Wanderer machen Station in der einzigen Pilgerherberge im Kreis
Gott und die Welt zu Gast in Kleinenberg

Lichtenau (WB). Eigentlich hätten Petra Schumacher und Ewald Reichstein aus Kleinenberg an diesem Tag einen freien Vormittag gehabt. Plötzlich klopft es an der Tür und sechs Wanderer aus den Niederlanden sind auf der Suche nach einem Stückchen Kuchen und einer passenden Unterkunft – in der einzigen Pilgerherberge im Kreis Paderborn.

Sonntag, 01.09.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 02.09.2019, 08:06 Uhr
.Petra Schumacher und Ewald Reichstein wollten mit ihrer Wandereherberge den Mittelpunkt des Ortes Kleinenberg neu beleben. Beide wandern auch selbst gern. Foto: Isabell Waschkies
.Petra Schumacher und Ewald Reichstein wollten mit ihrer Wandereherberge den Mittelpunkt des Ortes Kleinenberg neu beleben. Beide wandern auch selbst gern.

Kurzerhand brüht Petra Schumacher, die Herrin des Hauses, frischen Kaffee und serviert dem Besuch selbst gebackene Himbeertorte auf der Terrasse. »Dass Wanderer spontan vor der Tür stehen, kommt zwar nicht so oft vor, aber immer mal wieder«, sagt die 58-Jährige, die noch bis vor Kurzem als Einrichtungsleiterin des Seniorenhauses am Steingarten in Willebadessen tätig war.

Nicht nur Menschen aus Deutschland und der Region wollen in der Pilgerherberge von Petra Schumacher und Ewald Reichstein übernachten. Auch Wanderer aus den Niederlanden oder Luxemburg konnten sie bereits in Kleinenberg begrüßen.

Nicht nur Menschen aus Deutschland und der Region wollen in der Pilgerherberge von Petra Schumacher und Ewald Reichstein übernachten. Auch Wanderer aus den Niederlanden oder Luxemburg konnten sie bereits in Kleinenberg begrüßen. Foto: Isabell Waschkies

Vor drei Jahren eröffnete sie mit ihrem Mann Ewald Reichstein (59) in einem ehemaligen Schweinestall an der Goldstraße ein Pilgercafé. Knapp zwei Jahre später begrüßten sie die ersten Gäste in ihrer 100 Quadratmeter großen Herberge mit insgesamt sieben Schlafplätzen. »Ein Bett und eine große Dusche, das braucht ein Wanderer nach einem anstrengend Tag, um sich für die nächste Etappe zu rüsten«, so Reichstein.

Wer den europäischen Fernwanderweg E1 von Flensburg an den Bodensee, den Eggeweg von Detmold bis Marsberg, den Sintfeld-Höhenweg zwischen Bad Wünnenberg, Büren und Lichtenau oder den Wilderer-Wanderweg rund um Kleinenberg geht, kommt an der Herberge des 1300-Seelen-Dorfes vorbei. Dass plötzlich zwei verschiedene Wandergruppen vor der Tür standen, das hat das Ehepaar bislang erst ein mal erlebt. »Und sie haben sich die Unterkunft sogar für eine Nacht geteilt«, erinnert sich Reichstein zurück.

Der Umbau des Gebäudes erfolgte für Schumacher als gelernte Architektin selbstverständlich in Eigenregie. Etwas eigenes zu schaffen und dabei kreativ und selbstständig zu sein, das war schon immer ihr Traum.

Der Engelpfad in Kleinenberg

Seit wenigen Wochen ist Ewald Reichstein als Pilgerbegleiter innerhalb der Initiative »Orte-Verbinden« des Erzbistums Paderborn tätig. Der so genannte Engelpfad, die Route von Reichstein selbst gewählt, führt fast 14 Kilometer durch die Kulturlandschaft der alten Titularstadt Kleinenberg. Dabei besuchen die Wanderer die restaurierte Pfarrkirche St. Cyriakus, das Gelände rund um die barocke Wallfahrtskirche und durchschreiten den alten Kreuzweg weiter zum Muttergottesbrunnen.

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Auch für Ewald Reichstein, der hauptberuflich als Pharmazeutisch-Technischer-Assistent in der Marien-Apotheke in Scherfede arbeitet, war dieses Projekt eine Herzensangelegenheit. »Wir wollten diesen Bereich als Mittelpunkt des Ortes im Schatten der St. Cyriakus Kirche und in direkter Nachbarschaft des Heimathauses neu beleben«, so der gebürtige Kleinenberger. Einer seiner größten Wünsche? »Dass unser Wallfahrtsort mit der Marienkapelle und der Lourdes-Grotte wieder mehr Besucher anzieht«, sagt er.

Seit der Eröffnung der Herberge übernachten quasi Gott und die Welt in Kleinenberg. »Wir hatten schon Besuch von Pilgern aus den Niederlanden und Luxemburg«, erinnert sich der 59-Jährige. »Ein weiterer Mann war zu Fuß von Kassel auf den Weg nach Santiago unterwegs und legte bei uns einen Zwischenstopp ein.« Aber auch viele Gäste aus den Kreisen Paderborn und Höxter nutzen die Gelegenheit sonntags für eine Stippvisite im Café.

»Wandern ist in und mittlerweile ein großer Markt geworden«, ist sich das Ehepaar, das selbst regelmäßig die Wanderschuhe schnürt und Mitglied im Eggegebirgsverein ist, sicher. Im Vergleich zu früher seien die Wanderer auch immer besser ausgerüstet. Reichstein: »Heute gehören in der Regel die beste Kleidung und Wander-Apps zur Grundausstattung.« Für Reichstein ist und bleibt das Wandern ein besonderes Naturerlebnis: »Dort tanke ich Kraft und genieße den Blick in die Ferne.«

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