Grabungen an alter Bahntrasse: Kooperationspartner sind im Gespräch
Baustelle soll Touristen anlocken

Willebadessen (WB). Die aufgegebene Eisenbahn-Großbaustelle zwischen Willebadessen und Kleinenberg soll künftig Touristen in die Region locken. Dafür soll das Areal begehbar und erfahrbar gemacht werden. Dieses Ziel haben sich nun verschiedene Kooperationspartner gesetzt.

Donnerstag, 22.03.2018, 12:50 Uhr aktualisiert: 22.03.2018, 14:02 Uhr
Die Überreste einer Schmiede graben Studenten der Universität Kiel zurzeit aus. Die Grabungsleiter Fritz Jürgens (hinten, 5. von links) und Nils Wolpert verfolgen das Geschehen gemeinsam mit Konstantin Freiherr von Wrede, Eigentümer des Geländes. Foto: Daniel Lüns
Die Überreste einer Schmiede graben Studenten der Universität Kiel zurzeit aus. Die Grabungsleiter Fritz Jürgens (hinten, 5. von links) und Nils Wolpert verfolgen das Geschehen gemeinsam mit Konstantin Freiherr von Wrede, Eigentümer des Geländes. Foto: Daniel Lüns

Mit im Boot sind die Städte Lichtenau und Willebadessen, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), die Universität Kiel, der Zweckverband Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge und der Verkehrsverein Willebadessen. Das erklärt Fritz Jürgens (Universität Kiel), der die laufenden Grabungen mit Nils Wolpert (LWL) leitet.

Areal könnte mit Schautafeln ausgestattet werden

Seit Jahren denken die Forscher darüber nach, das Areal vor Ort mit Schautafeln auszustatten. »So könnten wir über die Baustelle und unsere Grabungen informieren«, sagt Jürgens. Nun könnte diese Idee Fahrt aufnehmen. Der Eigentümer des Geländes, Konstantin Freiherr von Wrede, unterstützt die Pläne. »Mit diesen Pfunden sollten wir in Willebadessen wuchern. Nicht mehr die Jagd, sondern der Tourismus sollen hier im Vordergrund stehen«, sagt von Wrede.

Angedacht sei neben dem Aufstellen von Info-Tafeln nun auch, dass die Archäologen ein ausgegrabenes Gebäude gut sichtbar aufgedeckt lassen, »um die Einmaligkeit dieses Geländes erfahrbar zu machen.« Auch der Faktor Geld stehe schon im Raum. Im Gespräch habe der Zweckverband Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge bereits erkennen lassen, sich an der Finanzierung des Projektes zu beteiligen, erklärt von Wrede. Einen konkreten Zeitplan gebe es aber noch nicht.

Dass die Hinterlassenschaften bei Willebadessen eine Attraktion sein könnten, davon ist Fritz Jürgens überzeugt. »Wir haben hierüber zum Beispiel Artikel in amerikanischen Zeitschriften veröffentlicht. Die hatten brennendes Interesse daran«, betont der Grabungsleiter. »Dieses Projekt ist weit über die Grenzen Ostwestfalens hinaus interessant. Zudem trifft es einen breiten Querschnitt der Bevölkerung.«

Nicht nur für Heimatforscher, sondern auch für Eisenbahner und Familien sei der Ort interessant. Außerdem könnten etwa Ingenieure die verwendete Technik der damaligen Zeit studieren. Denn nirgendwo sonst seien so viele Spuren aus der Anfangszeit der Eisenbahn erhalten geblieben. Im Laufe der Zeit seien solch aufgegebene Projekte überbaut worden. In Willebadessen sei dies nicht passiert. »Hier ist alles konserviert worden – wie in einer Zeitkapsel. Das ist einmalig für uns, ein Glücksfall«, sagt Grabungsleiter Nils Wolpert.

Seit Jahren lockt die aufgegebene Baustelle Archäologen in die Egge

Seit Jahren lockt die aufgegebene Baustelle Archäologen in die Egge. Seit einer Woche sind dort acht Studenten der Universität Kiel im Einsatz. Gemeinsam mit einer Freiwilliges-Soziales-Jahr-Kraft (FSJ) möchten sie dem Wald noch bis Freitag so viele Gemeinnisse wie möglich entlocken. »Der Fokus liegt auf der Schmiede, die hier aufgebaut wurde«, sagt Wolpert. Dort seien Werkzeuge, zum Beispiel Meißel, nachgeschleift worden. Baumaterial sei dort nicht angefertigt worden.

Zudem legen die Forscher gerade die Mauerreste einer Schenke frei. Bereits vor zwei Jahren wurden vor Ort Grundmauern entdeckt. Bei der weiteren Erforschung half nun das Sturmtief »Friederike« nach. Unter einem Baum, der dem Orkan zum Opfer fiel, liegt nämlich eine Hausecke der Kneipe.

Bei der Untersuchung fanden die Forscher heraus, dass die Schenke kleiner war als vermutet. Sie war daher wohl nur für höhere Ingenieure gedacht und nicht für die etwa 600 Arbeiter. An einer dritten Stelle, westlich der L 763, nehmen die Studenten die Reste eines Wächterhauses unter die Lupe. Vermutlich wurde die Großbaustelle von dort aus verwaltet.

Die gewonnene Erkenntnisse werden nun gesammelt und ausgewertet

Ob es vor Ort noch weitere Grabungen geben wird, steht noch nicht fest, erklärt Nils Wolpert. Zunächst sollen die gewonnenen Erkenntnisse nun gesammelt und ausgewertet werden. Auch sei so eine Untersuchung immer eine Frage des Geldes. »Aber das Potenzial dafür wäre da«, betont der Grabungsleiter.

»Wie und wo haben die Arbeiter gelebt? Wie wurde die Baustelle organisiert? Wir wissen viele Details noch nicht«, sagt Wolpert. »An dieser Stelle haben etwa 600 Menschen jahrelang gearbeitet. Hier wird noch Einiges verborgen sein«, ergänzt sein Kollege Fritz Jürgens. »Der Wald ist noch voller Geheimnisse.«

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