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Di., 10.10.2017

Amtsgericht Paderborn:< Verkäufer muss nach Urteil sein Auto zurücknehmen Unfall verschwiegen

Ein Mann aus Lichtenau hat von einem Anbieter aus Hamm einen Corsa gekauft. Dieser hatte damit geworben, dass der Wagen unfallfrei sei. Ein Gutachter fand heraus, dass das Auto mindestens einen Unfall hatte. Der Verkäufer muss das Auto zurücknehmen.

Ein Mann aus Lichtenau hat von einem Anbieter aus Hamm einen Corsa gekauft. Dieser hatte damit geworben, dass der Wagen unfallfrei sei. Ein Gutachter fand heraus, dass das Auto mindestens einen Unfall hatte. Der Verkäufer muss das Auto zurücknehmen.

Von Sebastian Schwake

Paderborn/Lichtenau (WB). Des deutschen liebstes Kind wird millionenfach zum Kauf angeboten. Ein Mann aus Lichtenau hat über ein Onlineportal ein Auto für seine Tochter gekauft. Der Verkäufer hatte es dort als unfallfrei angepriesen. Das war es aber nicht, nun muss er das Fahrzeug zurücknehmen, urteilte das Amtsgericht Paderborn.

Der Lichtenauer stieß in einem Auto-Onlineportal auf den Corsa. Er vereinbarte mit dem Anbieter aus Hamm einen Termin, um sich das nicht angemeldete Fahrzeug anzuschauen. Beim Besichtigungstermin verständigten sie sich darauf, dass der Verkäufer noch die Hauptuntersuchung veranlassen solle, bevor der Lich­tenauer das Fahrzeug kauft. Der Verkäufer führte den Corsa im Juli des Vorjahres bei der Dekra vor – und der Wagen bekam die Zulassung. Im Prüfbericht wurde aber vermerkt, dass die Bremsleitung angerostet und die Stoßfänger vorne lose seien.

Auto sei angeblich in einem »Top-Zustand«

Vier Tage später besichtigte der Lichtenauer den Wagen erneut. Beim Verkaufsgespräch erklärte der Hammer, dass das Auto in einem Top-Zustand sei und alle Mängel aus dem TüV-Bericht in einer Werkstatt eines Freundes behoben worden seien. Die Männer schlossen daraufhin einen Kaufvertrag über 1990 Euro ab. Dieser enthielt den Passus: »Verkauf unter Ausschluss der Sachmängelhaftung und sonstiger Gewährleistung/Garantie. Gekauft wie gesehen«. Das Auto wurde übergeben.

Bereits auf der Fahrt nach Lichtenau bemerkte der Käufer, dass etwas mit der Bremse und der Lenkung des Fahrzeuges nicht stimmte. Am nächsten Tag fuhr er damit zu einem Kfz-Sachverständigen nach Salzkotten. Dieser stellte fest, dass die Lenkung zu viel Spiel und der Auspuff ein Loch hatte, die Hinterbremse festsaß und diverse Halterungen nur mit Kabelbindern gesichert waren. Zudem fand er heraus, dass das Fahrzeug »definitiv ein Unfallwagen« ist und mindestens in einen, wenn nicht sogar in mehrere Crashs verwickelt gewesen war.

Der Lichtenauer schaltete seinen Anwalt Thorsten Fust ein. Fust forderte den Verkäufer auf, den Wagen zurückzunehmen. Das tat dieser nicht – und der Anwalt reichte Klage ein. Diese wurde nun vor dem Amtsgericht Paderborn verhandelt.

Bei Blitzeis beschädigt

Thorsten Fusts Recherchen hatten ergeben, dass ein früherer Besitzer des Autos damit in einen Unfall verwickelt war. Der Wagen sei im November 2008 bei auftretendem Blitzeis mit einem Leitpfosten kollidiert und beschädigt worden, sagte der frühere Besitzer vor Gericht aus. Der Gutachter widerlegte vor Gericht die Aussage des Verkäufers, dass alle Mängel aus dem TüV-Bericht behoben worden seien. Insbesondere die Korrosion an der Bremsanlage sei weiter vorhanden, führte der Kfz-Sachverständige aus. Dieser Schaden beeinträchtige zwar nicht die Verkehrssicherheit, die Dekra habe aber darauf hingewiesen, den Schaden beheben zu lassen.

Der Richter hatte genug gehört: Er verurteilte den Verkäufer, den Wagen zurückzunehmen und dem Lichtenauer neben dem Kaufpreis auch Zinsen zu zahlen und dessen Anwaltskosten zu übernehmen.

Fazit: Wer bewusst oder unbewusst behauptet, dass ein Fahrzeug unfallfrei ist, muss sich einen Vorschaden anrechnen lassen, auch wenn er ihn selbst nicht verursacht hat.

Aktenzeichen: 55 C 232/16

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