Unternehmensgruppe Jacoby errichtet ihre Zentrale in historischem Ambiente
Durch Klosterpforte in die Firma

Paderborn (WB). Von solchen Investoren wünschte man sich mehr in Paderborn: Die heimische Unternehmerfamilie Jacoby baut an der Kisau ihre neue Firmenzentrale und erhält zugleich ein Klostergebäude aus der Renaissancezeit.

Donnerstag, 06.09.2018, 17:00 Uhr
Knapp 9000 Quadratmeter groß ist das Grundstück des ehemaligen Landeshospitals an der Kisau, auf dem die Firmengruppe Jacoby ihren Hauptsitz errichtet. Erhalten bleiben die entkernte Klosterkirche (hinten Mitte) und die historischen Klostergebäude (links davon). Daneben entstehen moderne Gebäude. . Foto: Jörn Hannemann
Knapp 9000 Quadratmeter groß ist das Grundstück des ehemaligen Landeshospitals an der Kisau, auf dem die Firmengruppe Jacoby ihren Hauptsitz errichtet. Erhalten bleiben die entkernte Klosterkirche (hinten Mitte) und die historischen Klostergebäude (links davon). Daneben entstehen moderne Gebäude. .

Immer wieder bleiben Bürger und Besucher der Stadt verwundert vor dem eigenwilligen Rohbaukomplex auf dem Gelände des ehemaligen Landeshospitals stehen. An das einstige Kapuzinessenkloster aus dem Jahr 1639 schmiegen sich zwei- bis dreigeschossige moderne Bürotrakte. Als Herzstück integriert wurde die einstige Klosterkirche – der einzige Gebäudeteil, für den zuvor schon Denkmalschutz bestand.

»Andere Investoren hätten die übrige alte Bausubstanz wahrscheinlich komplett abgerissen«, vermutet Seniorchef Franz Jacoby (71). »Wir wollten verhindern, dass in Paderborn wieder ein Stück Historie verschwindet.« Als es gelungen sei, das knapp 9000 Quadratmeter große Grundstück von den Paderborner Vincentinerinnen zu erwerben, sei der Entschluss gereift, hier Altes und Neues miteinander zu verbinden. »Das war das letzte verfügbare Areal dieser Größenordnung in der Altstadt«, so Franz Jacoby.

Historisches Potenzial

Zwei Jahre gab die Familie den Archäologen Zeit, das Gelände zu untersuchen, bevor im November 2017 die konkreten Baumaßnahmen begannen. Die Planung vertraute man dem Berliner Büro des britischen Stararchitekten David Chipperfield an. Nicht nur beim Wiederaufbau der Museumsinsel in Berlin konnte das Büro zeigen, dass man sich auf das Bauen im vorhandenen Bestand spezialisiert hat. Jacoby: »Die haben Spaß an unserem Projekt bekommen, als sie das historische Potenzial gesehen haben.«

Dem Vorschlag des Büros Chipperfield, das 2013 von den Vincentinerinnen aufgegebene Krankenhaus auf die Substanz des ehemaligen Kapuzinessenklosters zurückzubauen, stimmten die beiden Jacoby-Töchter Ellen und Yvonne als Bauherrinnen zu. Die einstige Klosterkirche wird künftig zum Eingangsfoyer der Unternehmensgruppe an der Kisau, umgeben vom Originalmauerwerk des früheren Kreuzgangs.

»Der denkmalpflegerische Umgang mit historischem Material ist unser Metier«, so Jochem Vieren vom Kölner Architekturbüro Schilling, das für die Bauausführung verantwortlich ist. »Wir machen alle Bauphasen des Klostergebäudes sichtbar. Sowohl die Bruchstein-Mauerwerk aus der Gründungszeit als auch das bei späteren Um- und Anbauten verwendete Ziegelmaterial bleiben erhalten und werden einheitlich mit einem dünn aufgetragenen Kalkputz versehen.« Die Fertigstellung des Projekts sei Ende 2019 geplant.

Arbeitsplatz für 130 Mitarbeiter

Ihren Arbeitsplatz finden werden in dem kombinierten Bürokomplex mit 5500 Quadratmetern Nutzfläche, die zu 80 Prozent in den Neubauten liegen wird, zunächst rund 130 der bundesweit 1000 Mitarbeiter aus den diversen Jacoby-Firmen, die im Design, der Herstellung und dem europaweiten Vertrieb von Bastel- und Handarbeitsartikeln tätig sind. Der bisherige Hauptsitz in Brakel (160 Mitarbeiter) wird künftig als Logistikzentrum genutzt.

Auch für die Gestaltung der Außenflächen habe man sich eines renommierten Gartendesigners anvertraut. Das belgische Gartenarchitekturbüro Wirtz werde ein naturfreundliches Areal im Paderborner Citybereich anlegen. Eine neue Paderquelle, die beim Bau der Tiefgarage mit 64 Einstellplätzen sprudelte, wurde bereits gefasst. Das Paderwasser werde unter anderem für die Klimatisierung der Räume genutzt.

Den Weg durch die historische Klosterpforte in die entkernte, künftig durch eine Glaskuppel belichtete Klosterkirche werden freilich nur die Mitarbeiter und Kunden der dort ansässigen Firmen nehmen können. Jacoby: »Wir sind kein öffentliches Haus, aber wir werden sicher interessierten Besuchern die Gelegenheit geben, sich einmal bei uns umzusehen.«

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