Grandiose Aufführung der Mozart-Oper »Cosi fan tutte« in der Paderhalle
Parabel über die Verführbarkeit

Paderborn (WB). Mit einer überzeugend gelungenen Aufführung der Mozart-Oper »Cosi fan tutte« beendete das Landestheater Detmold die Musiktheatersaison des Kulturamtes in der Paderhalle.

Freitag, 15.06.2018, 11:08 Uhr aktualisiert: 15.06.2018, 11:10 Uhr
Das Detmolder Landestheater verfügt über brillante Gesangssolisten. Hier eine Szene mit (von links) Ferrando (Steven Chambers), Fiordiligi (Megan Marie Hart), Don Alfonso (Michael Zehe), Guglielmo (Insu Hwang) und Dorabella (Lotte Kortenhaus). Foto: Birgit Hupfeld
Das Detmolder Landestheater verfügt über brillante Gesangssolisten. Hier eine Szene mit (von links) Ferrando (Steven Chambers), Fiordiligi (Megan Marie Hart), Don Alfonso (Michael Zehe), Guglielmo (Insu Hwang) und Dorabella (Lotte Kortenhaus). Foto: Birgit Hupfeld

Das lange Zeit als unrealistisch angesehene und damit missverstandene Libretto von Lorenz da Ponte dürfte die Aufführungsgeschichte dieser Oper nachhaltig beeinträchtigt haben. Nimmt man das Sujet hingegen als Parabel von den »Ursituationen menschlichen Liebens«, dann erschließt sich die Handlung der Oper einer nachvollziehbaren Sichtweise.

Der zynisch agierende Don Alfonso (Andreas Jören, Bariton) verleitet die zwei jungen Offiziere Guglielmo (Insu Hwang, Bariton) und Ferrando (Stephen Chambers, Tenor), die von der Treue ihrer Bräute Fiordiligi (Megan Marie Hart, Sopran) und deren Schwester Dorabella (Lotte Kortenhaus, Mezzosopran) zutiefst überzeugt sind, zu einem diabolischen Handel heraus. Er wettet mit Hilfe der lebenstüchtigen und emanzipierten Zofe Despina (Katharina Ajyba, Sopran), dass die Frauen, sobald die Männer scheinbar in den Krieg gezogen sind, sich schnell anderen Männern zuwenden, so wie es angeblich alle tun: cosi fan tutte.

Brisante Konstellationen und Irritationen

Somit entwickeln sich brisante Konstellationen und Irritationen, in dem die Männer, inkognito als »Albanier« verkleidet, die Braut des jeweils anderen Freundes verführen. Am Ende steht die bittere Erkenntnis, dass die vermeintlich gewonnene Wette für alle eine schmerzliche »Schule der Liebenden« bedeutet und dass der Untreue der Frauen eine äußerst fragwürdige Test-Moral der Männer gegenüber steht. Somit wird Mozarts Oper im Kontext der Aufklärung wie auch der Französischen Revolution zu einem musikalischen Zeugnis bedeutender, historischer und gesellschaftlicher Veränderungen.

Die Inszenierung (Holger Potocki) griff diese Zeitenwende geschickt auf, indem sie die beiden Schwestern auf der Bühne eher getrennt agieren ließ: Fiordiligi als Frau des Rokoko und Dorabella als Frau der Moderne. Damit wurde zugleich die überzeitliche Dimension dieser Oper spürbar. Überhaupt wirkten Bühnenbild, Ausstattung und Beleuchtung gelungen und durchdacht.

Musikalische Mammutleistung

Das Ensemble der sechs Gesangssolisten konnte schauspielerisch wie auch gesanglich brillant überzeugen. Als geschickt erwies sich auch das Wechselspiel mit der Zuordnung der Stimmlagen im Verlauf der Partnerwechsel. Das Symphonische Orchester des Landestheaters Detmold bewältigte unter dem Dirigat von György Mészáros die musikalische Mammutleistung mit Bravour und zeigte sich erneut als sensibler Begleiter. Obendrein ließ es sich das Orchester nicht nehmen, die Handy-Klingeltöne von Alfonso, dem Wandler zwischen den Welten der Opernhandlung, humorvoll zu imitieren.

»Cosi fan tutte« – oder sollte man angesichts des Versagens auch der Männer besser »Cosi fan tutti« sagen – zeigte sich auch in dieser Aufführung als ein geistreiches, komplexes und psychologisch tiefsinniges Werk, dessen Inhalt sich nicht oberflächlich erschließt und dessen Musik schlichtweg genial ist.

Umso mehr hätte man dieser erfreulichen und wohlüberlegten Aufführung mehr Besucher gewünscht.

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