HNF gräbt skurrile Geräte und Flops aus dem Depot aus
Museale Grubenfahrt

Paderborn (WB). Tief gebuddelt hat das Heinz-Nixdorf-Museumsforum für seine neue Sonderausstellung »Digging Deep«. Besucher können bis zum 5. August in die Anfänge der modernen Computertechnik abtauchen.

Freitag, 23.02.2018, 11:25 Uhr aktualisiert: 23.02.2018, 16:56 Uhr
Ausstellungskurator Dr. Christian Berg hat zahlreiche damals als fortschrittlich geltende, heute aber eher skurril anmutende Objekte aus dem Museumsarchiv ausgegraben, die noch nie gezeigt wurden. Foto: Besim Mazhiqi
Ausstellungskurator Dr. Christian Berg hat zahlreiche damals als fortschrittlich geltende, heute aber eher skurril anmutende Objekte aus dem Museumsarchiv ausgegraben, die noch nie gezeigt wurden. Foto: Besim Mazhiqi

Eine Spitzhacke und eine Grubenlampe braucht man bei der Einfahrt in den Museumsstollen zwar nicht. Ansonsten aber wirkt in der gestern eröffneten Schau alles so, als würde man mit der Grubenbahn in den Stollen einfahren. In sechs von der Mediengestalterin Michaela Wecker künstlerisch inszenierten Höhlen begegnet der »Bergwerks«-Besucher Fundstücken aus der noch jungen Computergeschichte.

»Wir haben tief gegraben und sind auf sechs Kammern gestoßen, die wir freilegen konnten«, bringt HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff die Idee auf den Punkt, einmal noch nie gezeigte Exponate aus dem Museumsdepot zu zeigen, in dem rund 20.000 Exponate lagern – vier Mal so viel, wie in der Dauerausstellung des Hauses präsentiert werden können. Ins bewusst fahle Licht der Sonderschau gerückt wurden vor allem Produkte, denen auf dem Weltmarkt kein Erfolg beschieden war und die deshalb weitgehend in Vergessenheit geraten sind. »Wir haben nach spannenden Objekten gesucht, die nicht dem Erzählstrang unserer Dauerausstellung entsprechen», sagt Ausstellungskurator Dr. Christian Berg.

Medientechnickerin und -gestalterin Michaela Wecker spiel Space-Invaders an einem Röhrenfernseher.

Medientechnickerin und -gestalterin Michaela Wecker spiel Space-Invaders an einem Röhrenfernseher. Foto: Besim Mazhiqi

Sechs verschiedene Themenräume

In den sechs farblich nach Bodenschätzen wie Gold und Silber, Kupfer und Kobalt gestalteten und mit Metallfolien ausgekleideten Themenräumen geht es zum einen um zukunftsweisende Objekte, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht durchsetzen konnten, zum anderen in einer Schrott-Halle um skurrile Entwicklungen und komplette Flops wie der zwar fortschrittliche, mit 30.000 D-Mark aber viel zu teure Apple-Computer »Lisa«. Nicht alles konnte wieder funktionsfähig gemacht werden. Viehoff: »Die alte Lisa läuft zwar, aber sie riecht dann komisch.«

In einem der Kabinette finden sich die gläsernen Computer und Telefone, die der Paderborner Computerpionier Heinz Nixdorf in den achtziger Jahren für Messen und Schaupräsentationen hatte anfertigen lassen. Hier kann der Besucher an einer Medienstation auch im persönlichen Nixdorf-Archiv mit Fotos, Tonaufnahmen und Dokumenten stöbern.

Zu den Schätzchen aus dem Museumsdepot zählt auch eine englische Schreibmaschine von 1892 mit dreireihiger halbrunder Tastatur, die HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff zeigt. Sie ist eines der »Goldstücke« der Sonderausstellung.

Zu den Schätzchen aus dem Museumsdepot zählt auch eine englische Schreibmaschine von 1892 mit dreireihiger halbrunder Tastatur, die HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff zeigt. Sie ist eines der »Goldstücke« der Sonderausstellung. Foto: Besim Mazhiqi

Ein weiterer Raum ist den Computerentwicklungen des damaligen Ostblocks gewidmet. Zu sehen ist unter anderem der Ein-Megabit-Chip aus DDR-Produktion, mit dem der Honecker-Staat Anschluss an den Weltmarkt gewinnen wollte. Schließlich können PC-Nostalgiker in einer Retro-Abteilung noch einmal alte Computerspiele wie TV-Tennis, Super-Mario und Pacman ausprobieren.

Der Besuch der Ausstellung im dritten Obergeschoss des HNF ist kostenlos. Jeweils sonntags um 16 Uhr gibt es außerdem Gratis-Führungen.

 

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