Do., 09.08.2018

Interview mit der Beigeordneten Claudia Warnecke zu Paderborner Bauprojekten »Zentralstation wird nicht so bleiben«

Auch wenn ein großer Teil der Königsplätze schon fertig ist, so wird zwischen dem Modehaus Klingenthal und der Galeria Kaufhof noch kräftig gebuddelt. Für die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke ist es eine von vielen Baustellen in Paderborn.

Auch wenn ein großer Teil der Königsplätze schon fertig ist, so wird zwischen dem Modehaus Klingenthal und der Galeria Kaufhof noch kräftig gebuddelt. Für die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke ist es eine von vielen Baustellen in Paderborn. Foto: Jörn Hannemann

Paderborn (WB). Neben dem Bahnhofsneubau und der Brücke an der Bahnhofstraße gibt es noch eine Reihe weiterer Großprojekte in der Stadt. Königsplätze II, Konversion und Busbahnhof bereiten ihr aber keine schlaflosen Nächte, sagt die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke im Gespräch mit Redakteurin Maike Stahl.

Hatten Sie in Ihrer Zeit als Technische Beigeordnete jemals eine solche Dichte an Großprojekten parallel?

Claudia Warnecke: Von der Anzahl her ist es derzeit schon sehr viel. Ein paar der Projekte, die jetzt konkret anstehen, haben aber natürlich auch eine Vorgeschichte, die uns schon länger beschäftigt, wie der Neubau Hauptbahnhof. Und wir haben in den vergangenen Jahren auch sehr große Projekte umgesetzt, wie den Markt- und Domplatz. Die Königsplätze sind ein besonderes Projekt – nicht nur weil sie vom Investitionsvolumen her das Herzstück des Integrierten Handlungskonzeptes bilden, sondern auch weil es so viele Beteiligte und damit entsprechend viel Abstimmungsbedarf gibt. Dazu kamen nicht vorhersehbare Probleme durch das Umbauen im Bestand, die gelöst werden müssen. Das war ein sehr, sehr hohes Anspruchsniveau, das uns gestählt hat für die kommenden Aufgaben. Aber die Königsplätze II werden sicherlich ähnlich anspruchsvoll.

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Dann kommen zum Teil gar keine Angebote oder Summen, die wir nicht zu zahlen bereit sind

Claudia Warnecke

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Ist das mit dem vorhandenen Personalbestand überhaupt zu bewältigen oder müssen Sie aufstocken, wenn es jetzt in die Bauphase geht?

Warnecke: Wir haben, wenn ich zum Beispiel das Straßen- und Brückenbauamt betrachte, im Verhältnis relativ wenig zusätzliches Personal eingestellt. Etwas aufstocken mussten wir allerdings, weil wir in den vergangenen Jahren etwa 150 Hektar Fläche in die Entwicklung gebracht haben, wie das Gewerbegebiet Barkhauser Straße und die großen neuen Wohngebiete. Dazu kommt noch das Alanbrooke-Gelände. Was wir zusätzlich brauchen – das betrifft auch den Neubau Brücke Bahnhofstraße – ist eine Projektsteuerung für die komplexen Projekte. Das ist zum einen intern jemand, daneben aber eine externe Koordination. Für das interne Know How setzen wir gerne Kollegen ein, die schon ein bisschen etabliert sind und das Haus kennen. Die neuen Kräfte, die dazu kommen, werden dann vor allem für die Standardmaßnahmen gebraucht, die ja auch weiter laufen.

Finden Sie noch genügend qualifizierte Mitarbeiter?

Warnecke: Das ist wirklich schwierig. Wir können vorrangig Mitarbeiter gewinnen, die relativ frisch aus der Ausbildung kommen. Zum Teil versuchen wir auch, über Werkstudenten schon potenzielle Mitarbeiter an die Bauverwaltung heranzuführen.

Ähnlich eng ist es auf dem Bau mit entsprechend steigenden Preisen und Termindruck. Was bedeutet das für die städtischen Bauprojekte?

Warnecke: Bei Ausschreibungen außerhalb des direkten Innenstadtbereichs, zum Beispiel im Bereich des Gewerbegebietes Barkhauser Straße, bekommen wir durchaus mehrere Angebote, die unserer Kalkulation entsprechen. Wenn es dann aber in den Innenstadtbereich geht, und die Maßnahmen vom Umfeld her für die Unternehmen aufwändiger und anspruchsvoller werden, merkt man, dass sie sich zurzeit die Aufträge aussuchen können. Dann kommen zum Teil gar keine Angebote oder Summen, die wir nicht zu zahlen bereit sind. Dann heben wir auch schon mal eine Ausschreibung auf, im Straßenbau zum Beispiel, wenn das Angebot rund 25 Prozent über den von uns kalkulierten Kosten liegt. Ob wir eine Maßnahme verschieben können, hängt vom Gesamtkontext ab. Manche Ausschreibung ist Teil eines Gesamtpakets und damit eben auch nicht aufschiebbar.

