Holtheimer Familien sehen Aussicht und Lebensräume am Charlottenbusch in Gefahr
Protest gegen neues Baugebiet

 

Mittwoch, 27.05.2020, 22:31 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 22:40 Uhr
Dieser freie Blick ins Naturschutzgebiet Marschallshagen in Holtheim ist nach Auffassung einiger Holtheimer in Gefahr. Werde am Rande des schützenswerten Gebiets gebaut, sei dort auch die Tier- und Pflanzenwelt bedroht. Foto:
Dieser freie Blick ins Naturschutzgebiet Marschallshagen in Holtheim ist nach Auffassung einiger Holtheimer in Gefahr. Werde am Rande des schützenswerten Gebiets gebaut, sei dort auch die Tier- und Pflanzenwelt bedroht.

 

Holtheim (WB). Im Lichtenauer Ortsteil Holtheim regt sich Prostet gegen die Ausweisung eines neuen Baugebietes am Rande des Naturschutzgebietes „Marschallshagen und Nonnenholz mit oberem Altenautal“. Der Holtheimer Hobbyfotograf und Naturfreund Michael Breker sowie Thomas Koch rufen ihre Mitbürger dazu auf, sich dem Protest anzuschließen.

Der Lichtenauer Bauausschuss hat einer Ausweisung der insgesamt acht Bauplätze im städtischen Besitz am oberen Charlottenbusch bereits zugestimmt. Dennoch hoffen die beiden Familien darauf, den Stadtrat umstimmen zu können. Denn aus ihrer Sicht ist das Gebiet besonders schützenswert.

Nicht nur die Aussicht auf das unmittelbar angrenzende Naturschutzgebiet sei mit einer Wohnbebauung für immer verloren. „Die dörfliche Idylle des Silberdorfes ist dann weg. Ein großer Schaden für das Ortsbild, die Natur und eine Entwertung der Wanderwege zu den Fischteichen, der EGV Hütte und im Marschhallshagen wären die Folge. Ganz zu schweigen davon, dass der Spielplatz, auf dem Generationen von Kindern mitten in der Natur spielen durften, Bauplätzen zum Opfer fällt, Bäume und Büsche dafür abgeholzt werden“, kritisiert Thomas Koch. „Das Naturschutzgebiet wird wie mit einer Mauer zugebaut“, fürchtet auch Michael Breker.

Bisher ist der Blick ins Naturschutzgebiet noch unverstellt.

Bisher ist der Blick ins Naturschutzgebiet noch unverstellt. Foto: Breker

Der Lichtenauer Bau- und Planungsausschuss hat auf Antrag des CDU-Ortsverbandes Holtheim bereits im November 2019 das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes in die Wege geleitet. Die Ausschussmitglieder votierten mit zwölf Ja-Stimmen bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung deutlich dafür.

Nach Ansicht der CDU sei die Bebauung eine sinnvolle Ergänzung der Ortslage Holtheim. Die landschaftlich außerordentlich reizvolle Lage lasse eine sehr schnelle Vermarktung auch zu einem ambitionierten Verkaufspreis vermuten, hieß es im CDU-Antrag. Bei der Aufstellung des Landschaftsplanes Lichtenau sei der Bereich auch im Hinblick auf eine projektierte Bebauung nicht als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Während einer Bürgerversammlung sei die Idee einer Bauzeile bei einigen kritischen Stimmen positiv aufgenommen worden.

Verfahren ist bereits auf den Weg gebracht

In der Ausschusssitzung im November hatte SPD-Fraktionsmitglied Günter Steins seine Bedenken geäußert. Nicht alle Einwohner Holtheims seien damit einverstanden. Ausreichend Bauplätze, auch kommunale, seien im Ort vorhanden. Die vorgestellte Planung laufe dem Ziel entgegen, eine Innenverdichtung der Ortslagen zu erreichen. Ortsvorsteher Albert Günther hatte hingegen darauf hingewiesen, dass es bereits zahlreiche Interessenten für diese Grundstücke gebe.

Michael Breker und Thomas Koch können die Pläne jedoch nicht nachvollziehen. Am Rande des NSG fühlten sich besonders viele Tiere und Pflanzen wohl. Die Straße diene als Grenze zwischen den Dorfbewohnern und der Tierwelt. Nicht nur Bienen, sondern viele Tiere wie der Schwarzstorch, Rotmilan, Sperber, Star, Fledermaus, Mäuse, Heuschrecken, Molche, Rotwild, Rehe, Hasen und viele mehr seien hier heimisch und könnten sich frei entfalten.  

Seit 2008 seien verschiedene Maßnahmen zur Renaturierung einer Fischteichanlage am Holtheimer Bach (etwa 200 Meter unterhalb des Charlottenbuschs) erfolgt, um einen naturnahen und zusätzlichen Lebensraum für die Pflanzen- und Tierarten zu schaffen. Mittlerweile lebten dort unter anderem Kanadagänse. Der scheue Schwarzstorch drehe seine Runden über dem Naturschutzgebiet. „Wird hier gebaut, verschwindet der Schwarzstorch und mit ihm nach und nach auch alle anderen Tiere. Hier ist eine sehr laute Schallübertragung, jedes noch so leise Geräusch wird durch das Tal verstärkt, das hält kein Tier aus. Zudem ist das erfolgreiche Projekt an den Fischteichen gefährdet“, meinen Koch und Breker.

Naturfreunde wollen ihre Mitbürger für das Thema sensibilisieren

Die beiden Holtheimer, denen sich nach Brekers Angaben bereits weitere Mitstreiter und auch einige Jugendliche angeschlossen haben, wollen ihre Mitbürger für die Natur sensibilisieren und bitten um Unterstützung ihres Protestes. „Jedem, der ein Herz für die Natur hat, muss es doch weh tun, wenn an dieser Stelle des Ortes gebaut wird“, sagt Michael Breker. Er hofft, dass sich die Ratsmitglieder doch noch für die Natur entscheiden „und nicht für den Profit aus dem Verkauf der Bauplätze“.

Nach Auskunft des Lichtenauer Bürgermeisters Josef Hartmann sei der Planungsauftrag zwischenzeitlich an ein Ingenieurbüro erteilt worden. „Im Plangebiet liegt eine kleinere Altlast-Verdachtsfläche. Diese soll gemeinsam mit dem Kreis Paderborn beprobt werden, bevor das weitere Verfahren durchgeführt wird. Aufgrund der aktuellen Corona bedingten Lage gibt es dafür noch keinen Termin. Nach Gesprächen mit dem Kreis Paderborn ist davon auszugehen, dass von dieser Fläche keine Gefahr ausgeht“, erläutert der Bürgermeister.

Das eigentliche Bauleitplanverfahren werde sich nach der Beprobung (voraussichtlich) anschließen. „Im Planverfahren gibt es zweimal eine Beteiligung der Öffentlichkeit, in diesen Beteiligungsschritten kann Jedermann Bedenken oder Anregungen äußern. Die abschließende Entscheidung trifft der Rat der Stadt Lichtenau“, so Hartmann.

Die Familien Koch und Breker wollen bis dahin mit Flyern und anderen Aktionen für ihr Anliegen werben. Auch den Naturschutzbund wollen sie mit ins Boot holen. Wer sich dem Protest anschließen möchte, kann unter der Emailadresse naturpur@freenetmail.de Kontakt aufnehmen. „Wir sollten uns ein sehr schönes Stück Heimat nicht nehmen lassen“, so Michael Breker und Thomas Koch.

 

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