Gemeinden in Salzkotten und Lichtenau nehmen Pandemie-Regeln ernst
Freikirchen im Corona-Fokus

Salzkotten/Lichtenau -

Spätestens seit der mutmaßlichen Masseninfektion nach einem Gottesdienst in Detmold sowie der Auf­lösung eines Gottesdienstes am vergangenen Samstag in Herford sind die Freikirchen in den Corona-Fokus ge­raten.

Freitag, 08.01.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 08.01.2021, 08:48 Uhr
Das Gemeindehaus der Freien Christengemeinde Lichtenau bietet Platz für 300 Menschen. Doch in Pandemie-Zeiten kommen deutlich weniger Teilnehmer zu den Gottesdiensten, die unter strengen Corona-Auflagen stattfinden.
Das Gemeindehaus der Freien Christengemeinde Lichtenau bietet Platz für 300 Menschen. Doch in Pandemie-Zeiten kommen deutlich weniger Teilnehmer zu den Gottesdiensten, die unter strengen Corona-Auflagen stattfinden. Foto: Hanne Hagelgans

In Salzkotten wurde bereits zweimal die Polizei in die Kösliner Straße gerufen, am ersten Weihnachtsfeiertag und am vergangenen Sonntag. Anwohner waren und sind dort offenbar in Sorge, dass bei den Gottesdiensten der dortigen Evangeliumschristen der Baptisten-Brüdergemeinde die Schutzverordnungen nicht eingehalten werden. Polizei und Ordnungsamt können das allerdings nicht bestätigen.

Anwohner berichten, mehr als 50 Fahrzeuge vor der Kirche gesehen zu haben Mehr als 100 Leute hätten dort Gottesdienste gefeiert, es seien keine Masken getragen worden, auch Gesang sei zu hören gewesen. „Ich fühle mich wirklich bedroht von der Situation und appelliere an die Vernunft“, sagte ein Salzkotter, der in der Nähe wohnt, gegenüber dieser Zeitung. Er finde es rücksichtslos und egoistisch, sich angesichts der Pandemie nicht an die Kontaktvermeidung zu halten.

Bei Thomas Peitzmeier, Fachbereichsleiter Bürgerdienste, sind ebenfalls mehrere Hinweise eingegangen. „Ein Kollege war Weihnachten vor Ort im Gottesdienst, um sich selbst ein Bild zu machen und sich zu vergewissern, ob die Auflagen eingehalten werden“, so Peitzmeier. Es habe keinen Grund für Beanstandungen gegeben. Auch Polizeisprecher Michael Biermann bestätigt, dass ein Einschreiten nicht erforderlich gewesen sei. Bezogen auf den gesamten Kreis Paderborn seien keine Veranstaltungen aus dem Ruder gelaufen.

Peitzmeier wies auf WV-Anfrage darauf hin, dass Gottesdienste nicht verboten seien. Bei weniger als 100 Teilnehmern sei kein Hygienekonzept erforderlich. Liege ein Konzept vor, dürften sich in einem geschlossenen Raum bis zu 250 Personen und draußen sogar 500 aufhalten, verweist Peitzmeier auf die derzeit aktuelle Verordnung. „Beide Baptisten-Gemeinden – in Salzkotten und Oberntudorf – haben uns ein Konzept vorgelegt“, so Peitzmeier weiter. Er sieht derzeit keine Veranlassung, erneut die Gottesdienste dort zu stören.

Arthur Dimmel ist Gemeindeältester der Salzkottener Baptisten und künftig auch Vereinsvorsitzender. Etwa 150 erwachsene Mitglieder hat die Gemeinde. Persönlich sei er von Anwohnern bisher nicht auf mögliche Probleme angesprochen worden, sagt Dimmel. Bei ihren Einsätzen habe die Polizei das Konzept kontrolliert und nichts beanstandet. „Wir haben alles getan, um den Vorschriften zu entsprechen“, sagt Dimmel. Laufwege seien ausgeschildert, es werde Mundschutz getragen, Anwesenheitslisten würden geführt, und es singe nur eine kleine Gruppe.

Vor Corona hätten durchschnittlich 250 Gläubige die Gottesdienste in Salzkotten besucht. Nun habe man die Gruppen geteilt und biete sonntags zwei Gottesdienste an. Für die Weihnachtsfeiertage sei ein Raum im Kellergeschoss hergerichtet worden, in den der Gottesdienst per Beamer übertragen worden sei. „Wir machen nur das, was erlaubt und tragbar ist. Schließlich haben auch wir kein Interesse daran, dass jemand krank wird. Bisher ist mir unter unseren Mitgliedern keine Corona-Erkrankung bekannt. Aber natürlich wollen wir niemanden verärgern und kein Anstoß für Ärger sein. Denn auch nach Corona wollen wir hier mit unseren Nachbarn noch leben“, sagt Arthur Dimmel.

Ebenso sieht es Heinrich Friesen, Pastor der Freien Christengemeinde in Lichtenau. Es gebe überall schwarze Schafe, doch es sei nicht fair, von einigen wenigen Gemeinden, die sich nicht an die Auflagen hielten, auf alle anderen zu schließen.

Die Freie Christengemeinde Lichtenau, der rund 260 Mitglieder angehören, arbeite mit dem Ordnungsamt der Stadt zusammen, selbstverständlich sei auch ein Hygienekonzept vorgelegt worden, betont Friesen. Während die Arbeit der Gemeindegruppen unter der Woche ruhe, würden die sonntäglichen Gottesdienste über die Plattform Youtube live ins Internet übertragen. Gleich zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr habe die Gemeinde in die dazu notwendige Technik und Lizenzen investiert. Nicht erst seit Corona, sondern schon deutlich länger, gebe es zudem die Möglichkeit, per Telefon-Schaltung live beim Gottesdienst dabei zu sein. Das komme besonders bei älteren Gemeindemitgliedern gut an.

Direkt vor Ort im Gemeindehaus, das bis zu 300 Menschen aufnehmen könne, seien bei den Gottesdiensten, vielleicht 70, maximal 100 Besucher dabei, so Friesen. So sei es kein Problem, den notwendigen Abstand zwischen den Stühlen einzuhalten. Während des gesamten Gottesdienstes gelte Maskenpflicht, die auch streng überwacht werde; vor dem Betreten müssten sich die Besucher die Hände desinfizieren und in eine Teilnehmerliste eintragen.

Die Regeln, meint der Lichtenauer Pastor, gebe es schließlich aus guten Gründen, um das Coronavirus endlich gemeinsam in den Griff zu bekommen. „Sich darüber hinweg zu setzen, ist respektlos den Mitmenschen gegenüber und hat wenig zu tun mit Christsein“, findet er.

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