Sa., 17.08.2019

In der Europa-Ferienanlage in Husen können Gäste in einem Schäferwagen übernachten Das 16. Dorf Lichtenaus

Bettina Hinrichs hat es sich vor dem Schäferwagen bequem gemacht. Einst als gemeinsames Tourismus-Projekt der Kommunen Bad Wünnenberg, Lichtenau und Büren angeschafft, hat Robert-Jan den Burger den Wagen dieses Jahr gekauft und ins Feriendorf integriert.

Bettina Hinrichs hat es sich vor dem Schäferwagen bequem gemacht. Einst als gemeinsames Tourismus-Projekt der Kommunen Bad Wünnenberg, Lichtenau und Büren angeschafft, hat Robert-Jan den Burger den Wagen dieses Jahr gekauft und ins Feriendorf integriert. Foto: Per Lütje

Von Per Lütje

Lichtenau (WB). 15 Dörfer zählt Lichtenau. 15? Tatsächlich sind es sogar 16, wenn man das Europa-Feriendorf in Husen mitzählt. Hoch über der 1100-Seelen-Gemeinde kümmert sich der Niederländer Robert-Jan den Burger um die Bungalowanlage, die in den 60er Jahren errichtet wurde. Seit neustem wird dort eine eher ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit geboten, und zwar in einem Schäferwagen.

2008 als gemeinsames Projekt der Städte und Gemeinden Büren, Bad Wünnenberg und Lichtenau angeschafft, um für den Sintfeld-Höhenweg zu werben, hat den Burger den zum Schlafdomizil umgebauten Anhänger in diesem Jahr übernommen. Luxuriös ist die Schlafstätte nicht: eine Sitzecke, die zu einer Liegefläche für zwei Erwachsene verwandelt werden kann, ein Hochbett für ein Kind, ein paar Kleiderhaken – das ist es auch schon. Im Gegenzug gibt es dafür aber jede Menge Abenteuerromantik – Sternenhimmel inklusive, vorausgesetzt eine laue Sommernacht erlaubt es, die in der Mitte trennbare Eingangstür zum Schäferwagen offen stehen zu lassen.

Robert-Jan den Burger betreut seit knapp acht Jahren die Gäste der Ferienanlage und ist Pächter der Gaststätte. Foto: Per Lütje

Im Laufe dieses Monates will Europa-Feriendorf-Betreiber den Burger die Übernachtung im Schäferwagen offiziell vermarkten. Der Preis für die Übernachtung steht noch nicht ganz fest. »Ich denke mal, so 24,50 Euro pro Person inklusive Frühstück«, sagt der 62-Jährige, der nicht nur die Gäste der 23 Bungalows zählenden Ferienanlage betreut, sondern auch das dazu gehörende Restaurant »Vagenbond« betreibt. Dort serviert der Zwei-Meter-Hüne nicht nur typisch deutsche Kost, wie zum Beispiel Schnitzel in allerlei Variationen, sondern auch holländische Snacks, darunter jene Rinderkroketten, die man in niederländischen Imbissen aus Automaten ziehen kann, und natürlich original holländische Pommes frites.

Ungewöhnliche Übernachtungsorte

In einer weiteren Folge über »ungewöhnliche Übernachtungsorte« berichten wir über das Weinfass auf dem Campingplatz am Lippesee. Haben auch Sie, lieber Leser, liebe Leserin, einen Tipp über außergewöhnliche Schlafplätze im Kreis, dann informieren Sie uns unter Tel. 05251/896120 oder per E-Mail an redaktion@westfaelisches-volksblatt.de.

Seit knapp acht Jahren kümmert sich Robert-Jan den Burger um die Ferienanlage, deren Immobilien sich im Besitz mehrerer Eigentümer befinden und die diese wiederum an Touristen vermieten. Verwaltet wird das Europa-Feriendorf von der Immobilienverwaltung Jens Dreier in Borchen mit Hilfe eines Beirates der Anlage. »Früher waren die Gäste zu 80 Prozent aus den Niederlanden. Inzwischen liegt das Verhältnis zwischen deutschen und holländischen Gästen 50:50«, sagt den Burger, der aus Scheveningen bei Den Haag stammt und seit 48 Jahren in der Gastronomie tätig ist. Außer einer Reinigungskraft und einer Küchenhilfe managt den Burger, der vor seinem Wechsel nach Husen einen Ferienpark in Polen geleitet hat, alles alleine – und das an sieben Tagen in der Woche.

Geöffnet ist das Europa-Feriendorf auch im Winter. Sogar im Schäferwagen können es sich Gäste theoretisch bei Minus-Temperaturen gemütlich machen, dafür sorgt eine kleine Ofenheizung, die bei Bedarf in dem Anhänger installiert werden kann. Zielgruppe sind insbesondere Tagestouristen und Wanderer, denn für einen längeren Aufenthalt ist der Schäferwagen nicht ausgelegt. Und bei einem nächtlichen »Bedürfnis« heißt es, ab durch die Natur und rein in die Gaststätte – denn über eine Toilette verfügt die mobile Schlafstätte ebenfalls nicht.

Europa-Feriendorf Husen

Die Anlage wurde im Jahr 1962 von der Detmolder Firma E. Greimeier & K. Greimeier erstellt und zum Bungalow-Feriendorf Bürener Land ausgebaut. Architekt war Bernd Helle aus Paderborn. Die ersten Gäste waren amerikanische Soldaten, die im nahegelegenen Stöckerbusch bei Büren stationiert waren. Ursprünglich umfasste das Feriendorf 48 Appartements auf einer Fläche von 41.000 Quadratmetern, ein Restaurant, einen Lebensmittelladen, Spielplätze und Minigolfanlage. 1969 wurde die Anlage an die Weltring-Hotel GmbH in Frankfurt verkauft, die daraufhin das Feriendorf in Wohneigentum umwandelte und an einzelne Eigentümer verkaufte. In den darauffolgenden Jahren wurden noch einige Bungalows dazu gebaut und verkauft, die Käufer waren in der Regel Niederländer. Heute besteht die Anlage aus 23 Bungalows mit insgesamt 54 Ferienwohnungen, die allesamt in Privatbesitz sind.

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