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Fr., 12.02.2016

Mehrere hundert Teilnehmer kommen zu Kundgebungen und Demonstrationszügen der AfD und des Bündnisses Paderbunt – neue AfD-Kundgebung im März angekündigt – mit Video Flüchtlingspolitik bringt Menschen auf die Straße

Demonstranten des Bündnisses Paderbunt zeigen, wofür sie einstehen.

Demonstranten des Bündnisses Paderbunt zeigen, wofür sie einstehen. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB). Das Thema Flüchtlingspolitik hat am Freitagabend sowohl Anhänger der »Alternative für Deutschland« (AfD) als auch die Gegendemonstranten des Bündnisses Paderbunt auf die Straße gelockt. Die AfD schätzte die Zahl ihrer Teilnehmer auf 1200 und kündigte für März die nächste Demonstration in Paderborn an. Die Polizei schätzt die Zahl der Kundgebungsteilnehmer auf etwa 500.

Paderbunt-Sprecher Reinhard Menne wiederum schätzte die Zahl der Teilnehmer an der Gegendemo, wie auch die Polizei, auf gut 1000.  Im Januar hatte Paderbunt die dreifache Zahl an Teilnehmern zu einer ähnlichen Veranstaltung mobilisieren können.

Die beiden Protestzüge näherten sich im Laufe des Abends an. Entsprechend laut wurde es in der City: Trillerpfeifen und Buh-Rufe waren zu hören. 

Starke Polizeikräfte trennten die beiden Lager, die sich vor allem am zentralen Westerntor sehr nahe kamen. Gitter wurden aufgestellt und so wurde ein 50 Meter breiter Sicherheitsstreifen geschaffen.

Stehen sich gegenüber: Die Anhänger der AfD (oben links im Bild) und Teilnehmer der Demonstrationen von Paderbunt. Foto: Jörn Hannemann

Im Riemekeviertel hatte sich eine Sitzblockade von laut Polizei etwa 60 Personen gebildet, um den Zug der AfD zu stoppen. Unter Polizeischutz zog die AfD eng vorbei – eine brenzlige Situation. Offenbar hatten Mitglieder der DGB-Jugend die Straße versperrt. 

Im Riemekeviertel kommt es zu einer Sitzblockade. Foto: Besim Mazhiqi

Ärgerlich ist der Abend für viele Fans des SC Paderborn ausgegangen. Die mussten nicht nur eine 0:4-Klatsche ihres Vereins verdauen, sondern kamen auch nicht über die Bahnhofstraße nach Hause. Die war wegen der Demo für Fußgänger und Autos gesperrt worden.

AfD-Kundgebung

Auf der Kundgebung der AfD vor der Herz-Jesu-Kirche warf AfD-Kreisvorsitzender Günter Koch Bürgermeister Michael Dreier (CDU) und Landrat Manfred Müller (CDU) vor, »ohne Legitimation die Herrschaft des Unrechts auszuüben«. »Sie haben nichts anderes zu bieten als immer neue Flüchtlinge.« Die Rufe »Merkel muss weg« und »Widerstand« wurden lauter.

Und Koch distanzierte sich von allen Extremisten – »besonders von den Grünen«.

Ein Mann hält ein Plakat bei der AfD-Kundgebung hoch. Foto: Besim Mazhiqi

Die AfD lehnt kategorisch ab, dass die Alanbrooke-Kaserne mit Flüchtlingen belegt werden soll. »Und mit unserer Meinung sind wir nicht allein«, sagte Koch.

Die Partei wollte sich nicht in die rechte Ecke stellen lassen. Verdächtige Fahnen lässt AfD-Kreisvorsitzender Günter Koch kurzerhand vom Versammlungsplatz an der Herz-Jesu-Kirche entfernen.

Die Polizei schätzte die Zahl der AfD-Teilnehmer bei der Kundegbung auf etwa 500. 

Vor der Herz-Jesu-Kirche, die unmittelbar neben dem Demonstrationsplatz der AfD liegt, brannten am frühen Abend Kerzen. Einige Gläubige beteten dort im Vorfeld der AfD-Kundgebung, die um 18.30 Uhr begann, den Rosenkranz.

