Nach elf Wochen Corona-Lockdown öffnen die Friseure im Kreis Paderborn wieder – erste Kunden bereits um Mitternacht
Endlich wieder ein neuer Ab-Schnitt

Paderborn -

Es ist schwer zu sagen, für wen die Freude über das Wiedersehen größer war: Für die Kunden, die nach elf Wochen froh waren, ihre Corona-Mähne wieder von einem Profi in Form bringen zu lassen. Oder für die zahlreichen Friseure, die endlich wieder ihrer Arbeit nachgehen dürfen.

Montag, 01.03.2021, 19:15 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 20:20 Uhr
Die Ausbeute eines Tages: Bei vielen Kunden muss nach der haarsträubenden Zeit offenbar einiges runter, wie hier Friseur Thomas Kramps zeigt. Zusammen mit seinem Sohn Tobias wollte er die Kunden seines Salons so früh wie möglich bedienen und empfing kurz nach Mitternacht bereits den ersten Kunden.
Die Ausbeute eines Tages: Bei vielen Kunden muss nach der haarsträubenden Zeit offenbar einiges runter, wie hier Friseur Thomas Kramps zeigt. Zusammen mit seinem Sohn Tobias wollte er die Kunden seines Salons so früh wie möglich bedienen und empfing kurz nach Mitternacht bereits den ersten Kunden. Foto: Jörn Hannemann

Der Paderborner Friseurmeister Thomas Kramps (57) wollte seine Kunden zumindest so früh wie möglich bedienen und legte Punkt 00.01 Uhr in seinem Salon an der Borchener Straße los. Bis zwei Uhr in der Nacht ließ er zusammen mit seinem Sohn Tobias (27) die Scheren klappern und Haarschneidemaschinen surren. Acht Kunden, terminiert im Halbstundentakt, nahmen den frühest möglichen Termin nach dem Lockdown dankbar an.

Die Zeit des Selberschneidens ist vorbei. Jetzt dürfen die Profis wieder ran. Und die hatten gleich am ersten Tag viel zu tun. Tobias Kramps legte dafür mit seinem Vater gleich eine Nachtschicht ein.

Die Zeit des Selberschneidens ist vorbei. Jetzt dürfen die Profis wieder ran. Und die hatten gleich am ersten Tag viel zu tun. Tobias Kramps legte dafür mit seinem Vater gleich eine Nachtschicht ein. Foto: Jörn Hannemann

Der Betrieb in der vierten Generation, den es seit über 80 Jahren in Paderborn gibt, will damit auch zeigen, wie wichtig die Öffnung ist. „Vielen Kollegen steht das Wasser bis zum Hals, weil sie seit Monaten keine Einnahmen haben. Viele hätten Kredite aufnehmen müssen, andere hätten bereits aufgegeben. Das sieht man an den vielen Neukunden, die plötzlich anrufen.“

Für die knapp 70 Innungsbetriebe im Kreis Paderborn endet mit diesem Tag auch eine im wahrsten Sinne haarsträubende Zeit. Das wollte auch die Kreishandwerkerschaft durch ein Zeichen des Mitgefühls ausdrücken. Hauptgeschäftsführer Michael Lutter und weitere Vertreter der Kreishandwerkerschaft besuchten am Tag alle 140 Innungsbetriebe im Kreis Paderborn und Lippe und überreichten den Inhabern Schokolade als Dank für das Durchhalten und Nervennahrung für den Kundenansturm.

Anlässlich des Neustarts suchte die Kreishandwerkerschaft alle 140 Innungsbetriebe im Kreis Paderborn und Lippe persönlich auf, um für das Durchhalten zu danken. Hier übergibt Hauptgeschäftsführer Michael Lutter ein süßes „Dankeschön“ an Antonio Sposito.

Anlässlich des Neustarts suchte die Kreishandwerkerschaft alle 140 Innungsbetriebe im Kreis Paderborn und Lippe persönlich auf, um für das Durchhalten zu danken. Hier übergibt Hauptgeschäftsführer Michael Lutter ein süßes „Dankeschön“ an Antonio Sposito. Foto: Jörn Hannemann

„98 Tage im Lockdown ist bei niemandem spurlos vorüber gegangen. Es ist eine Zeit, die es so noch niemand gesehen hat, sich nicht einmal vorstellen konnte“, betont Hauptgeschäftsführer Michael Lutter bei einem Besuch bei Antonio Sposito, stellvertretendem Obermeister der Innung. “Viele Friseure mussten an ihre privaten Ersparnisse aufbrauchen, was eigentlich als Rücklage für das Alter gedacht war. Das ist nicht in Ordnung!“ Gleichzeitig dürfe man aber auch die anderen Branchen nicht vergessen, „die alle unser volles Mitgefühl haben und wir uns freuen, wenn auch diese wieder normal ihrer Arbeit nachgehen dürfen.“

Wie schnell sich Corona-Regelungen lockern können, bewies der Paderborner FDP-Landtagsabgeordnete Marc Lürbke. Im letzten Moment sei auf seine Initiative hin gelungen die Zehn-Quadratmeter-Regel, nach der zunächst nur eine Person auf entsprechender Ladenfläche zulässig sei, zu lockern. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern sind nun in NRW ein Kunde pro zehn Quadratmeter erlaubt. Mitarbeiter und Auszubildende des Salons werden also nicht mehr gezählt. „Gerade kleinere Friseursalons hätte die sehr strikte Bundesregelung vor ganz erhebliche Probleme gestellt.“ Die doppelte Zahl der Kunden sei so möglich. Den Anstoß zu seiner Initiative habe der Paderborner Friseur Jürgen Mollemeier (Salon Kopfarbeit) gegeben.

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