieder. „Können Sie mir mal das Kleid zeigen, das die Schaufensterpuppe da ganz rechts trägt?“ Wieder läuft die Ladeninhaberin los, zieht der Puppe das Kleid aus und bringt es zum Fenster. „Ich suche Mützen für einen neugeborenen Jungen“, heißt es als nächstes. „Und einen Anorak in 104!“

Ihren Abschied nach 31 Jahren hatte sich Marianne Wiethoff eigentlich anders vorgestellt. „Man würde ja schon gerne die Kunden nochmal einladen, auf einen Sekt und ein paar nette Gespräche“, sagt sie. Im Lockdown völlig undenkbar. Zusammen mit ihrer Schwiegermutter Elisabeth Wiethoff hatte sie das Fachgeschäft 1989 eröffnet. Dass jetzt Schluss ist, habe nichts mit Corona zu tun, sagt Marianne Wiethoff. „Eigentlich kommt es mir jetzt zu Gute, dass ich schon länger geplant hatte, zu schließen. Sonst hätte ich jetzt schon das ganze Lager voll liegen mit Frühlingsmode.“

Auch in Zukunft wird es an der Schloßstraße übrigens Kindermode zu kaufen geben. Marion Förster und Stefanie Schmitfranz werden das dann übernehmen. Nach der Schließung von „Lollypop“ Ende Februar werden sie in Ruhe renovieren und wollen im Herbst neu eröffnen: unter dem neuen Namen „Hövelino“. Sie hoffen, dass das „Fenster zum Hof“ dann geschlossen bleiben kann und sie wieder Kunden ins Geschäft lassen dürfen. Marianne Wiethoff wird dann ihren Ruhestand genießen – dank der letzten Wochen ihres Berufslebens vermutlich „fit wie ein Turnschuh“.

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