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Do., 28.05.2015

Mehrere tausend Haushalte betroffen – mehr als 550 Anrufe bei Polizei und Feuerwehr Nachts kein Strom: Notrufsystem vor Kollaps

Im Umspannwerk in Elsen löst ein Fehler aus der Überlandleitung den nächtlichen Stromausfall aus.

Im Umspannwerk in Elsen löst ein Fehler aus der Überlandleitung den nächtlichen Stromausfall aus. Foto: Jörn Hannemann

Von Karl Pickhardt

Kreis Paderborn (WB). In der Nacht zu Mittwoch ist für 45 Minuten in Paderborn, Delbrück, Salzkotten und Hövelhof der Strom ausgefallen. Mehrere tausend Haushalte sind betroffen. Zwischen 3.15 und 4 Uhr gibt es keinen Saft. Binnen weniger Minuten laufen bei der Polizei in Paderborn und in der Kreisleitstelle mehr als 550 Anrufe auf. Das Notrufsystem steht vorm Kollaps.

Ein Fehler in einer 110-KVHochspannungsleitung hat den Stromausfall im Umspannwerk in Elsen ausgelöst, sagt Pressesprecher Edgar Schroeren von Westfalen Weser Netz. Im Umspannwerk wird der Strom aus der Überlandleitung auf Mittelspannung transferiert. Das hat in der Nacht zum Mittwoch nicht geklappt.

In Paderborn sind vom großflächigen Stromausfall die Stadtteile Schloß Neuhaus, Elsen, Sande und Sennelager sowie der Bereich um die Fischteiche ohne Strom. Im Umland hat auch die Kernstadt Salzkotten mit Tudorf sowie die Kernstadt Delbrück mit Ostenland, Westenholz und Hagen keine Elektrizität. Auch die Straßenbeleuchtung fällt aus.

Die Feuerwehr hat sofort alle Wehrführer in den betroffenen Kommunen alarmiert, sagt Kreisbrandmeister Elmar Keuter. Es sollten alle Feuerwehrgerätehäuser besetzt werden. Dazu sei es dann aber nicht mehr gekommen, weil der Strom schon nach 45 Minuten wieder fließt.

Die Kreisfeuerwehrzentrale hat in der Nacht personell aufgestockt und alle fünf Disponentenplätze besetzt, berichtet Vize-Leiter Theo Kleemann. Bereits in der ersten halben Stunde hätten 340 besorgte Anrufen den Notruf 112 betätigt: »Die Leitungen glühten.«

Fehlalarme wegen des Stromausfalls

In Hövelhof rückt die Feuerwehr zum Salvatorkolleg aus und kühlt ein Blockheizkraftwerk ab. Polizeisprecher Michael Biermann weiß von mindestens sieben Fehlalarmen: Alarmeinrichtungen werden ausgelöst, wenn die Stromzufuhr unterbrochen wird. Die Polizei Paderborn berichtet von mehr als 200 Anrufern in der Nacht.

Im Josef-Krankenhaus in Salzkotten übernimmt ein Notstromaggregat die Versorgung. Bei längerem Stromausfall kann es für Patienten in Heimen gefährlich werden, die von Beatmungsgeräten versorgt werden. »Für eine Zeit übernehmen Akkus die Energieversorgung «, weiß Kreisbrandmeister Keuter. Dann sei Feuerwehrhilfe gefragt. Auch Kläranlagen oder automatische Fütterungsanlagen in der Landwirtschaft werden bei längerem Stromausfall ein Fall für die Feuerwehr. In diesem Fall waren wegen der Kürze des nächtlichen Stromausfalls mit Ausnahme des Salvatorkollegs keine Feuerwehreinsätze nötig.

112 »nur in echten Notfällen«

Die Leitstelle in Ahden appelliert, nur in echten Notfällen den Ruf 112 zu wählen. Von 340 Anrufern hätten 73 den Notruf gewählt, obwohl lediglich ein Bürger in Schloß Neuhaus mit Luftnot auf den Stromausfall reagiert habe. Allein dies sei ein echter Notruf gewesen. Der Telefon-Ansturm habe das Notrufsystenm an die Grenzen geführt. »Wir möchten jedoch sicherstellen, dass auch in solchen Situationen Anrufer mit echten Notfällen wie bei einem Herzinfarkt durchkommen«, mahnt Leitstellenleiter Marc Hammerstein.

Kommentare

Lieber Tom, ich sage es direkt: Dann haben Sie einfach ein falsches Verständnis!
Die 112 und die 110 sind keine Zentralen, sie sind Notrufnummern. Das ist keine Taxizentrale oder eine Bürgerberatung. Bei echten Notfällen geht es teilweise um Sekunden, da kann man nicht noch groß ein System (bei Infarkten drücken Sie bitte die 1, bei Atemstörungen die 2, bei Verbrennungen die 3. Kennen Sie schon unsere freiwillige Feuerwehr? Für weitere Infos drücken Sie bitte die *-Taste) einführen.

Und was spricht dagegen, sich einfach in einer ruhigen Minute die entsprechenden Nummern raus zu suchen, sich diese auf zu schreiben und sie dann an passender Stelle auf zu bewahren? Das ist EIN (Singular) Blick ins Telefonbuch oder eine Google-Suche. Das ganze dauert maximal 2 Minuten.

Ein Beispiel (und ja: Gerade bei Feuerwehr/Rettungsdienst muss man sich die Hypothesen ansehen):
Sie sind daheim und entweder Sie oder ein Mitbewohner / Familienmitglied bekommt einen lebensbedrohenden Herzinfarkt. Sie wählen 112, brauchen dringenstens medizinische Hilfe, weil sonst jemand stirbt.
"Derzeit sind alle Plätze belegt, bitte haben Sie einen Augenblick Geduld" oder es ist einfach nur besetzt.
Gehen wir vom schlimmsten Fall aus: Die Person verstirbt, nicht weil er von vornherein nicht zu retten war, sondern weil Sie nicht sofort oder erst später zur Rettungsleitstelle durchgekommen sind und der Rettungswagen dadurch erst 10 Minuten später (plus die 8 Minuten Anfahrt, die er in der Regel sowieso hat) bei Ihnen ankommt.
Und warum das ganze? Weil zwischen 3:15 Uhr und 4 Uhr in der NACHT, für ganze 45 (!!!) Minuten der Strom ausgefallen ist.

Und es geht hier nicht um digital oder analog, sondern darum, dass in der Telefonleitstelle nicht unbegrenzt Bearbeitungsplätze und auch Personal - generell und auch speziell um diese Uhrzeit - vorhanden ist.

Wenn ich die Feuerwehr will -112, wenn die Polizei -110.
Ich will nicht überall die entsprechenden Nummern der Stationen suchen, die ja überall anders lauten, haben. Wir sind nicht mehr analog in den 1970-igern. Das ist für mein Verständnis eine Zentrale, meinentwegen sollen die eine Ansage vorschalten wie "bei Lebensgefahr 1" drücken, etc.

2 Kommentare

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