Bei jedem Heimspiel sind 30 DRK-ler mit Pflaster, Kompressen, Defi und RTW dabei
Helfer mit SCP-Herz

Paderborn (WB). Am Samstag waren es nur das auf den Fuß gefallene Bierfass und zwei Kreislaufversagen. Doch sie kennen auch den gebrochenen Oberarm, die einsetzenden Wehen einer Schwangeren oder Tränengas in den Augen. Bei jedem Heimspiel des SCP sind 30-DRK-Einsatzkräfte immer dabei – für den Fall der schlimmen Fälle.

Montag, 29.09.2014, 13:09 Uhr aktualisiert: 29.09.2014, 13:14 Uhr
Bei jedem Heimspiel sind 30 DRK-ler mit Pflaster, Kompressen, Defi und RTW dabei : Helfer mit SCP-Herz
Per Funk wird der Einsatz koordiniert, sei 38 Jahren ist auch Martin Bendix (53) dabei. Ab und zu bekommen sie auch ein kleines Dankeschön: »Gut, dass ihr da seid!« Foto: Besim Mazhiqi

Er ist Rekordhalter: Martin Bendix (53) steht seit 38 Jahren am Rand des Fußballfelds, hat mindestens 90 Prozent aller TuS- und SCP-Heimspiele begleitet und mindestens 32.000 Spielminuten gesehen. Werktags ist er Werkzeugmacher bei Benteler. Am Wochenende zieht er die DRK-Jacke an. Die ehrenamtliche Arbeitszeit kann er noch nicht einmal schätzen, es sind jedenfalls etliche Monate. Für keinen Cent als Gegenleistung. »Das Danke ist dann etwas Balsam für die Seele«, sagt er auch am Samstag nach einem relativ ruhigen Spiel, zumindest was die Einsätze angeht.

Gewachsene Anforderungen

Zu Zeiten der Oberliga im Hermann-Löns-Stadion saßen die etwa sechs DRK-Helfer noch neben der Trainer-Bank, mit dem Aufstieg zunächst in die 2. und dann in die 1. Bundesliga sind die Anforderungen erheblich gewachsen: Die Hälfte der mindestens 30 Sanitäter oder Rettungsassistenten stellt der DRK-Ortsvereins Schloß Neuhaus, andere Ortsgruppen sind ebenfalls dabei. Acht Gruppen mit Notkoffer, Notfalltrage und Höhenrettungsgerät sind im Stadion verteilt, draußen warten bis zu zehn Fahrzeuge. In der Arena selbst ist noch ein Sanitätsraum.

Dienstbeginn ist für die Männer und Frauen in den roten Jacken mit Kassenöffnung, Dienstschluss in der Regel erst zwei Stunden nach Abpfiff, sagt Einsatzleiter Dominic Arbeiter (31). Pro Spiel gebe es im Schnitt etwa zehn Einsätze. Darunter dann auch der Hilferuf eines Diabetikers, der auf der Treppe Gestürzte und insbesondere die zahlreichen Anforderungen beim Kreislaufzusammenbruch.

Einsätz bleiben unkalkulierbar

Bei allen Vorgesprächen mit Verantwortlichen oder Polizei ist Arbeiter mit dabei, um möglichen Risiken im Vorfeld bereits begegnen zu können. Doch Einsätze bleiben auch unkalkulierbar: Beim Tränengaseinsatz vor Jahren bei einem Spiel gegen St. Pauli mussten auch zahlreiche unbeteiligte Zuschauer versorgt werden, denen der Nebel ins Gesicht blies. Und an das »Tiefkühltruhenspiel« vor einigen Jahren erinnern sie sich auch noch alle: Bei mehr als minus zehn Grad konnten die Einlaufkinder nicht mehr. Kurzerhand wurde vom DRK der Kinderpunsch beim Catering »beschlagnahmt« und zur Erstversorgung eingesetzt.

Das etwas andere Engagement für den SCP ist für viele Helfer und auch für Martin Bendix zu einer Herzenssache geworden. Der Einsatz im Stadion wird ihm aber auch auf eine andere Art noch »versüßt«. Seine Ehefrau Ursula (56) trägt ebenfalls seit vielen Jahren die DRK-Jacke und ist ebenso SCP-Fan. Kennengelernt haben sie sich natürlich im Hermann-Löns-Stadion

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