Gibt es ein aktuelles Beispiel, wo Sie noch auf akzeptable Angebote warten?

Warnecke: Einen barrierefreien Haltestellenumbau haben wir jetzt tatsächlich schieben müssen.

Wir sitzen gerade nicht weit entfernt im Technischen Rathaus, dessen Tage ebenfalls gezählt sind. Wann ziehen Sie an den Hoppenhof und wie geht es an den verschiedenen Verwaltungsstandorten weiter?

Warnecke: Wir ziehen in der zweiten Jahreshälfte 2019 in den Hoppenhof um. Das Gebäude hier wird dann aber zunächst noch von Kollegen vom Abdinghof weiter genutzt, wenn dort gebaut wird. Diese Baumaßnahmen koordiniert das Gebäudemanagement. Als Technisches Rathaus sind wir dann konkret wieder von den Planungen für den Marienplatz betroffen, der sich im Zuge des Stadthaus-Baus deutlich verändern wird.

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Ich rechne damit, dass die Kaufsumme noch in diesem Jahr feststeht, damit der Rat endgültig über einen Kauf entscheiden kann

Claudia Warnecke

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Wann wird bekannt gegeben, welcher Entwurf aus dem Wettbewerb für die neue Stadtverwaltung am Marienplatz umgesetzt wird?

Warnecke: Direkt nach der Sommerpause soll die Vergabe stattfinden. Im Verhandlungsverfahren wurde anhand der öffentlichen Bewertungsmatrix noch einmal gewichtet, und daraus ergibt sich jetzt das konkrete Angebot.

Thema Konversion: Hat die BIMA inzwischen einen Kaufpreis für das Gelände der Alanbrooke-Kaserne genannt?

Warnecke: Wir sind noch in der Phase der Wertermittlung durch den gemeinsam mit der BIMA beauftragten Gutachter. Dann folgt die Vertragsverhandlung. Ich rechne damit, dass die Kaufsumme noch in diesem Jahr feststeht, damit der Rat endgültig über einen Kauf entscheiden kann.

Ist Ihnen ein kleiner Stein oder auch ein dicker Brocken vom Herzen gefallen, als klar war, dass die Normandie-Kaserne und die Athlone-Kaserne weiter genutzt werden und damit im Konversionsprozess zurückgestellt werden können?

Warnecke: Das kann ich so nicht sagen. Aber ich bin froh, dass jetzt definitiv feststeht, wie es für Sennelager weitergeht. Diese relativ lange Unklarheit war für die Bürger, aber auch für uns als Verwaltung schwierig, weil wir Sennelager eine neue Perspektive geben wollen. Jetzt wissen wir, was möglich ist oder eben auch nicht. Ich hoffe immer noch, dass es gelingt, zumindest einen geringen Grundstücksstreifen zu erhalten, um die Verkehrssituation in Hinblick auf den Geh- und Radweg zu entspannen. Denn der ist durch das Wurzelwachstum der sehr schönen Platanen im Moment stark beeinträchtigt. Wenn man zumindest dafür eine gute neue Lösung finden würde, wäre das schon ein Vorteil.

Dass die Kaserne noch weiter zurück rückt, bleibt aber utopisch?

Warnecke: Man wird hoffentlich etwas Raum gewinnen, aber ob es eine Entwicklungsfläche geben kann, die zivile Nutzungen zwischen Straße und Kaserne zulässt, ist fraglich.

Also wird der Charakter von Sennelager im großen und Ganzen erhalten bleiben?

Warnecke: Ja. Bei den vorbereitenden Untersuchungen zur Ermittlung der Sanierungsbedarfe, die nach der Sommerpause vorgestellt werden sollen, konzentrieren wir uns deshalb auch auf das Gelände außerhalb der Kaserne. Klar, es ist jetzt erst einmal eine Aufgabe weniger. Aber wir müssen das Konversionsteam in diesem Jahr ohnehin aufstocken. Wir brauchen einfach mehr Personal in den damit befassten Ämtern.

Aber Sie wollen die Konversion intern bearbeiten? Andere Kommunen haben externe Büros mit der Entwicklung beauftragt oder Entwicklungsgesellschaften gegründet.

Warnecke: Derzeit wird alles verwaltungsintern bearbeitet, und die Fachämter sehen das auch unproblematisch – auch weil wir anders aufgestellt sind als viele andere Kommunen. Es gibt wenige Städte, die so große neue Baugebiete selbst entwickeln. Wir können dagegen auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen und sind darauf sehr gut vorbereitet. Aber man muss natürlich gucken, wie weit wir damit gehen können. Bei der Alanbrooke-Kaserne liegt uns beispielsweise viel daran, dass wir ein urbanes Stadtquartier im Sinne einer Riemeke-Erweiterung entwickeln. Da ist es natürlich ein Riesenvorteil, wenn wir selbst die Grundstücke vergeben.

