Sa., 11.08.2018

6000 Euro für die Bombenentschärfung übernimmt das Land Evakuierung kostet 46.000 Euro

1100 Helfer aus ganz OWL sind am 8. April im Einsatz gewesen, um die Menschen während der Bombenentschärfung in Sicherheit zu bringen. Unter anderem mussten vier Kränkenhäuser und viel Altenheime geräumt werden.

1100 Helfer aus ganz OWL sind am 8. April im Einsatz gewesen, um die Menschen während der Bombenentschärfung in Sicherheit zu bringen. Unter anderem mussten vier Kränkenhäuser und viel Altenheime geräumt werden. Foto: Jörn Hannemann

Von Ingo Schmitz

Paderborn (WB). 26.000 Einwohner, vier Krankenhäuser und vier Altenheime mussten am 8. April bei der Entschärfung einer britischen 1,8-Tonnen-Fliegerbombe in Sicherheit gebracht werden. Nun stehen die Kosten für Paderborns bislang größte Evakuierungsmaßnahme der Nachkriegsgeschichte fest. Sie belaufen sich auf 46.000 Euro.

1100 Kräfte und 300 Fahrzeuge waren an dem geschichtsträchtigen Tag im Einsatz. Dass das enorme Kosten verursachen wird, war im Vorfeld klar. Die aktuelle Summe hat die Stadt Paderborn jetzt auf Anfrage dieser Zeitung mitgeteilt. Ob möglicherweise einige Rettungs-Einheiten auf eine Rechnung verzichtet haben, konnte am Freitag nicht geklärt werden.

Nach Auskunft von Pressesprecher Jens Reinhardt werden derzeit noch letzte Rechnungen von der Feuerwehr geprüft. »Insgesamt liegen der Stadt Rechnungen in Höhe von rund 46.000 Euro vor. Zum großen Teil sind diese schon bezahlt. Erstattet wurden vom Land Nordrhein-Westfalen bisher die Kosten für die Bergung der Bombe. Diese betragen rund auf rund 6000 Euro«, teilte Reinhardt mit.

Debatte über die Kostenaufteilung

Nach der Bergung der Bombe hatte sich in der Stadt eine Debatte darüber entwickelt, wer die Evakuierung bezahlen soll. Wie berichtet, hatte sich Bürgermeister Michael Dreier sehr früh und sehr deutlich dafür eingesetzt, dass die betroffene Familie, auf deren Grundstück im Peter-Hille-Weg die Bombe vor Ostern entdeckt worden war, nicht mit Kosten belastet werden soll.

Aus dem Erlass des Innenministeriums NRW zur Kostenerstattung bei Kampfmittelbeseitigungen geht hervor, dass das Land zwar die Entschärfung und Beseitigung von Blindgängern auf privaten Grundstücken übernimmt. Es tritt aber nicht für die Kosten von Absicherungen oder Evakuierungen ein. Per Erlass sind dafür die Ordnungsbehörde (in diesem Fall die Stadt Paderborn) oder eben der Grundstückseigentümer zuständig.

Weiter heißt es im Erlass, dass der Eigentümer »in seiner Eigenschaft als Störer (...) zur Beseitigung der Gefahren und zur Übernahme der entstehenden Kosten verpflichtet« ist. Laut Ministerium stehe es im Ermessensspielraum der Stadt, ob sie die Kosten selbst trägt oder dem Eigentümer in Rechnung stellt.

Bürgermeister Dreier hatte gegenüber dem Rat angekündigt, dass er das Thema Kostenübernahme erst dann auf die Tagesordnung des Rates setzen werde, wenn dazu alle notwendigen Informationen vorlägen. »Alles andere halte ich für Aktionismus.« Folglich wird sich die Politik nun nach der Sommerpause mit dem Thema befassen müssen.

Ausstellung im Stadtmuseum

Wie berichtet, soll die entschärfte Bombe im Paderborner Stadtmuseum präsentiert werden als ein Mahnmal für den 2. Weltkrieg und zur Erinnerung an den Tag der Evakuierung. Bislang ist die Bombe noch nicht wieder in Paderborn eingetroffen. Um die Einbettung des Fundstücks in die Präsentation im Stadtmuseum kümmert sich das wissenschaftliche Team des Stadtmuseums. Derzeit liefen noch Gespräche, sagte Reinhardt. Der Pressesprecher weiter: »Zum Vergleich: Ein Blindgänger desselben Modells in Frankfurt, der im September 2017 entschärft wurde, und bei der noch mehr Menschen evakuiert wurden, wird erst ab März 2019 im dortigen Historischen Museum der Öffentlichkeit präsentiert. Die positiv geführten Gespräche hier lassen auf eine etwas raschere Umsetzung hoffen.

Kommentar von Ingo Schmitz

Nur 46.000 Euro, möchte man fast sagen. Die jetzt bekannt gewordene Summe für den größten Rettungseinsatz der Paderborner Geschichte nach dem 2. Weltkrieg sorgt für eine Überraschung. Angesichts der Zahl von 1100 Einsatzkräften, der Verlegung zahlreicher Intensivpatienten sowie kranker Menschen erscheinen 46.000 Euro nicht gerade viel. Es bleibt also abzuwarten, bis die Stadtverwaltung weitere Details bekannt gibt, wie sich die Summe zusammen setzt.

Andersherum gesehen sind 46.000 Euro eine große Menge Geld für eine Familie, die beim Kauf ihres Hauses im Traum nicht damit gerechnet hat, eine explosive Altlast miterworben zu haben. Daher ist es nun dringend erforderlich, dass der Rat schnellst möglich Klarheit schafft, wie die Stadt Paderborn künftig mit solchen Einsätzen verfahren will.    

 

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