Mi., 05.09.2018

Schlimmster Borkenkäferbefall seit Jahrzehnten Alarm im Fichtenwald

Der Borkenkäfer.

Der Borkenkäfer. Foto: imago

Von Elmar Ries

Münster/Paderborn (WB). Die Waldbauern in NRW sind wegen der Borkenkäfer in Habachtstellung. So schlimm war die Situation noch nie, sagt Heidrun Buß-Schöne, Geschäftsführerin des Waldbauernverbands NRW.

Landauf, landab versuchen Waldbesitzer und Mitarbeiter des Landesbetriebs Wald und Holz, befallene Bäume aus den Wäldern zu holen. Förster sprechen von einer Sisyphusarbeit, die Waldbesitzer von einem enormen wirtschaftlichen Schaden.

Den Anfang machte in diesem Jahr der Sturm Friederike. Er legte reihenweise Bäume um und schuf damit beste Brutmöglichkeiten für die Krabbler. Friederike war zwar lange nicht so schlimm wie Kyrill elf Jahre zuvor. Die Begleitumstände waren diesmal jedoch besonders. In den Monaten nach Kyrill war es nass und vergleichsweise kalt – das lieben die Larven gar nicht. In diesem Jahr war es früh warm und sehr lange sehr trocken: ideale Bedingungen für die Tierchen.

Jan-Dirk Hubbert ist Förster in Nordwalde und Steinfurt. Er erlebt die Folgen des Befalls täglich und spricht von einer »neuen Eskalationsstufe«, die er seit rund 14 Tagen im Wald erlebt. Erst hätten sich die Käfer auf das Totholz gestürzt, »von dem nach Friederike ja immer noch jede Menge da ist«. Seit zwei Wochen befielen sie nun auch stehende Bäume, in der Regel Fichten.

Man sah und roch nichts

Gesunde Bäume könnten sich gegen Borkenkäfer und ähnliche Gesellen eigentlich hervorragend wehren, erklärt der Experte. »Bohren sich die Tiere nämlich in die Rinde, dann bilden Bäume Harz und ersticken sie damit.« Das kann man riechen, das kann man auch sehen: an den weißen Spuren, die der Harz auf der Baumhaut hinterlässt.

In diesem Jahr sah und roch man nichts. »Weil die Bäume durch die Hitze und Trockenheit so geschwächt sind, dass sie überhaupt nicht in der Lage waren, Harz zu bilden«, heißt es beim Landesbetrieb Wald und Holz. Die Borkenkäfer hatten also auch beim Lebendholz ein vergleichsweise leichtes Spiel. Mit fatalen Folgen, denn ein befallener Baum stirbt ab.

Nun ist guter Rat teuer. Der Waldbauernverband rät zu fünf Schritten, die jedoch angesichts der gewaltigen Holzmengen nicht flächendeckend gegangen werden können. Totes und be­fallenes Holz so schnell wie möglich aus den Wäldern holen, die Stämme umgehend verar­beiten oder zumindest entrinden und dort lagern, wo kein Wald in der Nähe ist. Ultima ratio ist der Einsatz von Pestiziden, das sogenannte Begiften.

Plage hilft, den Wald zu verjüngen

Buß-Schöne spricht schon jetzt von Ertragseinbußen für die nächsten Jahrzehnte. »Die Indus­trie kann das viele Holz gar nicht aufnehmen«, sagt sie. Die Preise seien längst im Keller. »Vermutlich wird gar nicht alles Holz zu vermarkten sein.«

Ein bisschen Licht bei all dem Schatten bietet die Plage trotzdem. Sie hilft dabei, den Wald zu verjüngen, »die Kahlflächen müssen ja wieder aufgeforstet werden«. Sie hilft darüber hinaus aber auch beim Umbau des Waldes. Das ist schon seit geraumer Zeit das Ziel. Weg von den monotonen Fichtenwäldern hin zu mehr Vielfalt und eben jenen Baumarten, die »weniger Stress mit Wassermangel und Trockenheit haben«. Das sind zum Beispiel Kastanien, lindenblättrige Birken und Douglasien. Bäume, die dem Klimawandel vermutlich besser standhalten. Der habe letztlich auch die Borkenkäferplage zu verantworten, sagt die Geschäftsführerin der NRW-Waldbauern.

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