Kommen wir zu den Königsplätzen und dem neuen Busbahnhof: Wie geht es weiter?

Warnecke: Die neue Zentrale Haltestelle (ZOH), steht mit der Vorplanung. Wir brauchen aber zwingend auch die Königsplätze II, die Bestandteil des neuen Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes sind. Nur in der Bearbeitung dieser Kombination wird am Ende ein ganzheitliches Projekt daraus. Die Wege von der neuen ZOH in die Innenstadt muss man mit überprüfen. Es war klar, dass wir bis zur Westernmauer weitergehen und Brückengasse, Alte Torgasse sowie die Verbindungen auf der Fußgängerebene ebenfalls revitalisieren.

Wie stellen Sie sich das künftige Eingangstor von der ZOH zu den Königsplätzen vor, wo die Stadt bereits einen Gebäudeteil erworben hat?

Warnecke: Wir haben den Bereich erworben, in dem das Savoy untergebracht war. Da wollten wir die Hand drauf haben und über die Nachnutzung entscheiden. Und wir wollen eben auch – soweit das als Miteigentümer möglich ist – darauf hinwirken, dass der Durchgang in dem Bereich aufgewertet wird. Für die ZOH an der Westernmauer wollen wir Anfang 2019 den Förderantrag einreichen und eine Planung erarbeiten, damit es 2020 losgehen kann.

Bis dahin sollte dann auch die Zukunft des alten Busbahnhofs geklärt sein.

Warnecke: Weil wir einen attraktiven ÖPNV brauchen, und der alte Busbahnhof als zentrale Haltestelle nicht geeignet war, hat die Politik den Beschluss für die neue ZOH an der Westernmauer gefasst, obwohl noch nicht feststeht, was im Bereich der alten Zentralstation passiert. Erste Priorität hat eine Nachnutzung mit Einzelhandel, am liebsten einem Nahversorger. Aber das ist eine komplizierte Projektentwicklung wegen der vielen Eigentümer und Anforderungen. Wir haben mittlerweile vieles bereits geprüft und festgestellt, dass es keine K.o.-Kriterien gibt, vom Grundsatz her eine solche Nachnutzung also möglich wäre. Es kann allerdings immer noch passieren, dass neue Sachverhalte auftauchen, die am Ende für Investor oder Betreiber doch ein K.o. bedeuten. Aber im Moment sieht es einigermaßen gut aus. Wir haben uns vorgenommen, dass wir bis Ende des Jahres sagen können, ob es funktioniert oder nicht. Sollte es nicht funktionieren, wird es eine Umgestaltung gebe. Der Bereich wird auf keinen Fall so bleiben.

Haben Sie ein Lieblingskind unter den Projekten?

Warnecke: Mein Lieblingskind ist die Flusslandschaft Pader als Nationales Projekt des Städtebaus. Ein Teil davon ist die Maspernpader, wo auch die Paderborner, jetzt merken, wie toll es wird. Ich bin begeistert, wie der Bereich angenommen wird. Diese Quelllandschaft mitten in der Innenstadt ist für Paderborn wirklich ein Alleinstellungsmerkmal.

Welches Vorhaben bereitet Ihnen schlaflose Nächte?

Warnecke: Schlaflose Nächte zum Glück nicht. Aber die berechtigte Diskussion über die Erneuerung der Brücke Bahnhofstraße weist für uns auf ein großes Themenfeld hin: nämlich Mobilität. Paderborn wächst weiter, wir wollen weiter attraktiv sein für unser Umland, die Leute wollen weiter von A nach B kommen, und unsere Straßeninfrastruktur kann eben nur bedingt wachsen. Die Fragestellung, wie Mobilität abgewickelt werden sollte, wird uns die nächsten Jahre intensiv beschäftigen – auch vor dem Hintergrund, dass die Detmolder Straße komplett erneuert werden muss.

Sind Sie manchmal genervt ob der Kritik, die jeder Projektvorstellung vor allem in sozialen Medien unmittelbar folgt?

Warnecke: Wenn man Baudezernentin ist, weiß man, dass es in dem Job dazugehört, weil man viel in der Öffentlichkeit unterwegs ist. Jede Maßnahme wird ja sofort sichtbar durch Baumaßnahmen und Beeinträchtigungen. Inhaltlich würde ich mir aber schon wünschen, dass man sich entweder informiert, oft geht das ja, oder erst einmal den Gesamtkontext ansieht, damit die Kritik fundiert ist. Aber auch der Ton spielt eine Rolle. Ich bin bewusst nicht in sozialen Netzwerken unterwegs, weil der Umgangston dort sehr leidet. Man kann immer kritisieren: Projekte entwickeln sich auch durch Kritik zum Positiven, deshalb sind mir Beteiligungsformate bei großen Projekten ein Anliegen. Aber man darf im Umgang miteinander nicht den Respekt verlieren. Da leiden wir insgesamt als Gesellschaft drunter.

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