Parteilose lässt Josef Eich (CDU) weit hinter sich – SPD, Grüne und FDP feiern Erfolg – mit Video
Ute Dülfer gewinnt in Lichtenau haushoch

Lichtenau (WB). Mit sensationellen 73,3 Prozent hat Ute Dülfer die Bürgermeister-Stichwahl in Lichtenau gewonnen. „Ich bin überwältigt“, freute sich die 48-Jährige, die in Kleinenberg lebt. Im dortigen Pilgercafé ließ sie am Sonntagabend die Sektkorken knallen – mit dabei: Noch-Bürgermeister Josef Hartmann (SPD), ihre Unterstützer von SPD, FDP und Grünen sowie ihre Familie und Freunde.

Sonntag, 27.09.2020, 22:15 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 07:46 Uhr
Noch-Bürgermeister Josef Hartmann (SPD) freut sich über den deutlichen Wahlsieg von Ute Dülfer, die von SPD, Grüne und FDP unterstützt wurde. Am 1. November wird die 48-Jährige Chefin im Lich­tenauer Rathaus. Foto: Jörn Hannemann
Noch-Bürgermeister Josef Hartmann (SPD) freut sich über den deutlichen Wahlsieg von Ute Dülfer, die von SPD, Grüne und FDP unterstützt wurde. Am 1. November wird die 48-Jährige Chefin im Lich­tenauer Rathaus. Foto: Jörn Hannemann

„Das habe ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt“, sagte Dülfer, die insgesamt 3953 Stimmen bekam. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,4 Prozent und war damit etwas geringer als beim ersten Wahlgang am 13. September mit 68 Prozent.

CDU-Gegenkandidat Josef Eich, der mit Freunden aus der Union im TZL die Wahlergebnisse verfolgte, war enttäuscht. Seine mehr als deutliche Niederlage – er bekam nur 26,7 Prozent (1439 Stimmen) – nagte merklich an ihm. Wie berichtet, hatte der 58-Jährige im ersten Wahlgang noch 35,2 Prozent geholt, Ute Dülfer kam vor 14 Tagen auf 46,1 Prozent.

Dass er so viele Wähler verloren habe, dafür hatte Eich am Sonntagabend eine einfache Erklärung: Der Brief, der in der vergangenen Woche von der CDU-Ortsunion Lichtenau verfasst und verschickt worden war, habe das Gegenteil vom eigentlichen Ziel bewirkt. Der Inhalt des Schreibens, das sich gegen die Gegenkandidatin gerichtet habe, habe ihn Stimmen gekostet, war Eich sicher. Er, sowie CDU-Stadtverbandsvorsitzender Josef Meiwes, distanzierten sich auch am Wahlabend ganz klar von dem Schriftstück, das nicht mit ihnen abgestimmt gewesen sei.

CDU-Bürgermeisterkandidat Josef Eich zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte Ute Dülfer zum Sieg.

CDU-Bürgermeisterkandidat Josef Eich zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte Ute Dülfer zum Sieg. Foto: Jörn Hannemann

Ob Josef Eich nun weiterhin Fraktionschef der CDU bleibt, sei noch unklar. Klar sei aber, dass man Ute Dülfer zum Sieg gratuliere und man nun wieder zu den Sachthemen zurückkehren wolle. „Es gibt Themen, die dringend entschieden werden müssen. Wir wollen keine Querelen. Wir wünschen Ute Dülfer, dass sie sich schnell einarbeitet, damit es gut für Lichtenau wird“, betonte Meiwes. Josef Eich betonte zudem, dass die vergangenen sechs Jahre sehr erfolgreich für Lichtenau gewesen seien. „Wir haben es geschafft, Bürgermeister Josef Hartmann auf unsere Seite zu holen, und mit der FDP haben wir gut zusammen gearbeitet.“ Für die künftige Ratsarbeit gebe es also ein entsprechendes Fundament – auch wenn der CDU die absolute Mehrheit fehle.

