Kultstätte in Lichtenau-Atteln wird digital erfasst und touristisch erschlossen
Dieses Grab gibt mehr her

Lichtenau (WB). Es ist älter als Stonehenge, aber während die Kultstätte in England jeder kennt, ist das Großsteingrab in Atteln vor allem Insidern bekannt. Das soll sich jetzt ändern. Das 5000 Jahre alte sogenannte Galeriegrab, in dem zwischen 200 und 400 Menschen bestattet wurden, wird Bestandteil des „Weges der großen Steine“ werden.

Freitag, 29.11.2019, 18:57 Uhr aktualisiert: 29.11.2019, 19:00 Uhr
Für das 5000 Jahre alte Grab arbeiten Leo Klinke, Vera Brieske, Matthias Preißler und Sven Spiong (von links) Hand in Hand. Es wird digital rekonstruiert. Foto: Dietmar Kemper
Für das 5000 Jahre alte Grab arbeiten Leo Klinke, Vera Brieske, Matthias Preißler und Sven Spiong (von links) Hand in Hand. Es wird digital rekonstruiert. Foto: Dietmar Kemper

Das kündigte die Geschäftsführerin der Altertumskommission für Westfalen, Vera Brieske, bei einem Ortstermin an. Als Vorbild nannte sie die „Straße der Megalithkultur“ in Niedersachsen. In das westfälische Pendant „Weg der großen Steine“ sollen 14 noch sichtbare Gräber aufgenommen und so markiert werden, dass Touristen sie gezielt besuchen können. Steine davor sollen als Informationsträger dienen, sagte Brieske. Zudem werde Atteln in einer Broschüre mit dem Titel „Megalithgräber in Westfalen“ mit Plänen und Texten zum bisherigen Forschungsstand ausführlich vorgestellt.

 

Digitale Vermessung

Am Donnerstag begannen die Experten mit der digitalen Vermessung des 19,5 Meter langen und zwei Meter breiten Grabes, das im Inneren 1,35 Meter hoch ist. Anfang 2020 könne man „virtuell durch das Grab fliegen“, kündigte der Leiter des Projekts »Megalithik in Westfalen«, Leo Klinke, an. Möglich ist das dann auf der Internetseite www.altertumskommission.lwl.org. „Durch das digitale Grab wird man dazu gelockt, sich das reale anzuschauen“, glaubt Klinke.

Von dem Projekt, die Gräber zu erforschen und sichtbar zu machen, will die Stadt Lichtenau touristisch profitieren. „Wir sprechen mit der Altertumskommission darüber, wie wir kooperieren können“, sagte Matthias Preißler, bei der Stadt zuständig für Marketing, Tourismus, Kultur und Wirtschaftsförderung. „Unser Konzept zielt auf Ausflugstourismus“, ergänzte er. Das Grab habe eine hohe geschichtliche Bedeutung und verkörpere in der Region ein Stück Identität. Preißler: „Das Grab ist unscheinbar, aber von seiner Bedeutung her nicht zu überschätzen.“

Die Menschen betrieben an Flussläufen Viehzucht

Galeriegräber gibt es im Paderborner Raum mehrere. Sie stammen aus der Wartberg-Kultur. „Die Gräber sind an der Altenau wie Perlen an einer Schnur aufgereiht“, betonte Klinke. Das in Atteln ist 5000 Jahre alt. Unsere Vorfahren ließen sich am Fluss nieder und betrieben Viehzucht, wie der Archäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Sven Spiong, weiß. „Ackerbau war hier nicht möglich, die Menschen zogen mit ihren Herden mit“, erzählte er. Durch Gräber aus Kalkstein markierten sie die Gegend, in der sie lebten. Im Gegensatz zu den Hügelgräbern aus Findlingen nutzten die Menschen Kalksteinbrüche. Die Gräber versammelten die Verstorbenen einer Sitte und erinnerten an sie.

Durch Handel waren die Menschen europaweit vernetzt und tauschten sich aus. Ähnlich wie das Grab in Atteln sind die Kultstätten im französischen Barmenez und irischen Newgrange gestaltet.

Das uralte Zeugnis in Atteln wollen die Altertumskommission und die Stadt Lichtenau jetzt besser präsentieren als bislang. Eingezäunt und überdacht werden soll es aber nicht. „Es sieht man besser, wenn alles frei ist“, sagte Sven Spiong.

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