Di., 21.05.2019

Wildzaun des WOL am Husener Rückhaltebecken wird zur Todesfalle Ziegenbock verliert Überlebenskampf

Bernd Dost hat den verendeten Ziegenbock in seiner Todesfalle fotografiert. Spuren auf der Weide zeigen, dass das Tier einen langen Todeskampf geführt haben muss. Vermutlich sei der Bock wohl nicht erstickt, sondern an Erschöpfung gestorben.

Bernd Dost hat den verendeten Ziegenbock in seiner Todesfalle fotografiert. Spuren auf der Weide zeigen, dass das Tier einen langen Todeskampf geführt haben muss. Vermutlich sei der Bock wohl nicht erstickt, sondern an Erschöpfung gestorben. Foto: Neesen

Von Marion Neesen

Lichtenau (WB). »Zwei Stunden wird sein Todeskampf wohl gedauert haben«, ist Bernd Dost stinksauer. Auf einer Weidefläche am Husener Rückhaltebecken ist ein Ziegenbock offenbar elendig verendet, obwohl Dost auf die Gefahr hingewiesen hatte. Mehrfach schon hatte der Husener zuvor das Tier aus seiner misslichen Lage befreit.

Bernd Dost gehört eine Fläche in unmittelbarer Nachbarschaft des Husener Rückhaltebeckens und hält sich oft dort auf. Zur Beweidung des 1983 angelegten Damms am Husener Rückhaltebecken unterhalb der Landstraße Richtung Dalheim setzt der Wasserverband Obere Lippe (WOL) seitdem die dortigen Bäume gefällt wurden eine kleine Ziegenherde ein. Sie soll die Begrünung kurz halten. Im vergangenen Jahr hat der WOL die Fläche mit einem 800 Meter langen Wildzaun eingefasst, der 30.000 Euro gekostet hat.

Im vergangenen Herbst habe sich der Ziegenbock bereits fünfmal in dem Zaun verfangen, berichtet Bernd Dost. »Das Tier wollte die Triebe der angrenzenden Büsche fressen und hat seinen Kopf durch den Maschendraht gesteckt. Nur herausgekommen ist der Bock nicht mehr, weil er sich mit den Hörnern verfangen hat. Ich habe dann das Jammern gehört«, so Bernd Dost, der jedes Mal den Kopf des Tieres mit Kraft zurück durch den Zaun gedrückt habe. Am Montag vergangener Woche war Dost nicht vor Ort. Ein Freund hatte den toten Ziegenbock im Zaun entdeckt. Bernd Dost kann nur noch den Kopf schütteln und hat sowohl die Polizei als auch das Ordnungsamt Lichtenau eingeschaltet. Auch der Kreisveterinär habe sich die Situation angesehen.

Mit ihren Hörner können sich die Ziegen in dem großmaschigen Zaun verfangen. Foto: Neesen

Nach den ersten Vorfällen im Herbst hatte der Husener einen Mitarbeiter des WOL informiert. Als er im Frühjahr erstmals wieder ins Altenautal kam, war zwischenzeitlich mit zwei Längsdrähten auf der gesamten Länge des Zaunes nachgerüstet worden, die Dosts Ansicht nach allerdings zusätzliche Gefahren für die Ziegen bergen. Gleichzeitig wird nun vor Strom gewarnt, der durch diese Drähte fließen soll. »Ich habe aber überhaupt keine Batterie oder ein Aggregat gesehen und außerdem sind die Drähte viel zu dick, als dass Strom fließen könnte«, rüttelt Dost ohne Probleme an der offensichtlichen Attrappe. Nach Dosts Ansicht hat der Zaun mit mehreren Toren zwar eine Menge Geld gekostet, sei aber in keiner Weise für Ziegenhaltung geeignet. Gefährlich sei auch, wie der Zaun befestigt ist.

Vermutlich ist das Tier an Erschöpfung gestorben

Spitze Drähte könnten schnell im Auge von Kindern landen, die dort die Ziegen füttern wollten. »Mich ärgert, dass hier offenbar billigend in Kauf genommen wurde, dass eine Kreatur so elendig verendet ist«, sagt der 55-Jährige. Er hat das Tier in seiner Todesfalle fotografiert und vermutet, dass es nicht erstickt, sondern an Erschöpfung gestorben ist. Die Länge des Halses habe sich verdoppelt, was auf gebrochene Wirbel hindeute. »Der Zaun ist einfach unprofessionell. Entweder muss daran etwas gemacht werden, oder die Ziegen müssen von der Weide«, fordert der Husener, die verblieben Tiere zu schützen, »das Gefahrenpotenzial ist weiter existent, wird aber ignoriert.« Den Besitzer der Ziegenherde hat Dost indes erst einmal gesehen: als er in der vergangenen Woche den Kadaver des Tieres abgeholt hat.

An dieser Stelle ist der Ziegenbock verendet. Foto: Neesen

Zuständig für die Beweidung der Fläche ist der WOL, ein Verband der Kreise Paderborn und Soest, der zum Schutz vor Hochwasser gegründet wurde. Auf WV-Anfrage hat der Kreis Paderborn mitgeteilt, dass mit der Beweidung der Fläche ein Hirte beauftragt worden sei, der regelmäßig vor Ort sei. »Der Zaun ist so angelegt, dass auf der Innenseite Strom verläuft, so dass die Tiere nicht an den Zaun gehen«, teilte Maike Delang, Sprecherin des Kreises Paderborn, mit. In der vergangenen Woche sei allerdings kein Strom auf dem Zaun gewesen, so dass der verendete Ziegenbock seinen Kopf habe durch die Maschen stecken und sich dann nicht mehr selbst befreien können. »Der Halter hat gegenüber dem Veterinäramt angegeben, dass das Stromgerät gestohlen worden ist«, so Maike Delang. Derzeit werde geprüft, ob der Zaun per Anordnung ersetzt, oder lediglich sicher gestellt werden muss, dass der Strom fließt. Zurzeit weiden weiterhin fünf Ziegen am Staudamm. Bis gestern floss dort kein Strom.

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