Mit zwei Freimaurern durch die Ausstellung über Verschwörungstheorien in Lichtenau
Verschwiegen, aber nicht geheim

Lichtenau (WB). »Ich weiß nicht, was bei uns noch geheim sein soll«, betont Jens Holzförster. Er ist der »Meister vom Stuhl« der Paderborner Freimaurerloge »Zum leuchtenden Schwerdt«. Den Mitgliedern gehe es um Selbsterkenntnis, nicht um Weltherrschaft, sagt er beim Besuch der erfolgreichen Ausstellung »Verschwörungstheorien – früher und heute« im Museum in Dalheim.

Freitag, 18.10.2019, 18:12 Uhr aktualisiert: 18.10.2019, 18:40 Uhr
Kuratorin Carolin Mischer steht neben den Totenmasken von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie. Am Attentat waren die Freimaurer angeblich beteiligt. Foto: Oliver Schwabe
Kuratorin Carolin Mischer steht neben den Totenmasken von Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie. Am Attentat waren die Freimaurer angeblich beteiligt. Foto: Oliver Schwabe

In der Abteilung, in der es um Freimaurer und Illuminaten geht, treffen sich Jens Holzförster und Ralf Fieseler mit der Kuratorin der Ausstellung, Carolin Mischer. Die

Der Freimaurer Jens Holzförster.

Der Freimaurer Jens Holzförster. Foto: Schwabe

Schau macht deutlich, dass Freimaurer von einigen bis heute als eine finstere Macht angesehen werden. Sie sollen die Französische Revolution 1789 inszeniert und das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand 1914 geplant haben. Und auch heute noch sollen sie nach der Weltherrschaft streben, sagt Mischer. Im 18. Jahrhundert habe man den Logen konkret die Verschwörung gegen Staat und Kirche, gegen »Thron und Altar«, vorgeworfen.

Ein Buch leistete ganze Arbeit

Ein Ankläger war der ehemalige Jesuit Augustin Barruel, dessen wirkmächtiges Buch »Mémoires pour servir à l’histoire du Jacobinisme« in neun Sprachen erschien. »Verschwörungstheorien bieten einfache Erklärungen für komplexe Ereignisse an«, sagt Mischer. Bei politischen Umbrüchen wie damals bei der Französischen Revolution werde schnell nach Schuldigen gesucht.

Die Freimaurer waren für Monarchisten und die Kirche ein dankbares Ziel, weil man wegen der in den Logen gewahrten Geheimhaltung nicht wusste, was dort passiert. Die Logen gehen vermutlich auf die mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften zurück, sie erlebten im 18. Jahrhundert ihre Blütezeit und verfochten aufklärerische Ideale wie Toleranz, Humanität und Brüderlichkeit. Religiöse Bevormundung lehnten sie ab. Das Grundgesetz der Freimaurer, die »Alten Pflichten« von 1723, verbietet ihnen, bei einer Verschwörung gegen den Frieden und das Wohl der Nation mitzumachen.

Auch Friedrich der Große war ein Freimaurer

Im Gegensatz zum kurzlebigen Illuminatenorden rund um den Kirchenrechtsprofessor Adam Weishaupt (1748-1830), der Deutschland von der »Pfaffenherrschaft« befreien wollte, verfolgten und verfolgen die Freimaurer keine politischen Ziele. »Sie waren damals eine Modeerscheinung, die Elite gehörte den Logen an, zum Beispiel auch Friedrich der Große«, erzählt Jens Holzförster, und Ralf Fieseler ergänzt: »Das Egalitäre war das Besondere. Bürger und Aristokraten begegneten sich auf Augenhöhe, und was gesagt wurde, blieb unter den Mitgliedern.«

Die Freimaurer seien keine Geheim-, sondern eine »verschwiegene Gesellschaft«, betont Jens Holzförster (55). Das gilt zum Teil bis heute, denn über das Aufnahmeritual wollen weder er noch Fieseler (52) etwas verraten. Die erste Paderborner Loge wurde 1803 gegründet. Die heutige (»Zum leuchtenden Schwerdt«) hat 34 Mitglieder, die aus allen sozialen Schichten kommen und sich montags um 19 Uhr im Restaurant »Zu den Fischteichen« treffen.

Holzförster: Loge eine Werkstatt zur persönlichen Weiterentwicklung

»Das Ziel ist es, aus guten Menschen bessere zu machen«, sagt Holzförster, der in der Qualitätsvorausplanung einer Firma arbeitet. »Freimaurerei ist Selbsterziehung, die Loge eine Werkstatt zur persönlichen Weiterentwicklung.« Und Postbote Fieseler ergänzt: »Wir üben uns auch in Brüderlichkeit im Handeln und Sprechen, im intensiven Zuhören und darin, Argumente vernünftig vorzutragen.«

Wer die Freimaurer kennenlernen möchte (freimaurer-paderborn.de), kann zu den Gästeabenden kommen. Der nächste ist am 2. Dezember um 19.30 Uhr und befasst sich mit Verschwörungstheorien. Möchte jemand aufgenommen werden, greift das »Kugeling«-Verfahren. Die Mitglieder stimmen mit weißen und schwarzen Kugeln über die Aufnahme ab. Weiß bedeutet Ja. Ein bisschen besonders sind die Freimaurer eben doch.

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