Der Vater der seit 1981 vermissten Katrice Lee glaubt, dass seine Tochter noch lebt
»Ich hoffe, sie finden nichts«

Paderborn (WB). Bunte Bänder unterteilen das Ufer der Alme in kleine, nummerierte Parzellen. Britische Soldaten hacken den kiesreichen Boden auf und schaufeln ihn in graue Plastikkisten . In der Nähe steht ein grauhaariger, älterer Mann. Er schaut zu und sagt: »I hope, they’ll find nothing.«

Freitag, 04.05.2018, 15:57 Uhr aktualisiert: 04.05.2018, 16:58 Uhr
Mit Stangen und Bändern sind Parzellen am Almeufer markiert, aus denen Soldaten Erde in Plastikkisten schaufeln Foto: Jörn Hannemann
Mit Stangen und Bändern sind Parzellen am Almeufer markiert, aus denen Soldaten Erde in Plastikkisten schaufeln Foto: Jörn Hannemann

Suche nach Katrice Lee geht weiter: Pressekonferenz der britischen Militärpolizei

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Der Mann heißt Richard Lee. Er ist 68 und war als junger Mann in Paderborn stationiert.  Lee lebte mit seiner Frau Sharon und den Töchtern Natasha und Katrice ein Leben wie tausende andere Soldaten der Rheinarmee. Bis zum zweiten Geburtstag der jüngeren Tochter Katrice.

Eltern kennen das: Auf einmal hat man im Gedränge sein Kind aus den Augen verloren. Es folgen Sekunden oder Minuten des Bangens, und man spürt die Panik wachsen. Plötzlich ist das Kind wieder da, und mit ihm nie gekannte Erleichterung – ein Gefühl, das die Lees seit fast vier Jahrzehnten nicht mehr kennen.

Einkauf für Katrice’ Geburtstagsparty

Am 28. November 1981 fuhr die Familie zum Armee-Supermarkt nach Paderborn-Schloß Neuhaus, um für Katrice’ Geburtstagsparty einzukaufen. Weil der Parkplatz voll war, blieb Richard Lee im Wagen. Sharon Lee, ihre Schwester Wendy und die kleine Katrice gingen in den Markt. Der Einkauf lag bereits auf dem Kassenband, als die Mutter bemerkte, dass sie Kartoffelchips vergessen hatte und sich noch einmal durch den rappelvollen Markt kämpfte. Als sie zurückkam, war Katrice verschwunden. Auch ihre Tante hatte nichts gesehen – sie hatte an der Kasse gewartet und angenommen, die Kleine sei ihrer Mutter gefolgt.

Fast 37 Jahre später überwacht eine britische Archäologin die Ausgrabungen am Paderborner Almeufer . Der Aushub wird in ein Maschine gefüllt, die die Erde herauswäscht und größere Teile übriglässt. Richard O’Leary, der die Ermittlungen leitet, spricht von Beweisen, die man suche. Richard Lee weiß, dass er Knochen meint.

Seit Montag graben die Briten, und nun ist Richard Lee gekommen und mit ihm etliche Reporter aus Großbritannien und der Parlamentsabgeordnete Mike Hill. Der Fall ist im Vereinigten Königreich auch ein Politikum, denn Richard Lee wirft der Militärpolizei schlampige Arbeit vor. Die deutsche Kripo halte er für fähig, sagt er, aber sie habe den Fall damals zu schnell den Briten überlassen.

Nicht ernsthaft als Kriminalfall behandelt

Weil die Militärpolizei 1981 annahm, Katrice sei in der Nähe des Supermarkts in der hochwasserführenden Lippe ertrunken, wurde die Sache nicht ernsthaft als möglicher Kriminalfall behandelt. Das Phantombild eines Mannes, der damals am Supermarkt ein Kind in ein grünes Auto gepackt haben soll, wurde von den Briten nicht an die Presse weitergegeben. Und auch die Aussage eines Zeugen, der am Tag darauf ein grünes Auto an der Alme gesehen haben wollte, vergilbte in den Akten – bis sich die Militärpolizei jetzt entschloss, dieser Spur nach fast 37 Jahren doch noch nachzugehen. Sie sucht deshalb jetzt an der Alme, und sie überprüft 495 Briten und Deutsche, von denen sie weiß, dass sie 1981 im Raum Paderborn ein grünes Auto gefahren haben.

»Ich habe nie geglaubt, dass Katrice ertrunken ist«, sagt Richard Lee. Er sei damals die Lippe abgegangen und habe in Sperrgittern einen toten Hund, eine tote Katze und eine tote Kuh entdeckt. »Aber nicht unsere Tochter.«

Mutter, Vater und die fünf Jahre ältere Schwester klammern sich an die Hoffnung, dass Katrice entführt wurde – vielleicht von einem kinderlosen Ehepaar. »Wenn das so sein sollte, wollen wir sie nicht aus dieser Familie zerren. Alles, was wir wollen, ist Klarheit.« Das Leben sei seit 1981 ein Albtraum, sagt Lee. »Damals wurde ein Stück aus unserer Familie gerissen. Die Grabungen in Paderborn – sie sind wie Salz in dieser Wunde.«

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