Fr., 19.07.2019

Direktor des Museums in Dalheim analysiert Verschwörungstheorie zur Mondlandung »Zwischen kurios und gefährlich«

Eine Tasche leugnet die Mondlandung. Die Tasche ist ein Exponat der Ausstellung über Verschwörungstheorien im Kloster Dalheim.

Eine Tasche leugnet die Mondlandung. Die Tasche ist ein Exponat der Ausstellung über Verschwörungstheorien im Kloster Dalheim.

Lichtenau (WB/dk). Auf der Tasche ist ein Bild von der Mondlandung zu sehen, aber es wird halb verdeckt von großen gelben Buchstaben, die die zwei Wörter »Fake News« ergeben. Die Tasche ist ein Exponat der Ausstellung »Verschwörungstheorien – früher und heute« im Kloster Dalheim.

Die Annahme, dass die Mondlandung gar nicht stattgefunden habe, sei in einem unheilvollen Klima entstanden, erläutert Museumsdirektor Ingo Grabowsky. Senator Joseph R. McCarthy habe in den 1950er Jahren systematisch Angst vor einer angeblichen kommunistischen Unterwanderung der Regierung und des Landes erzeugt: »Dadurch wurde in der Bevölkerung Misstrauen gegen die Regierung und gegen die Eliten geschürt. Verstärkt wurde das Misstrauen noch durch den Vietnamkrieg. So entstand der Gedanke: Unsere Regierung spielt uns die Mondlandung nur vor.« Der Zweifel an den Eliten lebe in den USA fort: »Die Amerikaner haben einen Verschwörungstheoretiker ins Präsidentenamt gewählt.«

Bill Kaysing veröffentlichte ein umstrittenes Buch

Trump bezweifelt bekanntlich den Klimawandel. Die Existenz der Mondlandung bezweifelte damals prominent Bill Kaysing. In seinem 1976 erschienenen Buch »We Never Went to the Moon. America’s Thirty Billion Dollar Swindle« behauptet er, die NASA habe 1969 gar nicht über die technischen Möglichkeiten für ein solches Vorhaben verfügt. Deshalb sei die Landung in einem Filmstudio inszeniert worden. Die These hält sich hartnäckig, in Dalheim ist ein polnischer Nachdruck des Buches aus dem Jahr 2018 ausgestellt.

»Als das Buch 1976 erschien, sind die Sowjets nicht aufgesprungen«, weiß Grabowsky. Sie hätten die Mondlandung nicht angezweifelt. Grabowsky verweist auf den Schriftsteller Umberto Eco. Der hatte argumentiert: Die Tatsache, dass die Russen im Kalten Krieg erst gar nicht versucht hätten, die Mondlandung der Amerikaner zu widerlegen, beweise, dass es sie gegeben hat. Sonst hätte Moskau die Inszenierung für sich ausschlachten können.

 

Machiavelli: Verschwörung klappt nur mit wenigen Eingeweihten

Apropos angebliche Inszenierung: Grabowsky erinnert an den Staatsphilosophen Niccolo Machiavelli (1469-1527). Eine Verschwörung könne nur gelingen, wenn es nur wenige Eingeweihte gebe, habe der gemahnt. Die NASA habe aber damals Zehntausende Mitarbeiter gehabt, eine Inszenierung im Studio sei allein schon deswegen nicht praktikabel gewesen, ist Grabowsky überzeugt.

Die Verschwörungstheorie rund um die Mondlandung stuft er »zwischen kurios und gefährlich« ein: »Sie fügt niemandem Schaden zu, gefährdet aber das für das Zusammenleben wichtige Grundvertrauen der Gesellschaft in die Eliten.« Wachsendes Misstrauen äußere sich auch in Deutschland in zunehmenden Vorbehalten gegen Politiker oder die Medien. Der Weltraum eigne sich als Ort für Hirngespinste, denn um unbekannte Zonen entwickelten sich gern Geschichten, nicht zuletzt um Außerirdische.

Ausstellung soll impfen und aufklären

Die Verschwörungstheoretiker und ihre Anhänger seien unbelehrbar und verführten frei nach der Devise »Du musst jeden Nachweis nicht glauben«, weiß der Museumschef. Deshalb könne die Ausstellung die Infizierten nicht heilen, aber vielleicht jene, die anfällig sind, gleichsam impfen und aufklären. Misstrauen können auch Unterschriften nicht beseitigen. In der Schau ist eine Aufnahme von der Mondoberfläche ausgestellt, die alle Astronauten der Apollo-12-Mission, die am 19. November 1969 am Mond eintrafen, mit ihren Namen signierten.

Kommentare

Verschwörungs"theorien"

Interessant ist wo das Wort "verschwörungstheorie" entstanden, ist Wer es in Umlauf gebracht hat und zu welchem Zweck.
Es diente nämlich dazu Whistleblower und Aufklärer mundtot zu machen. Ein Kampfbegriff der von der CIA im Zusammenhang mit der suspekten Ermordung John F. Kennedys in Umlauf gebracht wurde.

Der ehemalige italienische Ministerpräsid.ent Andreotti räumte 1990 die Existenz dieses sogenannten Gladio-Netzwerkes ausdrücklich ein.

Die Watergate Affäre, Iran Contra Affäre...Alles sogenannte "Verschwörungstheorien" die sich als WAHR herausgestellt haben.
Und die Liste ist endlos.

"Alle großen Wahrheiten begannen als Blasphemien."
George Bernard Shaw

1 Kommentare

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