Teatro del mondo & Sunhae Im führen in Lichtenau selten gespielte Werke auf
Revolutionäre Barockmusik

Lichtenau (WB). Das Wetter spielte am Samstagabend während des Konzertes im Ehrenhof des Klosters Dalheim erfreulicherweise mit. Das renommierte Ensemble Teatro del mondo und die aus Südkorea stammende Sopranistin Sunhae Im spielten unter der Leitung von Andreas Küppers in kammermusikalischer Besetzung selten zu hörende Werke spätbarocker Komponisten.

Sonntag, 16.08.2020, 22:11 Uhr aktualisiert: 16.08.2020, 22:20 Uhr
Sunhae Im singt im Ehrenhof des Klosters Dalheim die dramatische Arie „Vado, ma dove“ von Domenico Sarro. Foto: Hermann Knaup
Sunhae Im singt im Ehrenhof des Klosters Dalheim die dramatische Arie „Vado, ma dove“ von Domenico Sarro. Foto: Hermann Knaup

Der Dirigent leitete sein Orchester, coronabedingt auf Streichquartettgröße reduziert, stilgerecht vom Cembalo aus. Die Musiker erwiesen sich auf ihren Barockinstrumenten als exzellente Spezialisten und Virtuosen. Sie wirkten bestens einstudiert, spielten äußerst präzise und legten offensichtlich großen Wert auf eine makellose Intonation. Ihre Interpretation wirkte bis ins Detail erfreulich transparent, ihre Dynamikgestaltung war hervorragend abgestimmt. Als Begleitung der Sopranistin agierten die Instrumentalisten geradezu kongenial.

Sängerin Sunhae Im überzeugte erwartungsgemäß mit klarer Stimme, gekonnten Barock-Koloraturen und einer flexiblen, textorientierten Stimmgestaltung. Sie vermied zudem jegliches überzogene Stimm-Vibrato. Auf dem Programm standen Instrumentalwerke von B. Galuppi, A. Vivaldi, J.A. Hasse und G. Tartini, dessen „Largo andante“ aus dem A-Dur-Violinkonzert (D96) von Emanuele Breda als Solist gespielt wurde. Ferner sang Sunhae Im Arien von G.A. Ristori, M. Faggioli, J.A. Hesse und D. Sarro. Diese Arien stammen aus Opern, die Vergils „Dido und Aeneas“-Mythos zum Inhalt haben. Um 1724 schrieb der Dichter Pietro Metastasio ein Libretto „Didone abbandonata“, zu dem im Laufe der Musikgeschichte über 60 Opern entstanden.

Weltlich ausgerichtete Arientexte

Darin tötet sich Karthagos Königin Dido selbst, als sie sich von ihrem Geliebten Äneas verraten und verlassen fühlt. Getreu dem diesjährigen Festival-Motto „Revolution!“ hatten die Musiker Ausschnitte aus Werken ausgesucht, die für ihre barocke Entstehungszeit vielfältige, revolutionäre Elemente enthalten. Die Arientexte sind weltlich ausgerichtet und stehen damit im Kontrast zu den Arien der großen, geistlichen Oratorien und Kantaten. Die Musik selbst ist nicht durchweg polyphon, und viele Arien weisen eine wirkungsvolle Dramatik auf, die den Vergleich mit Arien der Romantik-Opern nicht scheuen müssen.

Die Arie „Vado, ma dove“ von D. Sarro, interpretiert von Sunhae Im, verdeutlichte diese Dramatik eindrucksvoll. In den Instrumentalwerken zeigt insbesondere die g-moll-Fuge von J.A. Hasse, diesmal durchweg polyphon angelegt, bemerkenswerte Elemente, die neue kompositorische Wege aufzeigen. So beginnt das Thema zunächst mit einer zusätzlichen Begleitung der zweiten Violine.

Ungewöhnliches Spektrum selten gehörter Werke

Der temporeiche, dynamische Impetus der Fuge forderte insgesamt von den Instrumentalisten eine enorme Virtuosität. Dieser Konzertabend bot ein ungewöhnliches Spektrum selten gehörter Werke der Barockmusik und belegte zugleich deren unerschöpfliche Vielfalt. Nach langem Beifall der knapp 100 Konzertbesucher sang Sunhae Im als Zugabe die Arie „Già si la tempestate“ aus der Oper „Didone abbandonata“ von Domenico Sarro.

Zum Konzert lag ein sehr informatives Programmheft vor. Ein Kompliment gebührt auch der Tontechnik, der eine optimal dosierte Aussteuerung gelang. Dank auch den Organisatoren für ein effektives Konzept zur Umsetzung der leidigen Corona-Vorschriften. Während anderswo zahlreiche Konzert abgesagt wurden, entschlossen sich die Veranstalter des „Dalheimer Sommers“, das Programm aus Musik und Theater trotz des hohen organisatorischen Aufwands durchzuziehen.

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