Fr., 02.08.2019

Husenerin ärgert sich über Schäden an ihrem Haus durch schwere Landmaschinen »Da kriegt man Angst«

Wenn Sabine Wölting im Erdgeschoss aus dem Fenster schaut, sieht sie nur noch die Radnaben der großen Fahrzeuge.

Wenn Sabine Wölting im Erdgeschoss aus dem Fenster schaut, sieht sie nur noch die Radnaben der großen Fahrzeuge.

Lichtenau (WB/han). Sabine Wölting ist sauer. Seit Monaten ärgert sie sich über riesige Landmaschinen, die an ihrem Haus in der Straße Zur Wippe in Husen vorbei donnern.

Mehrfach sei die Dachrinne zerstört worden, inzwischen habe das Haus sogar schon Risse.

»Ich weiß, dass wir hier auf dem Land leben. Und ich weiß, dass es ganz normal ist, dass da mal ein Trecker über die Straße fährt«, betont die Husenerin, die das alte Bauernhaus mitten im Dorf vor einigen Jahren gekauft hat.

Doch der Verkehr, der wenige Zentimeter vor ihrem Küchenfenster entlang rolle, habe längst eine ganz andere Qualität erreicht, klagt sie: »Da kriegt man wirklich Angst, da wackeln die Teller im Schrank«, berichtet sie. Die Fahrzeuge mit Anhänger seien so groß, dass vom Fenster aus nur noch die Radnaben zu sehen seien.

Regenrinnen zerstört

Schon mehrfach hätten sich Auflieger in ihrer Regenrinne verfangen und sie zerstört. Sabine Wölting ist sicher: »Wenn ich den Fahrer nicht angesprochen hätte, hätte der sich dazu noch einfach aus dem Staub gemacht.«

Von den ständigen Erschütterungen habe das Bauernhaus mittlerweile schon Risse in der Fassade davongetragen – eine klare Wertminderung, auf der sie wohl sitzen bleiben werde, ärgert sich die Husenerin, die zudem auch um Leib und Leben fürchtet: »Da muss nur ein Fahrer mal etwas unaufmerksam sein, dann steht die Maschine bei uns im Schlafzimmer.«

Sabine Wölting wünscht sich, dass die schmale Straße direkt neben ihrem Haus künftig für Fahrzeuge ab einem gewissen Gewicht gesperrt wird. Die schweren und großen Landmaschinen, deren Ziel oft die nahegelegene Biogasanlage sei, müssten dann zwar einen etwas längeren Weg in Kauf nehmen, doch das sei durchaus zumutbar, findet sie.

Gespräche ohne Erfolg

Gespräche mit der Stadtverwaltung Lichtenau, wo Sabine Wölting mehrmals vorstellig geworden sei, hätten bisher allerdings keinen Erfolg gebracht.

Den Vorschlag, ihre Dachrinne zurückzubauen, damit sie weniger in die Straße hinein ragt, lehnt die Hausbesitzerin ab. »Das Haus steht hier seit mehr als 100 Jahren«, betont sie. Es könne nicht angehen, dass sie tätig werden und investieren müsse, damit ihr Eigentum nicht beschädigt werde. Außerdem sei damit das eigentliche Problem der großen Zugmaschinen, Mähdrescher und Hänger, die das Haus erschüttern, nicht aus der Welt geschafft.

Situation nicht einfach

Tatsächlich sei es heutzutage nun einmal so, dass die Landmaschinen immer größer und schwerer würden, weiß auch Jörg Altemeier, Allgemeiner Stellvertreter des Lichtenauer Bürgermeisters. Bei der Straße am Haus Wölting, das direkt auf die Grundstücksgrenze gebaut worden sei und dessen Dachrinne in den öffentlichen Raum rage, handele es sich um eine nicht beschränkte, innerörtliche Straße.

Chancen für eine Beschränkung sieht Altemeier zurzeit auch nicht: »Der Verkehr würde dadurch ja nicht abgeschafft«, betont er. Die Fahrzeuge seien zugelassen und unterwegs, eine Beschränkung würde zu einer Verlagerung des Verkehrs und möglicherweise zu Problemen an anderen Stellen führen.

Gerade in Husen mit seinen vielen kleinen Straßen sei die Situation nicht einfach. Es gebe in der Sache zwar Kontakt zwischen Vertretern der Stadt und des Straßenverkehrsamtes des Kreises, eine kurzfristige Lösung zeichne sich aktuell aber nicht ab.

 

Kommentare

Stadt misst mit zweierlei Mass

Interessant, das es für die Stadt hier nicht möglich, die Straße für den Durchfahrtverkehr zu sperren. Herr Altemeier sagt dazu: "...eine Beschränkung würde zu einer Verlagerung des Verkehrs und möglicherweise zu Problemen an anderen Stellen führen."
Dieses sollte vor einigen Monaten im einem Neubaugebiet in Lichtenau sehr wohl möglich sein, nämlich durch das Aufstellen von Pollern, um damit einem Wunsch einiger einflussreicher Anwohner zu entsprechen, den normalen Verkehr in einem Wohngebiete einer zusammenhängenden Strasse zu beschränken, damit es für Wenige ruhiger und "sicherer" wäre. Dieser Schildbürgerstreich wurde zum Glück durch engagierte Intervention anderer Anlieger verhindert. Eine Äusserung wie oben, die hier genauso angemessen gewesen wäre, war damals leider von Herrn Altemeier oder anderen Vertretern der Stadt öffentlich nicht zu hören.

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