Fr., 17.05.2019

Frank-Walter Steinmeier lobt Ausstellung über Verschwörungstheorien – mit Video Bundespräsident im Kloster

Ingo Grabowsky, Kuratorin Carolin Mischer (Zweite von links) und die Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger führten Frank-Walter Steinmeier durch die Schau.

Ingo Grabowsky, Kuratorin Carolin Mischer (Zweite von links) und die Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger führten Frank-Walter Steinmeier durch die Schau. Foto: Jörn Hannemann

Von Dietmar Kemper

Lichtenau (WB). Bürgermeister Josef Hartmann hatte die Lacher auf seiner Seite. »Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublk besucht ein Bundespräsident Lichtenau«, sagte er am Freitagabend an Frank-Walter Steinmeier gerichtet.

Dass das deutsche Staatsoberhaupt wirklich da war, belegen seine Einträge in die Goldenen Bücher der Stadt und des Kreises Paderborn. Steinmeier ist Schirmherr der Ausstellung »Verschwörungstheorien – früher und heute«, die am Freitag eröffnet wurde und bis zum 22. März 2020 laufen wird.

Wie berichtet, erzählt sie anhand von 250 Exponaten die Geschichte mal brandgefährlicher und mal lustig anmutender Verschwörungstheorien vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Nachdem Steinmeier die 600 geladenen Gäste hemdsärmelig-westfälisch mit »Hallo, Tach« begrüßt hatte, wurde er durch die Ausstellung geführt. Dabei bedauerte Museumsdirektor Ingo Grabowsky: »Verschwörungstheorien werden nicht weniger, es kommen neue auf den Haufen drauf.«

»Auf sehr wohltuende Weise faktenorientiert und aufklärend«

Bei der anschließenden Feier im Neuen Schafstall lobte Steinmeier die Schau als »auf sehr wohltuende Weise faktenorientiert und aufklärend«. Sie sei hochaktuell, weil Verschwörungstheorien eine Renaissance erlebten und sich im Internet und den sozialen Medien mit ihren gegen Fakten resistenten Filterblasen rasch verbreiteten. Trotz Aufklärung und technischem Fortschritt gebe es weiterhin das Bedürfnis bei nicht wenigen Menschen nach einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Angesichts der Unsitte, dass Populisten »alternative Wahrheiten« erfinden, mahnte Steinmeier »Ehrfurcht vor Worten« an.

Das Klostermuseum in Dalheim sei ein Beispiel dafür, dass es Kultur nicht nur in den Metropolen, sondern auch auf dem Land gebe. »Ländlich heißt nicht abgehängt und vernachlässigt«, betonte der gebürtige Lipper Steinmeier, der am Freitagabend von Paderborn zurück nach Berlin flog.

Verschwörungstheorien rechtfertigen Gewalt

Absurde Theorien wie die von der »jüdischen Weltverschwörung« seien als »perfide Rechtfertigung« missbraucht worden, um Minderheiten auszugrenzen und Menschen zu töten, mahnte der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Matthias Löb. Das Landesmuseum für Klosterkultur gehört dem LWL. Bürgermeister Josef Hartmann warb für Lichtenau als »Hauptstadt der Windenergie«. Schon jetzt erzeugten die Turbinen 350 bis 400 Megawatt an Leistung und damit das Siebenfache des Energiebedarfs der Stadt. Auf die Theorie, wonach sich Windbarone gegen die Landschaft und deren Menschen verschworen hätten, »begegnen wir mit Bürgerbeteiligung«, betonte Hartmann.

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