Hartmann will es besser machen

Ute Dülfer signalisierte, dass sie auf jeden Fall mit allen Parteien im Rat zusammen arbeiten wolle. Es gehe um das Beste für Lichtenau. Sie sei ihrem Mann Dirk dankbar, dass dieser sie in ihrer Kandidatur und zur Zusammenarbeit mit der SPD und den übrigen Parteien bestärkt habe. „Ich bin stolz auf meine ganze Familie, die mich im Wahlkampf wahnsinnig gut unterstützt hat“, sagte die 48-Jährige, die voraussichtlich am 14. Oktober ihren letzten Arbeitstag beim Gebäudemanagement der Stadt Paderborn (GMP) haben wird. Dort leitet sie den Bereich der Bauunterhaltung. Noch-Bürgermeister Josef Hartmann wird am 31. Oktober sein Büro im Rathaus räumen. Er versprach ihr, sie einzuarbeiten und Netzwerke weiter zu geben. „Ich werde mich bemühen, es besser zu machen, als mein Vorgänger. Damals gab es kein Wort, keinen Satz, kein Dokument“, berichtete der SPD-Mann, der 2014 den damaligen Amtsinhaber der CDU, Dieter Merschjohann, mit 56,7 Prozent besiegt hatte.

„Historischer Tag“

Mit Ute Dülfer freute sich auch SPD-Stadtverbandsvorsitzender Wolfgang Scholle. „Es ist ein historischer Tag für Lichtenau. Sie ist die erste Bürgermeisterin, und die CDU hat die absolute Mehrheit verloren. Das heißt, es muss künftig um jede gute Lösung gerungen werden. Die CDU ist herzlich eingeladen, mitzumachen.“

Uwe Kirschner (FDP) hatte gleich doppelten Grund zum Feiern. Er vollendete am Sonntag sein 73. Lebensjahr und betonte: „Wir haben mit Ute Dülfer auf das richtige Pferd gesetzt. Mit dem heutigen Tag sind wir sehr zufrieden.“ Er freue sich schon darauf, als Alterspräsident die neue Bürgermeisterin zu vereidigen. Und Grünen-Fraktionschef Bernhard Keiter ergänzte: „Dass es so gut geklappt hat, war unerwartet. Jetzt hoffen wir auf eine gute Zusammenarbeit mit der CDU – zum Wohle der Stadt Lichtenau.“

Kommentar von Ingo Schmitz

Ute Dülfer ist die erste Bürgermeisterin im Kreis Paderborn. Damit geht sie schon jetzt in die Geschichtsbücher der Stadt Lichtenau ein. Das ist aber nicht die einzige Besonderheit. Eine weitere ist, dass sie kommunalpolitisch ein völlig unbeschriebenes Blatt ist. Und nicht zuletzt muss die CDU sowohl auf Kreis- als auch auf Stadtebene eine weitere herbe Niederlage wegstecken.

Seit der Kommunalwahl 1999 befindet sich die Union in der ehemaligen Hochburg Lichtenau im Sinkflug. Damals kam sie noch auf gut 70 Prozent. Jetzt hat sie vor 14 Tagen sogar die absolute Mehrheit verloren und erreichte nur noch knapp 49 Prozent. Anstatt das Rathaus zurück zu erobern, verliert sie nun ein zweites Mal nach 2014 die Bürgermeisterwahl. Der Stachel dürfte bei der CDU tief sitzen. Dass das Ergebnis so deutlich gegen Josef Eich ausfällt, ist wohl der Schmutzkampagne zu verdanken, die die CDU-Ortsunion Lichtenau angezettelt hatte. Der Brief, der der Gegenkandidatin Dülfer schaden sollte, ist nach hinten losgegangen.

Die CDU sollte nun in den eigenen Reihen aufräumen und sich wieder der Sachpolitik widmen. Zur Erinnerung: Die CDU verfügt im Rat nun über 13 Sitze – genauso viele wie SPD (8), Grüne (3) und FDP (2) zusammen. Mit der Bürgermeisterin haben die drei Parteien die Mehrheit und die CDU das Nachsehen.

Es wird in den kommenden Monaten darauf ankommen, dass die neue Bürgermeisterin es schafft, sich schnell in die Themen einzuarbeiten und Mehrheiten zu organisieren. In der Energiestadt ist Spannung angesagt.

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