Niederländisches Ehepaar Kuipers saniert historisches Gebäude im Husener Dorfkern
Im alten Schäferhaus tut sich was

Lichtenau-Husen -

Dass das ortsbildprägende Schäferhaus – 1797 erbaut und inzwischen innen und außen verfallen – nach mehr als zehn Jahren Leerstand noch einmal zu neuem Leben erwachen würde, damit hatte in Husen niemand mehr gerechnet. Doch seit ein paar Wochen tut sich etwas in dem markanten Fachwerkhaus in der Paderborner Straße 8: Familie Kuipers aus Tilburg in den Niederlanden hat es gekauft und ist bereits dabei, es zu renovieren.

Dienstag, 23.02.2021, 01:33 Uhr aktualisiert: 23.02.2021, 11:30 Uhr
Diana und Willem Kuipers haben das historische Schäferhaus in Husen gekauft und wollen es nach und nach in Eigenregie sanieren. Den alten Ofen in der Küche, den auch Schäfer Willi Schlüting benutzt haben dürfte, haben sie als eine der ersten Aktionen wieder in Betrieb genommen.
Diana und Willem Kuipers haben das historische Schäferhaus in Husen gekauft und wollen es nach und nach in Eigenregie sanieren. Den alten Ofen in der Küche, den auch Schäfer Willi Schlüting benutzt haben dürfte, haben sie als eine der ersten Aktionen wieder in Betrieb genommen. Foto: Helga Kloppenburg

„Katzen, Mäuse, alles ist da“, lacht Diana Kuipers. Im Haus, das man anfangs kaum betreten konnte, weil überall Müll, Mist und Unrat lag, schlummern auch alte Schätzchen; wie zwei alte Klaviere und ein mit grünem Samt gepolsterter Pferdeschlitten mit Schnitzereien, wie aus einem Märchenfilm. Außerdem gibt es eine Reihe von antiken Anrichten. Eine Schützenmütze des schon lang verstorbenen ehemaligen Eigentümers und Schäfers Willi Schlüting hängt noch, von Spinnweben überzogen, in der Küche an der Wand. Willem Kuipers zeigt alte Postkarten und ein Gotteslob mit Gebetsbildchen in einem kleinen verstaubten Schuhkarton.

Der Vorbesitzer, Schäfer Willi Schlüting, war mit seinen Tieren rund um Husen unterwegs, hier am Kloster Dalheim.

Der Vorbesitzer, Schäfer Willi Schlüting, war mit seinen Tieren rund um Husen unterwegs, hier am Kloster Dalheim. Foto: Historisch

Mehrere Müllsäcke stehen am Rand, in den Viehställen liegt noch der Mist, und im Schafstall stehen alte landwirtschaftliche Geräte und Pferdeanhänger sowie eine alte Viehwaage.

Das antike Pflaster in der Deele ist das bekannte Tudorfer Pflaster. Die alte Holztür mit vielen kleinen Glasausschnitten und die Eichentreppe mit aufwändig gedrechselten Holzstäben lassen den einstigen Wohlstand noch erahnen. Zum Besitz zählten ursprünglich 77 Hektar landwirtschaftliche Fläche in der Husener Flur, die aber schon vor 1927 in den Verkauf gelangten.

Ortsvorsteher Thorsten Granitza und Ortsheimatpfleger Josef Dissen freuen sich mit den neuen Eigentümern, dass eines der ältesten Häuser in Husen in seiner Bausubstanz erhalten bleiben wird. „Zugenagelte Fenster werden hier wohl demnächst der Vergangenheit angehören, und durch die Restaurierung erfährt der historische Dorfkern eine Aufwertung“, freut sich Dissen.

Mehr als zehn Jahr hat das historische Schäferhaus mitten im Husener Dorfkern leer gestanden. Dass dort nun neues Leben einzieht, freut mit Diana und Willem Kuipers auch Ortsheimatpfleger Josef Dissen und Ortsvorsteher Thorsten Granitza.

Mehr als zehn Jahr hat das historische Schäferhaus mitten im Husener Dorfkern leer gestanden. Dass dort nun neues Leben einzieht, freut mit Diana und Willem Kuipers auch Ortsheimatpfleger Josef Dissen und Ortsvorsteher Thorsten Granitza. Foto: Helga Kloppenburg

Im Internet-Portal Ebay-Kleinanzeigen hat Willem Kuipers das Haus gefunden: „Eigentlich waren wir nur auf der Suche nach einer Scheune, um unsere Sachen und die Anhänger unterzustellen.“

Willem Kuipers (67) ist gelernter Landschaftsarchitekt, hat einige Jahre in dem Beruf gearbeitet und war zuletzt zehn Jahre lang als Fernfahrer tätig. Seine Leidenschaft gilt schon seit langem alten Häusern. Das Schäferhaus in Husen ist mittlerweile das vierte Haus, dem das Rentnerehepaar zu neuem Glanz verhelfen will.

Ein Haus haben sie in Marsberg innerhalb von fünf Jahren wieder komplett saniert. Dort wohnen sie jetzt, während sie in Husen renovieren. Irgendwann habe er bemerkt, dass er viele Arbeiten selbst übernehmen könne, wie etwa alte Fenster austauschen, erzählt Willem Kuipers.

„Die Dachbalken sind zwar alt, aber noch völlig in Ordnung“, freut sich Hausbesitzer Willem Kuipers.

„Die Dachbalken sind zwar alt, aber noch völlig in Ordnung“, freut sich Hausbesitzer Willem Kuipers. Foto: Helga Kloppenburg

Das Gebäude umfasst 700 Quadratmeter umbaute Fläche, es ist 35 Meter lang und 16 Meter breit. Vor dem Fachwerk gibt es einen älteren Gebäudekomplex aus Bruchstein. Eine Wand aus Lehm und Holzbalken, die nass war und drohte einzustürzen, konnte Kuipers retten, indem er die Dachpfannen ausgetauscht hat. Die Eichenbalken seien wohl aus dem 13. oder 14. Jahrhundert – die gingen niemals kaputt und könnten noch Jahre halten, ist der neue Besitzer überzeugt.

In Tilburg in den Niederlanden bewohnt das Ehepaar Kuipers ein saniertes ehemaliges Fischereihandelsgebäude. Und wenn sie Regen und Winter satt haben, sind sie für ein paar Wochen auf Bali, wo sie ebenfalls ein altes Häuschen renoviert haben. Mit etwa fünf Jahren Renovierungsarbeit rechnen die Kuipers. Wie sie das alte Schäferhaus dann letztlich nutzen wollen, lassen sie sich noch offen.

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