Mi., 17.07.2019

Lichtenauer Milchbauer Franz-Josef Lüns fordert politische Lösungen Milchbauern: »So kann es nicht weitergehen«

Franz-Josef Lüns, Milchbauer aus Husen und Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter, sorgt sich. Die Folgen des Klimawandels könnten nicht dauerhaft zu Lasten der Landwirte gehen.

Franz-Josef Lüns, Milchbauer aus Husen und Kreisvorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter, sorgt sich. Die Folgen des Klimawandels könnten nicht dauerhaft zu Lasten der Landwirte gehen. Foto: Hanne Hagelgans

Husen (WB/ha). Der zweite zu trockene Sommer in Folge macht den Milchbauern im Kreis Paderborn zu schaffen. »So kann es nicht weitergehen«, sagt Franz-Josef Lüns, Landwirt aus Husen und Vorsitzender des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) in den Kreisen Paderborn und Höxter.

Ob Gülleausbringung auf den Feldern oder Emissionen aus den Ställen: Immer wieder gebe es neue Umweltauflagen für die Landwirte. »Das ist ja auch eigentlich gut und in Ordnung«, findet Lüns, »man muss sich weiterentwickeln«. Allerdings gibt er zu bedenken: »Wir müssen Geld verdienen, damit wir das alles umsetzen können.«

Ganz grundsätzlich müsse die Politik entscheiden, ob in Deutschland eine flächendeckende Lebensmittelproduktion gewollt sei. Wenn das der Fall sei, müssten aber auch die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden.

34,84 Cent, rechnet Lüns vor, sei im vergangenen Jahr im Durchschnitt für den Liter Milch an die Bauern gezahlt worden. Kostendeckend wären aber 43 Cent. »Kein Betrieb kann dauerhaft Geld verbrennen«, sagt der Landwirt, der auf seinem Hof in Husen 50 Stück Fleckvieh hält, die gleichermaßen für die Milch- und die Fleischproduktion geeignet sind, und eine Biogasanlage betreibt. Betriebe müssten entweder wachsen und deutlich über 100 Kühe halten, weitere wirtschaftliche Standbeine finden – oder aufgeben.

Getreide zu schnell gereift

Wie fast alle Milchbauern baut auch Franz-Josef Lüns das Futter für seine Tiere selbst an. Im sehr trockenen Sommer 2018 seien bei ihm und auch bei vielen Kollegen weit vor der Zeit alle Futterreserven aufgebraucht gewesen. Auch auf den ausdörrten Weiden hätten die Tiere nicht ausreichend Gras gefunden. Und auch in diesem Sommer werde es knapp, erwartet Lüns.

Denn es habe abermals nicht genug geregnet, und der Grundwasserspiegel sei nach 2018 stark abgesunken. Hinzu komme, dass das Getreide während der Hitzeperiode vor einigen Tagen zu schnell gereift sei. Bei Weizen und Triticale erwartet er einen Ertragsverlust von etwa 30 Prozent. Viele Milchbauern hätten gezwungenermaßen die Anbauflächen für ihr Futter entsprechend vergrößert, was aber unter dem Strich einem Verdienstverlust gleich komme.

Alternative Antriebe

»Die Bauern können den Klimawandel nicht auf Dauer kompensieren«, sagt Lüns. In anderen Ländern wie Frankreich seien längst Lkw mit Gas-Antrieb auf den Straßen. In Deutschland dagegen werde – wenn es denn überhaupt um alternative Antriebe gehe – immer nur über Elektromobilität geredet.

Dabei sei die Produktion der Batterien ebenfalls höchst umweltschädlich. »Jetzt fällt uns auf die Füße, was die Politik in den vergangenen 40 Jahren verpennt hat«, kritisiert der Husener.

Statt Lösungen zu finden, mache die Politik den Bauern das Leben mit dem EU-Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten jetzt noch einmal schwerer, sagt Lüns. Denn dadurch komme unter anderem Rindfleisch in die EU, das in Südamerika unter deutlich niedrigeren ökologischen und sozialen Standards produziert worden und – trotz der Reise um den halben Globus – auch noch 30 Prozent billiger sei.

Kommentare

Faire und umweltschützende Produktion braucht gute rechtliche Bedingungen

Die heimische Landwirtschaft braucht die Unterstützung von der Politik und den Konsumenten. Wer regionale Produkte wünscht und Arbeitsplätze in der Erzeugung und Produktion sichern will, muss die Bedingungen für wirtschaftliche der bäuerlichen Betriebe durch angemessene Preise garantieren. Leider werden im deutschen Einzelhandel zahlreiche Lebensmittel verramscht. Mit ihrer Marktmacht und den zunehmenden Rabattschlachten bringen die großen Konzerne Bauern und Lebensmittelhersteller gleichermaßen unter Druck. Betriebesterben (gerade aktuell bei zwei Lebensmittelbetrieben in Warburg zu beobachten) und existenzbedrohende Konzentrationsdynamik prägen die Branchen seit vielen Jahren. Auf der Strecke bleiben die Natur, die Tiere und die Beschäftigten in der ganzen Kette der Wertschöpfung. Wer einen Prospekt von den Discountern in die Hand nimmt, fragt sich, ob die Preise noch normal sind. Jeden Tag werden Rabatte von 20, 30, 40 Prozent angeboten. So kann es nicht weitergehen! Gute Arbeit braucht gute Preise und gute Löhne. Beides ist Ausdruck von Wertschätzung.
Nicht nur beim Rindfleisch und beim Zucker werden die Öffnung der Weltmärkten und die Spekulationen mit Lebensmitteln den Landwirten das Überleben ihrer Betriebe erschweren. Hier die Politik gefordert für faire Bedingungen zu sorgen. Und wir Verbraucher sollten sehr viel bewusster auf die ökologischen und sozialen Aspekte unserer Kaufentscheidungen nachdenken

Da ist man doch sprachlos...

Noch vor Jahren hat der Bauernverband einen Klimawandel sogar abgestritten oder für gut befunden. 2013 hat der Bauernverband noch öffentlich von einer zweiten Ernte im Jahr und 30-40 % höheren Erträgen geträumt.Schon immer hatten die Bauern ihre eigene Definition von Klimawandel und Subvention. Jetzt heult man rum, weil die eigene geldgeile Definition nicht eintritt.
Fakt ist Massentierhaltung ist kein Zukunftsmodell, nirgendwo auf der Welt, die Bauern sollten endlich so schlau sein und auf Qualität statt Masse setzen.

2 Kommentare

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