Paderbunt am Bahnhof

Am Paderborner Bahnhof hatten sich am frühen Abend etwa 100 Demonstranten versammelt, die zusammen mit einem Zug vom Marienplatz aus eine gemeinsame Paderbunt-Demo bilden wollten. Sie zogen durch das Riemekeviertel zur Kundgebung »Das Riemeke rockt zusammen – Mit uns!«. Das Riemeke ist eines der ältesten Paderborner Wohnviertel. 

An der Bahnhofstraße hatten sich Polizisten hoch zu Ross in Stellung gebracht. Die Beamten der Bereitschaftspolizei waren ausgesprochen wachsam.

Demonstranten sammeln sich am Paderborner Hauptbahnhof Foto: Besim Mazhiqi

Das Bündnis Paderbunt plante sein Programm an drei verschiedenen Orten in der Innenstadt. 

Bühne am Theodorianum

Auf der Bühne »Geflüchtete und Unterstützer« auf dem Schulhof des Theodorianums wurde aus der Praxis berichtet. So stellte Claudia Pagel, Patin für Flüchtlinge aus Borchen, die Arbeit ihrer Gruppe vor.

Stefanie Kerstin (Paderbunt) machte deutlich: »Viele fangen an, mit dem Herzen zu sehen. Es gibt hier ein breit gefächertes Engagement für Flüchtlinge. Paderborn ist bunt – und es bleibt bunt!«

Nach Paderbunt-Angaben lauschten 200 Besucher den Statements. 

»Politische Bühne« am Rathaus

Auf der »Politischen Bühne« vor dem Rathaus ging es seit 18 Uhr darum, wie die Flüchtlingspolitik polarisiert und wie die Parteien sich zur AfD stellen. In einer Gesprächsrunde haben Bürgermeister Michael Dreier, Landrat Manfred Müller und ein Vertreter des Flüchtlingsrates über die Lage der Flüchtlinge in Paderborn und Perspektiven der Integration diskutieren.

Die Diskussionen auf der »Politischen Bühne« haben nach Paderbunt-Angaben 550 Zuschauer verfolgt.

Vor dem Rathaus sammeln sich Demonstranten Foto: Jörn Hannemann

Die Teilnehmer der Veranstaltungen auf der »Bühne für Geflüchtete« am Theodorianum und auf der »Politischen Bühne« am Rathaus zogen anschließend zum Treffpunkt ins Riemekeviertel. Angeführt wurden sie von »Paderbunt«-Sprecher Reinhard Menne.

Friedensgebet am Marienplatz

Laut Polizei 500 Teilnehmer hatten sich bereits um 17 Uhr am Marienplatz eingefunden, darunter auch Bürgermeister Michael Dreier und CDU-Kreischef Karl-Heinz Wange. Vertreter der in Paderborn beheimateten Religionen sprachen – darunter Dechant Benedikt Fischer (Katholische Kirche), der neue Superintendent Volker Neuhoff (evangelische Kirche), Emin Özel (Rat der Muslime) und Verani Kartum (Aleviten).

Zu Beginn gab es eine Schweigeminute für die Opfer von Tod und Gewalt.

Neuhoff bat Gott: »Verwandle Hetze, Hass und Gewalt in Gebet und Gespräch. Stärke die Einsicht, die Vorurteilen und Parolen mit Ehrlichkeit begegnet.«

Dechant Fischer erinnerte an die Nächstenliebe als Fundament eines gelingenden Lebens. Er bat um die Kraft der Liebe, Besonnenheit und Frieden.

Etwa 300 Menschen haben sich am Marienplatz versammelt. Foto: Jörn Hannemann

Ärgerlich für Paderbunt und AfD: Wieder hatten sich einige Vermummte unter die Demonstranten gemischt.

Einen Überblick der geplanten und bei der Polizei angemeldeten Aktionen gibt die Grafik. Foto: Patrick Sönel

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