Di., 14.08.2018

US-Mutter muss Geld für Rücknahme von AG-Aktien auftreiben – Squeeze Out möglich Diebold Nixdorf in Finanznöten

Der Sitz der Diebold Nixdorf AG in Paderborn. Für die Rücknahme von Aktien der deutschen Tochter muss Konzernchef Gerrard B. Schmid (kleines Foto) jetzt weitere Millionen auftreiben.

Der Sitz der Diebold Nixdorf AG in Paderborn. Für die Rücknahme von Aktien der deutschen Tochter muss Konzernchef Gerrard B. Schmid (kleines Foto) jetzt weitere Millionen auftreiben. Foto: Jörn Hannemann

Von Oliver Horst

Paderborn (WB). Die finanzielle Lage beim US-Mutterkonzern des Paderborner Zahlungssystemherstellers Diebold Nixdorf AG spitzt sich weiter zu. Seit der Ankündigung eines hohen Jahresverlustes im Gesamtkonzern reichen Aktionäre der AG ihre Anteilsscheine reihenweise zur Rücknahme ein, womit Millionen fällig werden. Zugleich wird eine Komplettübernahme der Tochter möglich – zumindest theoretisch.

Die finanzielle Situation des Mutterkonzerns gilt als extrem angespannt, die Lage als ernst. Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit vergangene Woche als mangelhaft eingestuft und sieht bei einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage Ausfallrisiken. Um die Finanzlage zu stabilisieren und auch um den Rückkauf der Aktien zu finanzieren, führt die von einer Nettoverschuldung von mehr als 1,5 Milliarden Euro geplagte Diebold Nixdorf Inc. aktuell Gespräche mit Banken. Zudem wurden am Donnerstag konzerneigene Lebensversicherungen zu Geld gemacht, die eigentlich als vertraglich nicht zugesicherte Leistungen für Mitarbeiter gedacht waren. Das spülte laut Diebold 70 Millionen Dollar (61,5 Millionen Euro) in die Kasse.

Defizit von 325 bis 365 Millionen Dollar (285 bis 320 Millionen Euro) erwartet

Nach der Mehrheitsübernahme der damaligen Wincor Nixdorf AG im Sommer 2016 hatte Diebold auch einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag mit der deutschen Tochter abgeschlossen. Dieser sieht vor, dass Aktionäre ihre Anteile gegen eine Barabfindung von 55,02 Euro abgeben können – oder ihre Aktien behalten und eine jährliche Garantiedividende von 3,13 Euro erhalten. Zunächst machte von dem Abfindungsangebot kaum ein Anleger Gebrauch. Aber das hat sich mit dem Niedergang geändert.

Ende Juli hatte der Mutterkonzern die Anleger mit einer Verlustwarnung geschockt. Demnach wird für das laufende Jahr unter dem Strich ein Defizit von 325 bis 365 Millionen Dollar (285 bis 320 Millionen Euro) erwartet. Der Kurs der Diebold-Aktie in den USA brach daraufhin um zwei Drittel ein. Bei der deutschen AG rauschte der Kurs auch deutlich unter die Marke von 55 Euro – über die er aber am Montag wieder kletterte.

Verschmelzungsrechtlicher Squeeze-out möglich

Bis Anfang August waren Diebold 2,4 Millionen Aktien der AG zur Rücknahme angedient worden. Rund 132 Millionen Euro wurden dafür fällig. In den vergangenen Tagen kamen noch weitere 1,4 Millionen Aktien hinzu, für die weitere 77 Millionen Euro zu zahlen sind. Das Geld will Diebold bis Ende der Woche auftreiben. Mit der Übernahme der Aktien erspart sich der Konzern Dividenden von 11,9 Millionen im Jahr. Und die Amerikaner erhöhen ihren Aktienanteil an der AG auf mehr als 90 Prozent.

Mit Überschreiten dieser Marke wäre ein verschmelzungsrechtlicher Squeeze-out möglich – also das Herausdrängen der übrigen Aktionäre. Für die knapp drei Millionen Aktien müsste Diebold aber nochmals mindestens 160 Millionen Euro aufbringen. Andererseits entfielen damit jährliche Dividendenzahlungen von rund 9 Millionen. Ob ein Squeeze out in Betracht bezogen wird, ließ der Mutterkonzern am Montag unkommentiert. Auch der seit Februar amtierende Konzernchef Gerrard Schmid ließ das in einer Mitteilung an die Mitarbeiter offen. Von der Diebold Nixdorf AG hieß es, es seien keine Einschränkungen über die mit dem Sparprogramm »DN now« im Mai angekündigten Maßnahmen hinaus bekannt. Über künftige Strukturen und den bislang geplanten Abbau von 1700 auf 1500 Stellen in Paderborn bis 2020 liefen Gespräche mit dem Betriebsrat.

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