Mi., 13.12.2017

Verein »Lichtenau eMobil« soll weiterhin Diesel fahren E-Kleinbus nicht lieferbar

Michael Schleicher, Annette Strake und Bernd Amedick (von links) fahren den Lichtenauer Bürgerbus. Eigentlich sollte jetzt auch ein Elektrobus angeschafft werden, aber ein solches Fahrzeug ist derzeit nicht lieferbar.

Michael Schleicher, Annette Strake und Bernd Amedick (von links) fahren den Lichtenauer Bürgerbus. Eigentlich sollte jetzt auch ein Elektrobus angeschafft werden, aber ein solches Fahrzeug ist derzeit nicht lieferbar. Foto: Besim Mazhiqi

Von Hanne Hagelgans

Lichtenau (WB). Der Bürgerbus, den der Verein »Lichtenau eMobil« seit dem Frühjahr betreibt, ist gut angelaufen. So gut, dass nun auch tatsächlich ein E-Mobil angeschafft werden sollte. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn offenbar kann kein Hersteller zurzeit einen passenden Elektro-­Bus liefern.

Der ehrenamtlich geführte Verein stellt werktags den Linienbetrieb des Bürgerbusses sicher. Dazu stellt die Bahnbus Hochstift GmbH zurzeit ein konventionelles, dieselbetriebenes Fahrzeug zur Verfügung. Das ist bereits 15 Jahre alt und sollte eigentlich zu Beginn des kommenden Jahres durch einen elektrisch betriebenen Bus ersetzt werden, der unter anderem aus dem Fördertopf »Leader« finanziert werden sollte. So hatte es bereits im März auch der Lichtenauer Umweltausschuss beschlossen.

Mitte August flatterte der Stadt dann allerdings die Nachricht ins Haus, dass der ausgesuchte Hersteller, die Firma VDL Bus & Coach GmbH, das Fahrzeug »aufgrund tagesaktuell unlösbarer technischer Probleme« nicht produzieren könne. Die Stadt hörte sich bei anderen Herstellern um, doch die sahen sich ebenfalls nicht in der Lage, einen vergleichbaren Bus zu bauen, der für die Anforderungen der Flächenkommune Lichtenau tauglich wäre. Mit der Auslieferung eines E-Busses mit einer Reichweite zwischen 250 und 300 Kilometern sei realistisch erst Ende des Jahres 2019 zu rechnen, teilten mehrere Unternehmen mit.

Doch der derzeit genutzte Diesel-Bus ist nur geliehen und außerdem in die Jahre gekommen. Um den Bürgerbus trotzdem auch im neuen Jahr in Betrieb zu halten, schlägt die Verwaltung nun vor, ein Fahrzeug anzuschaffen, das mit neuer Diesel-Technologie ausgestattet ist. Das Thema wird am heutigen Abend im Haupt- und Finanzausschuss (19 Uhr im Technologiezentrum) diskutiert.

Daten und Zahlen

Der Lichtenauer Bürgerbus ist seit dem Fahrplanwechsel am 25. April in Lichtenau unterwegs – und ist ein Erfolgsmodell. 4500 Fahrgäste sind bisher mit dem Bus gefahren. Der stärkste Monat war nach Angaben des Vorsitzende von »Lichtenau eMobil«, Thomas Asche, der November mit 779 Fahrgästen. Im Oktober waren es 660. Der Bus fährt von montags bis freitags von morgens um 7 Uhr bis abends um 19 Uhr und etwa 300 Kilometer am Tag. 15 Fahrer, darunter auch Berufstätige, steuern den mit acht Plätzen ausgestatteten Bürgerbus durch das Stadtgebiet. Der Verein sucht nach weiteren Fahrern. Informationen gibt es auf der Homepage oder beim Vereinsvorsitzenden. Die Fahrer sind ehrenamtlich aktiv. Bisher sind 1557 Stunden zusammen gekommen. »Der Bürgerbus wird in Lichtenau sehr gut angenommen«, bilanziert, Thomas Asche, der eine Software geschrieben hat, mit der er die Dienstpläne erstellt. Gefahren wird in Schichten. 15 sind es in einer Woche. Die Strecke, die der Bus abdeckt, ist Teil des öffentlichen Nahverkehrs.

Vorgesehen ist, dass die Stadt Lichtenau den Kleinbus kauft, dabei aber der Nahverkehrsverbund Paderborn-Höxter (NPH) die vollständige Finanzierung von 49.000 Euro übernommt. Die laufenden Kosten (Betriebsmittel, Versicherung, ärztliche Untersuchung der Fahrer) bestreitet der Verein »Lichtenau eMobil«.

Sobald es in etwa zwei Jahren möglich ist, einen Elektrobus zu kaufen, solle ein neuer Beschluss erörtert werden, schlägt die Verwaltung in ihrer Vorlage zur Ausschusssitzung vor.

Der NPH ist mit diesem Vorgehen einverstanden. Allerdings macht er zur Auflage, dass beim Verkauf des neues Dieselbusses der Erlös in die Anschaffung des eigentlich gewünschten E-Fahrzeugs investiert werden muss. Eine erneute Förderung sei dann nicht mehr möglich. Ein ähnliches Erlebnis wie jetzt Lichtenau hatte der Nahverkehrsverbund Paderborn/Höxter bereits bei der Errichtung des Naturerbebusses zwischen Altenbeken und Bad Lippspringe, der zur Landesgartenschau in Bad Lippspringe an den Start gehen sollte. Ursprünglich hatte man den Betrieb der Linie bei der Ausschreibung mit der Verwendung eines E-Busses gekoppelt. Es sollte ein Vorbild-Projekt werden. Da die Kosten für Prototypen jedoch zu hoch waren und auch eine mögliche Lieferung bis zum Landesgartenschaustart aussichtslos war, entschied man sich schließlich für den Einsatz von regulären Kleinbussen.

Kommentar

Der Verein »Lichtenau eMobil« zeigt, wie es mit Einfallsreichtum und ehrenamtlichem Engagement gelingen kann, auch auf dem »platten Land« Infrastruktur und damit Lebensqualität und lebendige Dörfer zu erhalten. Richtig perfekt wäre das Projekt gewesen, wenn in der Energiestadt Lichtenau nun auch tatsächlich, wie es der Vereinsname ja schon andeutet, ein Elektrobus die Älteren zum Arzt oder zum Einkaufen und die Jüngeren in die Schule gebracht hätte. Dass es weit und breit offenbar keinem Unternehmen gelingt, ein passendes Fahrzeug zu liefern, ist ein Unding. So wird eine gute Idee zwar nicht ausgebremst, denn der Bürgerbus rollt ja auch künftig, aber doch auf eine Technologie zurückgeworfen, die eigentlich niemand mehr will. Hanne Hagelgans

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