Mi., 24.01.2018

Neue Überlegungen in London wegen veränderter Sicherheitslage Behalten die Briten Sennelager?

Der Truppenübungsplatz Senne.

Der Truppenübungsplatz Senne. Foto: Jörn Hannemann

Von Christian Althoff

Paderborn (WB). Vor dem Hintergrund einer geänderten Sicherheitslage geben die britischen Streitkräfte ihre Liegenschaften in Nordrhein-Westfalen möglicherweise doch nicht ganz auf. Von entsprechenden Überlegungen berichtete General Nick Carter, Stabschef der britischen Armee, am Montagabend in London. Carter ist Architekt des Programms »Army 2020«, mit dem die britischen Streitkräfte international umstrukturiert werden sollen.

Nach der Annektion der Krim durch die Russen und der militärischen Intervention Russlands in der Ostukraine bewerten Militärs die Gefahr für die Nato-Ostflanke neu. In seinem Vortrag vor dem »Königlichen Institut der Vereinigten Streitkräfte für Verteidigungs- und Sicherheitsstudien« sagte der General, Schnelligkeit sei ein Punkt, an dem die Nato besser werden müsse.

Briten sollten Normandy-Kaserne 2019 verlassen

Die britische Armee stelle sich darauf ein, Entfernungen von 2000 Kilometern auf Straßen und Schienen schnellstmöglich zu überwinden. Dazu gehörten Vorposten, in denen Ausrüstung gelagert werden könne.

Carter nannte die Ayrshire-Kaserne in Mönchengladbach-Rheindahlen, wo Fahrzeuge vorgehalten werden könnten, und Paderborn-Sennelager – das wäre die 250 Hektar große Normandy-Kaserne, die zu weiten Teilen auf dem Truppenübungsplatz Senne liegt. Dort könnten nach Angaben des Generals nicht nur Trainings stattfinden, dort könnten auch Schwertransporter, Munition und andere Ausrüstung untergebracht werden.

Ursprünglich war vorgesehen, dass die Briten die Normandy-Kaserne 2019 verlassen. Die Bundeswehr hat das Erstzugriffsrecht auf die Weiternutzung.

Noch leben 4000 britische Soldaten in Deutschland

Mike Whitehurst, Sprecher der britischen Streitkräfte in Deutschland, sagte dem WESTFALEN-BLATT, ob Liegenschaften nun doch zurückgehalten würden, entscheide sich spätestens im Sommer. »Der Truppenabzug aus Deutschland ist davon aber nach derzeitigem Stand nicht betroffen und liegt voll im Plan.«

 Bis 2020 sollen fast alle britischen Soldaten Deutschland verlassen haben . Zurück bleiben nur noch kleinere Einheiten, wie die etwa 80 britischen Pioniere, die zusammen mit Bundeswehrpionieren in der Mindener Herzog-von-Braunschweig-Kaserne stationiert sind. Mike Whitehurst: »Das sind die einzigen Pioniere in der Nato, die Brückenlegepanzer haben.«

Die Briten hatten einmal 70.000 Soldaten in Deutschland, heute leben hier noch 4000 Soldaten und ebenso viele Angehörige. Der Abzug war vor allem aus finanziellen Gründen beschlossen worden.

Um die Beweglichkeit der britischen Truppen zu erhöhen, will die Army deutsche Erfahrung nutzen. General Carter sagte, in den 40er Jahren hätten die deutschen Panzer Anhänger gezogen, auf denen Fahrzeuge standen. »Das probieren wir im Herbst aus, wenn wir zum Nato-Manöver nach Norwegen verlegen.«

Die Rede des Generals gibt es hier .

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