Mo., 12.08.2019

Gedenken an den Sozialdemokraten, Pazifisten und Journalisten Felix Fechenbach Kämpfer für Menschlichkeit und Frieden

Die Beverungener Ratsfrau Rebekka Dierkes (von links) hielt die Gedenkansprache. Patrick Engelbracht von der SPD Warburg und Dr. Dennis Maelzer von der Felix-Fechenbach-Stiftung luden zum Gedenken ein. Die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Detmold, Christ-Dore Richter, vertritt seit vielen Jahren die Stadt Detmold bei dieser Gedenkstunde.

Die Beverungener Ratsfrau Rebekka Dierkes (von links) hielt die Gedenkansprache. Patrick Engelbracht von der SPD Warburg und Dr. Dennis Maelzer von der Felix-Fechenbach-Stiftung luden zum Gedenken ein. Die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Detmold, Christ-Dore Richter, vertritt seit vielen Jahren die Stadt Detmold bei dieser Gedenkstunde. Foto: Astrid E. Hoffmann

Warburg/Paderborn (WB/aho). Vor 86 Jahren wurde der Sozialdemokrat, Pazifist und Journalist Felix Fechenbach im Kleinenberger Wald zwischen Warburg-Scherfede und Lichtenau-Kleinenberg von 20 Schüssen in den Rücken getroffen. Er verstarb am 7. August 1933 im Krankenhaus in Scherfede, seine Grabstätte befindet sich auf dem Rimbecker Friedhof.

Seine Ermordung war das Werk von SA- und SS-Männern, die ihn ins Konzentrationslager Dachau überführen sollten. An diese schändliche Tat haben die Felix-Fechenbach-Stiftung und die Warburger SPD am Sonntag mit einer Gedenkveranstaltung in der Waldlichtung am Gedenkstein erinnert und einen Kranz niedergelegt.

Der Geschäftsführer der Stiftung, Dr. Dennis Maelzer, begrüßte diesmal etwa 60 Menschen, darunter die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Detmold, Christ-Dore Richter, Vorstands- und Beiratsmitglieder der Stiftung sowie Mitglieder der SPD Lippe und SPD Höxter-Warburg.

»Getrieben von Hass und Rassismus«

Der Bürgermeister der Stadt Höxter, Alexander Fischer, war als Redner vorgesehen gewesen, er musste jedoch kurzfristig wegen eines Krankheitsfalles in der Familie absagen. Für ihn sprang die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Rat der Stadt Beverungen, Rebekka Dierkes, ein.

»Die Ermordung Fechenbachs war getrieben von Hass und Rassismus«, stellte Dr. Dennis Maelzer in seiner Ansprache heraus und erinnerte an seine Ansprach von 2010: »Ich sprach damals davon, dass die größte Gefahr für die Demokratie nicht von rechts komme, sondern von der Gleichgültigkeit der Vielen. Heute sitzt die AfD in allen deutschen Parlamenten.«

In seinem letzten Brief an seine Ehefrau Irma schrieb Felix Fechenbach aus der sogenannten Schutzhaft in Detmold: »Dies Warten auf die Veränderung erfüllt mich mit einer merkwürdigen Unruhe.« Noch während der damals 39-Jährige diesen Brief verfasste, bekam er die Nachricht, dass er am 7. August abtransportiert werden sollte.

Dunkelstes Kapitel deutscher Geschichte

»Spüren viele von uns nicht heute auch eine gewisse Unruhe«, spann Dr. Maelzer den Faden weiter. Er erinnerte an eine weitere Gedenkrede, und stellte fest: »Unsere Zeit verändert sich rasend schnell und nicht zum Guten. Es ist unsere Pflicht, unruhig zu werden, denn ruhig zu bleiben und zu den Entwicklungen zu schweigen, ist keine Alternative.«

Ratsfrau Rebbeka Dierkes verwob den Lebenslauf von Felix Fechenbach ebenfalls mit den aktuellen Geschehnissen, was beweise, wie wichtig dieses Gedenken auch nach 86 Jahren noch sei. »Die Ermordung Fechenbachs war der Anfang des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte. Fechenbach kämpfte für Menschlichkeit und Frieden und gegen das Unrecht des Naziregimes.«

Als Sozialdemokrat gründete er 1914 die Jungsozialisten für die 18- bis 23-Jährigen, die zunächst als Jugendsektion der SPD geführt wurden. In diese Zeit fiel der Erste Weltkrieg und Fechenbach trat seinen Militärdienst an. Der Pazifist war ein umsichtiger Patrouillenführer und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach einer schweren Verwundung war er für den weiteren Kriegsdienst untauglich.

Redakteur der SPD-Zeitung »Volksblatt«

Der gelernte Handelsgehilfe – sein Vater Noe war Bäcker, er wuchs in der Arbeiterfamilie mit vier Brüdern auf – kam in ein Büro in München. Dort lernte er Kurt Eisner kennen. Als Eisner erster Ministerpräsident von Bayern wurde, wurde Fechenbach sein persönlicher Sekretär.

Nach Eisners Ermordung 1919 wurde Fechenbach kurz in Schutzhaft genommen. Drei Jahre später wurde er in einem Schauprozess zu elf Jahren Zuchthaus verurteilt. Aufgrund des öffentlichen Drucks wurde er 1924 freigelassen und gingt nach Berlin. Er war dort journalistisch tätig, schrieb aber auch Kasperle-Theaterstücke.

Ab 1929 arbeitete er als Redakteur der SPD-Zeitung »Volksblatt« in Detmold. Er hatte viele Informanten im Dunstkreis der Nationalsozialisten. Mit Hilfe seiner Kunstfigur »Nazi Jüskens« gab er diese brisanten Informationen in seiner Kolumne preis. Sein konsequenter Einsatz gegen das Naziregime wurde ihm zum Verhängnis.

»Journalisten werden wieder verfolgt.«

Sein Abtransport in das Konzentrationslager Dachau war von Heinrich Himmler angeordnet, seine Ermordung von führenden Nazis verlangt worden, so weiß es die Geschichte. »Auch heute werden wieder Journalisten vermehrt wegen ihrer Arbeit verfolgt. Es gibt gefährliche Anzeichen für das Wiedererstarken rechter und nationalsozialistischer Tendenzen in Deutschland«, mahnte Rebekka Dierkes: »Daher darf das Motto ›Wir sind mehr‹ nicht nur ein Motto sein.«

»Haben wir heute, wie Fechenbach, den Mut klar und deutlich aufzuzeigen, was falsch läuft? Sind wir bereit, uns für das einzusetzen, was wichtig und richtig ist: für Menschlichkeit, Toleranz und Frieden?« Mit diesen offenen Fragen schloss die Ratsfrau aus Beverungen ihre Gedenkrede.

Nach einer Schweigeminute dankte Patrick Engelbracht von der SPD Warburg den Anwesenden für ihr Kommen und lud noch auf einen Besuch des Grabes von Felix Fechenbach ein.

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