Do., 05.07.2018

Priesterkreis lehnt Zulassung von Protestanten zur Kommunion in Ausnahmefällen ab Konservative kritisieren Erzbischof

Der Dom in Paderborn.

Der Dom in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB/bex). Ein kleiner Kreis konservativer Priester im Erzbistum Paderborn kritisiert die Ankündigung von Erzbischof Hans-Josef Becker, in Einzelfällen protestantische Ehepartner zur Kommunion zuzulassen . Der im Februar in Paderborn von zehn Geistlichen gegründete Priesterkreis »Communio veritatis« (Gemeinschaft der Wahrheit) hält dieses Ansinnen für »unannehmbar«.

In einer ganzseitigen Erklärung verweisen die Priester unter anderem auf das Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche. Darin heiße es: »Um die heilige Kommunion zu empfangen, muss man der Katholischen Kirche voll eingegliedert sein und sich im Stand der Gnade befinden.« »Dieses Thema geht uns Priester zutiefst an. Wir müssen den Menschen gerecht werden«, meint Pastor Frank Unterhalt. Der gebürtige Bürener (47), der dem Priesterkreis angehört, ist seit 2011 Pastor im Pastoralverbund Brilon. Da das Erzbistum sich in der Kommunionfrage öffentlich geäußert habe, habe man ebenfalls den Weg der Öffentlichkeit gewählt, erläutert Unterhalt.

Ausnahme für Kommunion nur in Notlagen

Es gehöre zum Wesen des Protestantismus, nicht den vollen katholischen Eucharistieglauben zu haben, heißt es in der Erklärung mit Verweis auf die »Enzyklika ­Ecclesia de Eucharistia« von Papst Johannes Paul II. Nichtkatholische Christen könnten laut Kodex des kanonischen Rechtes die Kommunion nur in extremen Notlagen empfangen. Der Priesterkreis sieht dies aber erst bei Krieg, Verfolgung, Deportation oder Naturkatastrophen gegeben. Zudem müsse ein Protestant in einer echten Notlage »zunächst zum Bußsakrament geführt werden«, um von »schwerer Sünde« frei zu sein. Das Erzbistum wollte die Erklärung des Priesterkreises »Communio veritatis« nicht kommentieren.

Wie berichtet soll im Erzbistum Paderborn, in dem fast 1000 Priester tätig sind, evangelischen Gläubigen mit katholischem Ehepartner ein Weg pastoraler Begleitung offenstehen, »auf dem im Einzelfall ein Kommunionempfang möglich werden kann«, hatte Erzbischof Becker erklärt. »Konfessionsverbindende Ehepaare und Familien liegen uns ebenso am Herzen wie die Ökumene.«

In den Bistümern Aachen und Münster sollen ebenfalls konfessionsverbindende Ehepaare im Sinne der jüngst veröffentlichten Orientierungshilfe bei einer gemeinsamen Gewissensentscheidung von Geistlichen begleitet werden. Im Bistum Essen gibt es noch keine offizielle Position. Ein Sprecher erklärte, Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sei aber bekanntermaßen ein Befürworter der Orientierungshilfe. Das Erzbistum Köln äußerte sich nicht zum Umgang mit dem Papier.

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