So., 16.02.2020

Ackerbau, Viehzucht und Fleischerei: Heggehof präsentiert sich vielseitig Mit Büffeln und Biowurst gegen die Krise

Eine Tonne Lebendgewicht bringen die Wasserbüffel auf die Waage. Die mächtigen Hörner schinden Eindruck. Fremden gegenüber sind sie scheu. Die 70 Tiere, die auf dem Heggehof leben, stammen von einer indischen Wasserbüffel-Rasse ab. Die Tiere werden im dritten Lebensjahr geschlachtet.

Eine Tonne Lebendgewicht bringen die Wasserbüffel auf die Waage. Die mächtigen Hörner schinden Eindruck. Fremden gegenüber sind sie scheu. Die 70 Tiere, die auf dem Heggehof leben, stammen von einer indischen Wasserbüffel-Rasse ab. Die Tiere werden im dritten Lebensjahr geschlachtet. Foto: Ingo Schmitz

Von Ingo Schmitz

Lichtenau (WB). Die Einnahmen sinken, die Auflagen werden höher: Die Landwirte in der Region schauen mit Sorge in die Zukunft. Viele suchen nach Auswegen aus dem Dilemma. Der Heggehof in Lichtenau-Asseln hat schon vor 40 Jahren einen mutigen Schritt gemacht.

Der Biolandhof hat sich nicht nur auf die Haltung und Aufzucht von Wasserbüffeln spezialisiert und betreibt zudem ökologischen Landbau, sondern führt außerdem eine eigene Fleischerei. Die Produkte gibt es im Umkreis von rund 300 Kilometern nur in Biomärkten und Naturkostläden zu kaufen, wie Betreiber Josef Schäfers verrät. Zudem ist das Unternehmen unter anderem freitags auf dem Bio-Wochenmarkt in Paderborn anzutreffen und hat auch noch einen Hofladen.

Fruchtfolgen mit Braugerste, Erbsen und Ackerbohnen

Josef Schäfers Vater hatte Idee, aus der konventionellen Landwirtschaft mit Massentierhaltung auszusteigen. „Als einer der ersten schloss er sich dem Biolandverband an“, berichtet der Hofbesitzer. Pfluglose Bodenbearbeitung und Fruchtfolgen unter anderem mit Braugerste, Erbsen und Ackerbohnen bis hin zum Einkorn gehören zum Standard. „Wir bauen heute alte Getreidearten an, die bei Allergien verträglich sind.“

Bis zum Jahr 2011 lebten auf dem Heggehof auch Schweine auf der Weide. Doch aufgrund der allgemeinen Entwicklungen habe er sich schließlich dazu entschlossen, die Schweine abzugeben und etwas ganz Neues auszuprobieren. Nachdem verschiedene Rinderrassen ausgeschieden waren, kam Schäfers durch Zufall auf die Wasserbüffel. Schnell habe er festgestellt, dass die Tiere hervorragend in das Biolandkonzept passen.

Mit sechs Tieren fing alles an

„Ich habe damals sechs Tiere aus der Nähe von Bremen gekauft. Heute haben wir eine Wasserbüffelherde mit 70 Tieren. Und ich muss sagen: Ich bin begeistert. Bis heute hatten wir nicht einmal ein krankes Tier.“ Die Wasserbüffel hätten nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes einen Dickschädel, sie seien zudem sehr intelligent sowie einfach und genügsam in der Haltung. Sie fressen Silage, Heu und Stroh und kennen jeden Zentimeter ihrer Weide. Erstaunlicherweise hätten sie sich sogar ihren eigenen Pool angelegt, berichtet Schäfers: Die Tiere seien an einer feuchten Stelle in der Wiese tagelang im Kreis gelaufen und hätten sich so ihr eigenes Becken geschaffen, in dem sie sich an heißen Tagen abkühlen können.

Handwerksmeister Johannes Jolmes präsentiert eine Bioland-Wurst. Foto: Schmitz

In der hofeigenen Fleischerei stellt der Heggehof aber nicht nur Produkte aus Büffelfleisch her. Handwerkmeister Johannes Jolmes berichtet, dass hier auch Wurst und andere Produkte aus Schwein, Rind, Lämmern und Geflügel hergestellt werden – immer unter den strengen Richtlinien des Bioland-Verbandes. Das rohe Fleisch wird von heimischen Bioland-Partnerbetrieben aus der Region geliefert.

"

„Bei der Verarbeitung wird komplett auf Nitrit-Pökelsalz, Phosphat und Geschmacksverstärker verzichtet.“

Johannes Jolmes

"

„Bei der Verarbeitung wird komplett auf Nitrit-Pökelsalz, Phosphat und Geschmacksverstärker verzichtet“, erklärt der 29-jährige Paderborner, der seine Ausbildung ebenfalls in einer konventionellen Fleischerei absolviert hat. Der Verzicht auf Nitrit-Pökelsalz habe unter anderem zur Folge, dass die Wurst eher gräulich aussieht. „Das kennt der Verbraucher meist nicht“, sagt Schäfers und weiß, dass hier viel Aufklärungsarbeit geleistet werden muss.

Büffelwurst enthält nur Büffel

Insgesamt 80 Sorten Wurst werden in der Fleischerei hergestellt – in der Regel sind das keine Mischwürste. Das heißt: In der Büffelleberwurst ist auch nur Büffel drin – und kein Schwein. Das wissen die Kunden zu schätzen. Doch dem Team um Josef Schäfers und Johannes Jolmes gehen die Ideen nie aus. Während Schäfers schon vom Büffelkäse träumt, hat der junge Meister und passionierte Jäger die Idee, auch Wildprodukte auf den Markt zu bringen.

Auch wenn diese rein rechtlich nicht als Bio-Produkte deklariert werden dürften, könne man sich unter dem Label „Wildwux“ einen neuen Vermarktungsbereich vorstellen. „Warum soll der Verbraucher die Hirschkeule aus Neuseeland im Supermarkt kaufen, wenn wir eigenes Wild vor der Haustür haben?“, fragt Johannes Jolmes.

So sehen die Wildwux-Produkte aus.

Für 14 Produkte – von der Mettwurst über die Leberwurst bis zur Sülze und der Wildbolognese – hat er die Rezepturen bereits zusammen gestellt. In Kürze soll der Startschuss fallen, verrät Jolmes. Und er hat auch schon den nächsten Plan: Mit dem Gewinn des Förderpreises „Duale Ausbildung“ der Volksbank-Stiftung möchte er eine Ausbildung als Fleisch-Sommelier absolvieren. Damit wäre dann auch vom Namen her ein großer Fleischkenner.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7263673?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198401%2F2851067%2F