Cyberpunk: Oliver Borchers aus Lichtenau veröffentlicht zweiten Roman
Nichts ist ausgeschlossen

Lichtenau (WB). „Der Weltraum, unendliche Weiten...“ – mit diesen Worten begannen in den 1970er Jahren die Folgen der Kultserie Raumschiff Enterprise. Captain Kirk und seine Besatzung – allen voran der spitzohrige Mister Spock – nahmen die Zuschauer mit ins Jahr 2200 und zu Lichtjahre entfernten Galaxien. Abenteuer in einer absurden Phantasiewelt. Nicht so ganz, meint der Lich­tenauer Oliver Borchers (49). „In der Serie hielten die Protagonisten bereits eine Art Handy in den Händen. Damals völlig undenkbar“, verdeutlicht Borchers, dass heute eher eine Welt ohne mobiles Telefon undenkbar ist.

Freitag, 23.10.2020, 11:57 Uhr aktualisiert: 23.10.2020, 12:00 Uhr
Oliver Borchers ist technikaffin und schreibt gern phantasiereiche Geschichten. In seinem neuen Roman verbindet der Lichtenauer Künstliche Intelligenz mit der Nanotechnologie. Dabei konnte er auf sein Wissen als IT-Fachmann zurückgreifen. Foto: Oliver Schwabe
Oliver Borchers ist technikaffin und schreibt gern phantasiereiche Geschichten. In seinem neuen Roman verbindet der Lichtenauer Künstliche Intelligenz mit der Nanotechnologie. Dabei konnte er auf sein Wissen als IT-Fachmann zurückgreifen. Foto: Oliver Schwabe

Auch vor diesem Hintergrund ist Borchers’ zweiter Roman „Nano Lüneburg“ entstanden, der in der kommenden Woche in die Buchläden kommt. Der Lichtenauer bedient mit seinen Science-Fiction-Geschichten ein ganz spezielles Genre, hat Spaß daran zu phantasieren, ohne dabei aber so ganz die Realität aus den Augen zu verlieren.

... in der Zukunft nicht gänzlich ausgeschlossen

In seinem Roman, den er dem Subgenre Cyberpunk zuordnet, verknüpft der Lichtenauer die Themen Künstliche Intelligenz mit der noch in den Kinderschuhen steckenden Nanotechnik. Seine Zukunftsvision spielt im späten 21. Jahrhundert. Die Protagonistin „Steam“ lässt sich mit Hilfe der Nanotechnologie Implantate einsetzen, die ihre Körperteile leistungsfähiger machen sollen. Doch dann passiert die Nanokatastrophe, die Technologie wird durch einen Supervirus ausgeschaltet.

Als IT-Fachmann bewegt sich Oliver Borchers damit auf nicht ganz unbekanntem Terrain und findet, dass die Dinge, die in seinem Roman passieren, angesichts fortschreitender technologischer Entwicklungen in der Zukunft nicht gänzlich ausgeschlossen sind – wie das Beispiel Enterprise zeigt. „Auch die Pandemie war vor einem Jahr noch absurd, oder ein US-Präsident wie Donald Trump“, meint Borchers. Mit seinem Buch könnten sich die Leser mit dem Thema Technologie und ihre Folgen auseinandersetzen.

„Ich habe mich schon immer für spannende und phantasievolle Geschichten interessiert und auch schon früh angefangen, sie aufzuschreiben“, erzählt Oliver Borchers. Ihm sei es wichtig getreu dem Credo „wer schreibt, der bleibt“ etwas zu hinterlassen. „Vielleicht sagen die Leute irgendwann mal: Ach guck mal, es ist ja doch so gekommen“, sagt Borchers. Er schätzt den Autor J.R.R. Tolkien, weil dieser eine Welt geschaffen habe, die in ihm die Lust am Schreiben geweckt habe. Am kreativsten ist Borchers als Frühaufsteher am frühen Morgen.

Science-Fiction-Leser und „Nerds“ als Zielgruppe

Seine Geschichte sollen kurzweilig und spannend sein. Etwa ein Jahr hat er an seinem zweiten Roman gearbeitet. Im Selbstverlag ist 2015 sein Erstlingswerk „Ein Orbit voller Hacker – Nerdaner 105“ erschienen, außerdem wurden mehrere seiner Kurzgeschichten veröffentlicht. Seine Zielgruppe sind Science-Fiction-Leser und „Nerds“, wie er sagt. Doch auch allen, die in diesem Genre nicht zu Hause sind, hat Borchers etwas zu sagen. Denn auf seiner Zukunftsreise übermittelt er durchaus auch gesellschaftskritische Aspekte. „In meinem Roman sehen die Leute die Nanotechnik als Allheilmittel. Doch sie kann sich auch ins Gegenteil umkehren. Klar sind wir heute auf Technik angewiesen. Aber wir sollten auch aufpassen, dass wir uns nicht gänzlich von ihr abhängig machen. Denn das macht auch die Menschlichkeit kaputt“, sagt Borchers. Auch mit der Wahl des Handlungsortes Lüneburg hat der Autor unterschwellig ein aktuelles Problem aufgegriffen. Lüneburg liegt nämlich als Folge des Klimawandels Ende des 21. Jahrhunderts am Meer.

Das Schreiben ist für Borchers Hobby. Viel verdienen kann er insbesondere in seinem Genre damit nicht. „Dafür müsste ich viel mehr schreiben, es ist also unmöglich davon zu leben“, sagt der Familienvater, der im portugiesischen Porto aufgewachsen ist und über einen Job in Horn Bad Meinberg nach Ostwestfalen kam. Von Montag an kann der 228-seitige Roman (Shadodex – Verlag der Schatten/12 Euro) über die örtlichen Buchhandlungen erworben werden.

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