Mo., 12.03.2018

Kommentar zur Paderborner Bahnhofsbrücke Drei Jahre sind zuviel

Die Bahnhofsbrücke in Paderborn ist marode. Nur noch bis 2019 gilt die Betriebserlaubnis. Fotos: Jörn Hannemann

Die Bahnhofsbrücke in Paderborn ist marode. Nur noch bis 2019 gilt die Betriebserlaubnis. Fotos: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Bis dass der TÜV uns scheidet: Was für Autos gilt, gilt eben auch für Brückenbauwerke. Seit dem Jahr 2007 zeichnet sich ab, dass die Halbwertszeit der stark belasteten Bahnhofsbrücke unaufhaltsam näher rückt. 2019 ist es soweit: Dann läuft nach Angaben der Stadt Paderborn die Betriebserlaubnis ab.

Varianten wurden untersucht und Überlegungen für eine Untertunnelung sind betrieben worden. Bislang war das Projekt allerdings ganz viel blanke Theorie und für die Menschen in dieser Stadt sowie etliche Pendler in weiter Ferne. Auch für die Bauverwaltung, die sich in der Zwischenzeit in der Stadt um andere Großprojekte gekümmert hat. Stichwort: Königsplätze und Marktplatz. Doch der geplante Brückenneubau in Paderborn kommt bedrohlich näher. Mitte 2019 soll es losgehen.

Interessengemeinschaft ergreift Initiative

Wie ernst die Bewohner gerade im Riemeke-Viertel die zu befürchtenden Auswirkungen sehen, hat am Dienstagabend die Bürgerversammlung gezeigt. 150 Besucher wurden erwartet, 500 sind gekommen.

Die Initiative dazu ist übrigens nicht von der Stadt ausgegangen, sondern von der Interessengemeinschaft Das Riemeke. Die Verwaltung hatte die Bürgerinfo für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen, heißt es. Der Grund: Viele Fragen könnten noch nicht beantwortet werden, erklärte die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke.

Dass die Interessengemeinschaft trotzdem an der Versammlung festgehalten hat, ist positiv. Die Veranstaltung war ein erster Auftakt, um die Bürger mit der Thematik vertraut zu machen. Dass die Betroffenen dennoch nicht zufrieden nach Hause gegangen sein dürften, liegt in der Natur der Sache. Den Organisatoren ist aber Respekt auszusprechen, weil sie die Versammlung professionell, sachlich und »ohne Schaum vorm Mund« – wie es manchmal bei anderen Themen zu erleben ist – durchgeführt hat.

Das Optimum für Paderborn herausholen

Ohne Frage: Den Neubau und die damit verbundene Vollsperrung möchte niemand. Es ist kein Prestigeprojekt, mit dem man punkten kann oder die Stadt optisch aufwertet. Trotzdem gibt es keine andere Lösung, weil auch in den nächsten Jahren nicht mit einer spürbaren Entlastung des Individualverkehrs zu rechnen ist – auch wenn das aus klimapolitischen Gesichtspunkten dringend notwendig wäre.

Verwaltung, Bahn und Politik müssen den Mut aufbringen, in den nächsten Monaten die komplette Planung kritisch und sehr genau zu prüfen, um das Optimum für Paderborn herauszuholen. Das gilt für die Trassenführung, aber auch für die Bauzeit. Drei Jahre sind deutlich zu viel – für Anwohner, Pendler und die Händler in der City. Da darf der letzte Euro bei den Baukosten nicht das Kriterium für Entscheidungen sein.

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