Di., 27.08.2019

Nach tödlicher Auseinandersetzung in Köln: Politiker fordern Maßnahmen 2883 Straftaten mit einem Messer im ersten Halbjahr

Polizisten sichern auf dem Ebertplatz Spuren. Nach einer Auseinandersetzung mit mehreren Beteiligten auf dem Ebertplatz ist am frühen Sonntagmorgen ein Mann aus dem Kreis Paderborn gestorben

Polizisten sichern auf dem Ebertplatz Spuren. Nach einer Auseinandersetzung mit mehreren Beteiligten auf dem Ebertplatz ist am frühen Sonntagmorgen ein Mann aus dem Kreis Paderborn gestorben Foto: dpa

Düsseldorf/Köln/Lichtenau (epd/WB/fw). Im ersten Halbjahr hat es in NRW bereits 2883 Straftaten mit Messern als Tatwaffe gegeben. Nachdem nun ein Mann aus dem Kreis Paderborn in Köln erstochen wurde, fordern Politiker konkrete Maßnahmen.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) hat die gesonderte Ausweisung von Messerangriffen in der polizeilichen Kriminalstatistik seit Jahresanfang begrüßt.

Die besondere statistische Auflistung von Straftaten mit der Tatwaffe Messer in Nordrhein-Westfalen habe seine Vermutung bestätigt, sagte der Minister der Düsseldorfer »Rheinischen Post«. Messerangriffe seien tatsächlich ein Problem. »Wir werden dieses Phänomen auch weiter sehr genau im Blick behalten«, kündigte der Minister an.

Die Zeitung verwies auf eine Auswertung des Innenministeriums der Polizei in NRW, wonach im Bundesland in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits 2883 Straftaten mit Messern als Tatwaffe gezählt wurden und dabei 3555 Opfer, unter ihnen auch Bedrohte, registriert wurden. Eine bundesweite Statistik nach einheitlichen Kriterien erhoffe sich die Innenministerkonferenz bis zum Jahr 2022, hieß es.

Mann aus Lichtenau stirbt

Im »Kölner Stadt-Anzeiger« appellierte der Düsseldorfer Innenminister an die Stadt Köln, konkrete Maßnahmen an Brennpunkten zu ergreifen. Auf dem Kölner Ebertplatz war am vergangenen Sonntag ein Mann aus Lichtenau (Kreis Paderborn) gestorben, der seinen Verletzungen nach einer Massenschlägerei erlag. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen.

Es handele sich um einen 25-Jährigen aus dem Raum Düren, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit. Der Mann soll, wie das Opfer, ebenfalls aus Somalia stammen. Er sei unmittelbar nach der Tat an einer benachbarten S-Bahn-Haltestelle festgenommen worden. Ihm werde vorgeworfen, seinem Landsmann in der Nacht zu Sonntag in den Hals gestochen zu haben. Er wurde am Montag wegen des dringenden Verdachts des Totschlags dem Haftrichter vorgeführt, wie Ulrich Bremer, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Köln, erklärte.

An der Halsverletzung sei das Opfer nach den Ergebnissen der Obduktion verblutet. Fest steht bisher nur, dass der Mann aus Lichtenau im Kreis Paderborn stammt. »Die genauen Hintergründe des Mannes müssen wir nur noch ermitteln«, sagt Ulrich Bremer. Die Staatsanwaltschaft konzentriere die Ermittlungen derzeit auf den Täter.

Streit vorausgegangen

Bei einem vorausgegangenen Streit soll es am Sonntag um Drogen gegangen sein. Nach wie vor wird der Ebertplatz von rivalisierenden afrikanischen Dealerbanden beansprucht. In einer ersten offiziellen Mitteilung hieß es, dass es eine Auseinandersetzung zwischen zehn und 15 Männern aus Afrika gegeben habe.

Bei der Auseinandersetzung zwischen Afrikanern hatte der 25-jährige Lichtenauer gegen 4.45 Uhr tödliche Verletzungen erlitten. Der junge Mann war noch am Tatort gestorben. Die mutmaßlich Beteiligten waren zunächst vor der Polizei geflohen. Neun andere Männer, die ebenfalls festgenommen worden waren, waren den Erkenntnissen zufolge nicht an der Tat beteiligt und wurden frei gelassen.

