Thema „Künstliche Intelligenz und ärztliches Handeln“ als Video-Format
36. Ärztetag im Erzbistum Paderborn: Computer ersetzen keine Liebe

Paderborn -

Für die Kirche ist der Blick in medizinische Arbeitsfelder ein grundlegender Bestandteil der pastoralen Ausrichtung auf den Menschen hin.“ Das betonte der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Grußwort zum 36. Ärztetag im Erzbistum Paderborn.

Montag, 16.11.2020, 05:04 Uhr aktualisiert: 16.11.2020, 09:08 Uhr
Zwei der Referenten und die Verantwortlichen des Ärztetages (von links): Professor Dr. med. Johannes Weßling, Andreas Hölscher (Direktor des Liborianums), Dr. Werner Sosna und Professor Dr. med. Dr. phil. Thomas Heinemann.
Zwei der Referenten und die Verantwortlichen des Ärztetages (von links): Professor Dr. med. Johannes Weßling, Andreas Hölscher (Direktor des Liborianums), Dr. Werner Sosna und Professor Dr. med. Dr. phil. Thomas Heinemann. Foto: Thomas Throenle/Erzbistum Paderborn

„ Die Veranstaltung, die traditionell im Paderborner Heinz-Nixdorf-Museumsforum unter Einhaltung der Pandemie-Richtlinien mit rund 100 Teilnehmern geplant war, wurde wegen der Corona-Krise als Video-Format aufgezeichnet – dieses kann in Kürze auf der Homepage des Erzbistums Paderborn abgerufen werden.

Drei hochkarätige Fachreferenten aus den Feldern Medizin und Ethik geben in ihren Beiträgen Einblicke in die medizinischen Anwendungsfelder künstlicher Intelligenz und erörtern die damit verbundenen ethische Fragen.

„Als Kirche beteiligen wir uns am Dialog mit den Wissenschaften, um Fragestellungen im Blick auf den handelnden und auf den leidenden Menschen mit zu erörtern und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen“, machte Erzbischof Hans-Josef Becker in seinem Grußwort das Anliegen des Ärztetages deutlich. Dieser findet als Kooperation von Erzbistum Paderborn und der Akademie für medizinische Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe statt.

Schon immer habe der Mensch seine Begrenztheit im Umgang mit den Dingen dieser Welt erkannt und seinen Geist eingesetzt, um Vorgänge des Lebens effizienter erledigen zu können, betonte der Paderborner Erzbischof. Dies gelte auch für die Digitalisierung in der Medizin, durch die die begrenzten menschlichen Fähigkeiten durch technische Unterstützung um ein Vielfaches erweitert würden. „Kaum jemand von uns möchte auf die damit verbundenen Ergebnisse verzichten, auch wenn wir dadurch von der technischen Funktionalität mehr und mehr abhängig werden“, analysierte Erzbischof Becker.

Doch die Ambivalenz jeglicher Technik verstärke sich, wenn dieser Technik ein Diagnose- und Entscheidungspotenzial zugetraut werde: „Mit der Nachbildung kognitiver Fähigkeiten des Menschen durch Maschinen betreten wir dieses neue Kapitel“, erklärte der Paderborner Erzbischof. So würden zwangsläufig Fragen im Umgang mit den Patienten entstehen. „Computer ersetzen keine Zuwendung. Sie bleiben aber in den Händen des medizinischen Personals unerlässliche Helfer der guten Gestaltung des Lebens. Sie sind nicht mehr, aber auch nicht weniger ein Mittel zum Zweck, um Unsicherheiten in Diagnostik und Therapie nach Möglichkeit zu minimieren“, machte Erzbischof Hans-Josef Becker klar und stellte fest: „Alle eingesetzten Techniken – bis hin zu den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz – müssen im Dienst des Menschen stehen.“

Erzbischof Hans-Josef Becker sagte in seinem Grußwort: „„Alle eingesetzten Techniken müssen im Dienst des Menschen stehen.

Erzbischof Hans-Josef Becker sagte in seinem Grußwort: „„Alle eingesetzten Techniken müssen im Dienst des Menschen stehen. Foto: Thomas Throenle/Erzbistum Paderborn

Professor Dr. med. Joachim Schultze aus Bonn eröffnete mit seinem Beitrag zum Thema „Quo vadis? Grundlagen und Potenziale künstlicher Intelligenz in der Medizin“ die Reihe der Fachreferate. Der Professor für Genomik und Immunoregulation am Life and Medical Science-Institut der Universität Bonn leitet zugleich das Deutsche Zen­trum für Neurodegenerative Erkrankungen. Schultze ist für seine Forschung national und international vielfach ausgezeichnet worden.

„Back to the future! Zum Einsatz der künstlichen Intelligenz am Beispiel der Radiologie“ war der Beitrag von Professor Dr. med. Johannes Weßling aus Münster überschrieben. Der Professor für Radiologie an der Universität Münster leitet das Zentrum für Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin am Clemenshospital und der Raphaelsklinik in Münster. Der Experte erhielt 2013 den Friedrich-Wachsmann-Preis der deutschen Gesellschaft für Radiologie.

Mit dem Thema „Mensch und Maschine – ethische Herausforderungen in der Medizin“ beschäftigte sich Professor Dr. med. Dr. phil. Thomas Heinemann von der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar. Der Lehrstuhlinhaber für Ethik, Theorie und Geschichte der Medizin spezialisierte sich als Arzt auf die Fächer Innere Medizin, Gastroenterologie und Biochemie. Er habilitierte sich 1999 für Innere Medizin und Biomedizinische Ethik und promovierte wenige Jahre später zusätzlich in Philosophie. Von 2012 bis 2016 war Heinemann Mitglied des Deutschen Ethikrates.

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