Winfried Lappe aus Lichtenau erobert ferne Länder mit dem Fahrrad
Auf zwei Rädern um die Welt

Lichtenau (WB). Als Krankenpfleger im Intensivbereich befindet sich Winfried Lappe zurzeit in einer höchst anstrengenden Situation. Lappe stammt gebürtig aus dem Lichtenauer Stadtteil Herbram, arbeitet in Bremen und wird mit einiger Wahrscheinlichkeit, wenn die Zahl der Corona-Patienten weiter steigt, am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) einspringen. Umso mehr ist der 56-Jährige froh, dass er vor dem Ausbruch der Pandemie noch ein wichtiges Herzensprojekt abschließen konnte. Winfried Lappe ist nicht nur Krankenpfleger, sondern auch Weltreisender auf dem Fahrrad.

Montag, 13.04.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 13.04.2020, 15:00 Uhr
90.000 Kilometer hat Winfried Lappe aus Herbram, der beruflich als Krankenpfleger tätig ist, mittlerweile bei seinen großen Fahrradreisen außerhalb Europas zurückgelegt. Bei einigen Etappen mit dabei ist stets auch seine Ehefrau Claudia. Foto: Lappe
90.000 Kilometer hat Winfried Lappe aus Herbram, der beruflich als Krankenpfleger tätig ist, mittlerweile bei seinen großen Fahrradreisen außerhalb Europas zurückgelegt. Bei einigen Etappen mit dabei ist stets auch seine Ehefrau Claudia. Foto: Lappe

Schon 90.000 Kilometer außerhalb Europas zurückgelegt

Ziemlich genau 90.000 Kilometer hat er mittlerweile außerhalb Europas auf dem Fahrrad zurückgelegt. Zu seinem 60. Geburtstag, so der Plan, könnte er die 100.000 Kilometer voll machen. Das sei eher ein Zufall, erzählt Winfried Lappe, allerdings ein sehr schöner. Rund 5000 Kilometer radelt er auf jeder seiner großen Fernreisen. Die jüngste hat ihn Anfang des Jahres durch Panama, Costa Rica und Nicaragua geführt. Zuvor war er unter anderem bereits in Asien und mehrfach in Afrika unterwegs.

Warum er fremde Länder seit inzwischen 25 Jahren nicht bequem mit dem Auto, sondern lieber per Fahrrad bereist, erklärt Lappe so: „Man erkämpft sich ein Land auf diesem Weg regelrecht. Man lernt es ganz anders kennen: sieht alles, riecht alles und kann stoppen, wann immer man will.“

Für die Anreise zerlegt Winfried Lappe sein Fahrrad. Der Aufbau geht schnell, und er kann direkt vom Flughafen aus losradeln.

Für die Anreise zerlegt Winfried Lappe sein Fahrrad. Der Aufbau geht schnell, und er kann direkt vom Flughafen aus losradeln. Foto: Lappe

Klar, anstrengend sei das schon, erzählt der 56-Jährige, der pro Tag im Schnitt etwa 100 Kilometer auf zwei Rädern zurücklegt. Bei jeder Reise nehme er etliche Kilo ab. Wo er übernachtet, entscheidet der Abenteurer spontan. Er mag sich nicht durch vorgebuchte Unterkünfte festlegen lassen und bleibt lieber flexibel. In Hostels und Herbergen steigt er ab, und wenn das nicht möglich ist, baut er sein Zelt auf, das immer mit dabei ist.

99 Prozent der Menschen, denen er unterwegs begegne, seien interessiert, freundlich und hilfsbereit, erzählt Lappe, der in Herbram aufgewachsen ist und seinen Beruf in Paderborn erlernt hat. Ablehnung sei äußerst selten, viel häufiger werde er eingeladen, bekomme einen Platz zum Schlafen und oft auch etwas zu essen angeboten. Gefährliche Situationen habe es auch immer wieder mal gegeben, erzählt er. „Wir sind schon öfter überfallen worden, aber es war nie so dramatisch, dass es an Leben oder Gesundheit gegangen wäre“, sagt Winfried Lappe gelassen.

Während er den größten Teil seiner Reisen allein zurücklegt, stößt auf einer Etappe (meistens zum Ende hin) auch seine Frau Claudia, eine Ärztin, hinzu. In der übrigen Zeit der Reise nutzt das kinderlose Ehepaar die moderne Technik, um in Verbindung zu bleiben.

Der Abenteurer schickt etwa tagsüber Handybilder von besonderen Erlebnissen nach Hause und berichtet am Abend online per Facetime, was der Tag gebracht hat. „Das macht viel aus“, erzählt Winfried Lappe, „so hat man das Gefühl, alles auch ein wenig gemeinsam erlebt zu haben.“

Ohne viel Gepäck unterwegs

Unterwegs ist er stets auf seinem eigenen Rad. Das wird vor Beginn der Reise in seine Einzelteile zerlegt, nach einem mittlerweile gut eingespielten System in Kartons verpackt und im Flieger als Gepäck aufgegeben. Vor Ort baut es Winfried Lappe dann wieder zusammen: „Das geht relativ schnell, jedenfalls schneller als das Zerlegen.“ Schon zwei Stunden, nachdem das Flugzeug gelandet ist, sei er meist abfahrbereit.

Vom Fahrrad und dem Zelt abgesehen, braucht der Reisende unterwegs nicht viel. Eine Stirnlampe hat er stets dabei, auch wenn er in der Dunkelheit das Rad lieber stehen lässt: „Viele Straßen sind zu schlecht, das ist zu gefährlich“. Ein Moskitonetz („Der beste Schutz gegen Malaria“) darf nicht fehlen, ebenso wenig wie das Handy und für den Notfall ein Breitband-Antibiotikum. Auch einen E-Book-Reader, bestückt mit jeder Menge Lesestoff, packt Winfried Lappe ein. Denn oft übernachtet er mitten im Nirgendwo und nutzt den Abend zum Lesen im Zelt, bevor es früh in den Schlaf und früh am nächsten Morgen weiter geht.

Urlaubstage von zwei Jahren aufgespart

Drei bis sechs Monate ist Lappe bei seinen größeren Reisen unterwegs. Möglich wird das, indem er die Urlaubstage von zwei Jahren aufspart und dann an einem Stück nimmt. Mit seinem Arbeitgeber hat er das von Anfang an so vereinbart. Praktischer Nebeneffekt: Weil er stets im deutschen Winter reist, kann er so während der Sommerferien Kollegen mit schulpflichtigen Kindern den Urlaubs-Vortritt lassen.

Nächste Fernreise im Winter 2021

Für den Winter 2021 plant „Weltumradler“ Winfried Lappe, der nach wie vor noch mehrmals im Jahr seine alte Heimat im Paderborner Land besucht, die nächste große Reise. Wohin es geht, hat er noch nicht entschieden. Sri Lanka und Indien würden ihn reizen, aber auch Westafrika.

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