Als »gefährlicher Ort« eingestuft

Der Ebertplatz in Köln ist von der Polizei nicht als »gefährlicher Ort« eingestuft, wie eine Polizeisprecherin auf Nachfrage dieser Zeitung erklärt. An einem »gefährlichen Ort« räumt das jeweilige Polizeigesetz der Länder den Beamten Sonderrechte ein. So dürfen Polizisten dort beispielsweise Passanten ohne konkreten Verdacht kontrollieren. »Der Ebertplatz ist aber ein Brennpunkt«, sagt die Polizeisprecherin.

Anwohner klagen über Drogendealer, Obdachlose, Alkoholiker und Krawallmacher. Bereits im Oktober 2017 war am Ebertplatz ein 22-Jähriger gewaltsam zu Tode gekommen. Auch er war erstochen worden. Nach dem Vorfall wurde der Ebertplatz mit dem schmucklosen Betonambiente etwas aufgewertet – ein Brunnen wurde repariert. Anwohner versuchten, den Ort durch belebende Maßnahmen sicherer zu machen. Die Tat von Sonntag zeigt, dass das nur mäßig funktioniert.

Sorgen bereitet den Sicherheitsbehörden der Domstadt eine afrikanische Kneipe. Das »African Drum« befindet sich in einer Passage auf der westlichen Seite des Platzes. Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, dass man sich fragen müsse, ob bisherige Maßnahmen an dem Brennpunkt ausgereicht haben.

Der Politiker drängte auf eine Überwachung des Platzes mit Videokameras und regte zudem an, dem afrikanischen Lokal auf der Zwischenebene des Platzes, das »Anziehungspunkt für eine bestimmte Klientel zu sein scheint«, die Betriebsgenehmigung zu entziehen. »Aus meiner Sicht müsste man zum Beispiel überlegen, ob der Weiterbetrieb der Kneipe auf der unteren Ebene, die ja ein Anziehungspunkt für eine bestimmte Klientel zu sein scheint, wirklich klug ist«, sagte er dem »Kölner Stadt-Anzeiger«.

 

Kommentare

Alarmismus im Journalismus

Meine Güte, hat der Verfasser dieses Artikels sein Handwerk beim Boulevarddreck mit den grossen vier Buchstaben gelernt? Ist ja fürchterlich. Unter der Rubrik "Lichtenau" die plakative Schlagzeile "2883 Straftaten mit einem Messer im ersten Halbjahr" - nein, nicht in Lichtenau, sondern in gesamt NRW, und es wird auch nicht weiter differenziert was für Straftaten. Hauptsache die alarmistische Zahl bringen. Dann eine Zwischenüberschrift "Als gefährlicher Ort eingestuft" um gleich im Folgesatz zu sagen, dass der Ebertplatz eben NICHT als gefährlicher Ort eingestuft ist. Wieso passieren solche eklatanten journalistischen Unsauberkeiten bei einer alteingesessenen Tageszeitung wie dieser?

Alles nur Kosmetik

Wie man auch versucht mit den Symptomen fertig zu werden - letzten Endes werden es Grenzkontrollen sein die die erwünschten Erfolge näher bringen.
Das 'African Drum' und das andere Lokal nebendran haben mitnichten etwas mit den Dealern zu tun - dort wird fröhlich getanzt, gegessen und getrunken und es läuft gute Musik.
Die Dealer wären so oder so am Ebertplatz - initial wurden sie vielleicht durch die Lokale mit angelockt, ja. Aber wenn es nicht dort diese extremen Probleme gebe, dann wären sie woanders.
Es bleibt der Knackpunkt: Die sperrangelweit offenen Grenzen und die Sozialleistungen für Wirtschaftsmigranten. Echte Flüchtlinge gibt es auch - für die war das Asylrecht gedacht -, die halten sich wohl eher von der Kriminalität fern.

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