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Mi., 18.10.2017

Veterinärbehörden in OWL gehen Anzeigen von Tierschützern nach Vorwürfe gegen Schweinehalter

Eines der 38 Fotos, die der Tierrechtsverein »Tierretter.de« veröffentlicht hat. Es soll in einem Betrieb im Kreis Höxter entstanden sein. Andere Bilder zeigen Schweine mit blutigen Bisswunden.

Eines der 38 Fotos, die der Tierrechtsverein »Tierretter.de« veröffentlicht hat. Es soll in einem Betrieb im Kreis Höxter entstanden sein. Andere Bilder zeigen Schweine mit blutigen Bisswunden.

Von Oliver Horst

Paderborn/Höxter/ Minden (WB). Aufregung um mutmaßliche Tierschutzverstöße von Schweinehaltern: Der Tierrechtsverein »Tierretter.de« erhebt gegen sechs Betriebe – darunter vier in OWL – konkrete Vorwürfe.

Die drei zuständigen Kreisbehörden in der Region bestätigten den Eingang entsprechender Anzeigen und Hinweise. Erste Betriebe, die allesamt an Westfleisch liefern sollen, wurden von den Veterinärbehörden überprüft.

Bei einem Betrieb im Kreis Paderborn seien Dienstagvormittag keine so schwerwiegenden Verstöße festgestellt worden, dass Maßnahmen zu veranlassen gewesen wären, sagt Kreissprecherin Michaela Pitz. »Es wird nun ergebnisoffen geprüft, ob rechtliche Schritte einzuleiten sind.« Das könnte bei Verstößen die Verhängung von Bußgeldern bis hin zur Einschaltung der Staatsanwaltschaft bedeuten. Ein zweiter Betrieb wurde gestern Nachmittag überprüft. Ergebnisse hierzu wurden noch nicht bekanntgegeben.

Betriebsbegehung im Kreis Höxter

Eine Betriebsbegehung unternahmen die Behörden auch im Kreis Höxter. Die Hinweise bezögen sich auf tierschutzrechtliche Verstöße, die mehrere Wochen zurückliegen, erklärt Kreissprecherin Silja Polzin. Ergebnisse der Überprüfung sollen am Mittwoch mitgeteilt werden.

Auch der Kreis Minden-Lübbecke äußerte sich noch nicht inhaltlich zur Kontrolle eines Betriebs. Die zwei weiteren Betriebe sollen im Kreis Warendorf und in Nordhessen liegen.

Ferkel in Kühltruhe

Der Tierrechtsverein spricht von Schweinen mit blutenden Verletzungen, kranken Tieren, einer Kühltruhe mit toten Ferkeln, Ställen ohne funktionierende Wasserversorgung und weiteren Mängeln. Er hat hierzu auch entsprechendes Bildmaterial veröffentlicht, dass im August und September in den Betrieben entstanden sei.

Es hätten sich ähnliche Zustände gezeigt, wie vor Monaten im Betrieb von NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (CDU). Sie geriet deshalb im Sommer massiv unter Druck, konnte aber glaubhaft machen, dass im fraglichen Zeitraum nicht sie, sondern ihr Mann für den Betrieb der Mastanlage verantwortlich gewesen sei.

Verband will Aufnahmen prüfen

Der Landwirteverband kritisiert den Tierrechtsverein für Stalleinbrüche. »Wir sind offen für Kritik und nehmen sie sehr ernst. Doch wir werden die Richtigkeit der Aufnahmen prüfen«, sagt Bezirksverbandsvorsitzender Hubertus Beringmeier. Es stehe auch die Frage im Raum, ob es um das Einwerben von Spendengeldern gehe. Das Wohlergehen der Tiere liege im Interesse jedes Tierhalters – auch aus wirtschaftlicher Sicht. »Die überwiegende Zahl der Bauern handelt vorbildlich.«

Der genossenschaftlich organisierte Fleischkonzern Westfleisch erklärte am Dienstagabend: »Die gezeigten Bilder machen uns tief betroffen. Wir nehmen die Vorwürfe gegenüber den Tierhaltern sehr ernst und gehen ihnen mit aller Entschiedenheit nach.« Westfleisch sei in engem Kontakt mit den betroffenen Landwirten, mit Veterinären und dem Branchen-Qualitätssicherungssystem QS.

Das NRW-Landwirtschaftsministerium ließ eine Anfrage dieser Zeitung unbeantwortet.

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