Di., 18.09.2018

Neuer Spieltisch ermöglicht den perfekten Klang Paderborner Domorgel aufgerüstet

Domorganist Tobias Aehlig hat die vergangenen Wochen genutzt, um sich mit dem überarbeiteten Spieltisch vertraut zu machen. Jetzt kann jedes eingespielte Werk mit den jeweils benötigten Registrierungen dauerhaft abgespeichert werden.

Domorganist Tobias Aehlig hat die vergangenen Wochen genutzt, um sich mit dem überarbeiteten Spieltisch vertraut zu machen. Jetzt kann jedes eingespielte Werk mit den jeweils benötigten Registrierungen dauerhaft abgespeichert werden. Foto: Ronald Pfaff

Paderborn (WB). Der Klang der zu den größten Instrumenten seiner Art in Europa zählenden Paderborner Domorgel ist noch perfekter geworden. Möglich macht das der digital aufgerüstete Generalspieltisch mit erheblich gewachsener Speicherkapazität.

»Die Orgel ist die Königin der Instrumente. Als Einzelner kann ich eine Vielzahl von Klangfarben produzieren, die – je nach Orgeltyp – fast keine Grenzen hat«, sagt Domorganist Tobias Aehlig. »Mich fasziniert die Orgel immer wieder. Sie ist auch eine Herausforderung der Möglichkeiten, die nie ein Ende finden.« Tobias Aehlig liebt sein Instrument. Seit einigen Wochen ist die Domorgel um eine Attraktion reicher geworden.

Technik auf neustem Stand

Der vollständig erneuerte Generalspieltisch im Hochchor ist zurück und damit hat das Trio aus Chor-, Turm- und Krypta-Orgel ihr Herzstück zurückbekommen. Optisch wurde es aufgefrischt und in seinen Maßen modernisiert. Das technische Innenleben ist auf den neuesten Stand gebracht, genauso, wie es sich Tobias Aehlig und Orgelbauer Johannes Falke vorgestellt haben.

Am Generalspieltisch laufen alle technischen Leitungen für die elektrische Traktur und die Registratur zusammen. Von ihm aus ist jede der drei Orgeln im Hohen Dom zu steuern. Die Planung für dieses Projekt habe etwa zwei Jahre gedauert, berichtet Tobias Aehlig- Der Umbau des alten Modells, das aus dem Jahr 1981 stammt, sei nicht nur nötig, sondern zukunftsweisend gewesen. Das Generalvikariat ließ sich die technische Aufrüstung rund 400.000 Euro kosten.

Display gibt Hilfestellung

»Die Nachfrage von Gast-Organisten, hier im Hohen Dom spielen zu dürfen, war schon immer groß, aber das Interesse wird mit diesem Umbau noch mal wachsen«, ist sich Aehlig sicher. Dass die Turmorgel jetzt mit Windräder-Technik ausgestattet sei, ließe die Organisten aufhorchen. »Moderne Orgelmusik und Improvisationen lassen sich somit ausgezeichnet regeln und ermöglichen neue Klangbilder und Töne. Solche Orgeln findet man eher selten.«

Der neue Orgelspieltisch wurde durch ein separates Setzertableau ergänzt, mit dem sich voreingestellte Registerkombinationen für unterschiedliche Stücke speichern und schnell abrufen lassen. Durch den Umbau ist auch die Bedienbarkeit verbessert worden. Der Organist kann alles gut erreichen, ob Wangen, Wippen, Steuerungstasten oder auch das Touch-Pad. »Der Spieltisch wird zukunftsfähig für die nächsten 20 bis 30 Jahre sein«, resümiert Aehlig die Eindrücke der ersten Wochen.

Die neue Hightech-Einrichtung erweitert die Variabilität in der Bespielbarkeit und Zuordnung der vier Manuale und des Pedals. Die Registrierung und Archivierung lässt sich besser verwalten. »Jetzt ist alles mischbar, das Orgelspiel wird flexibler«, so Aehlig. Das intelligente System gebe über ein Display sogar Hilfestellung.

Kostprobe am 24. September

Es bedürfe für die Organisten im Dom ein wenig Zeit, um sich mit Belegung und Bedienung vollends vertraut zu machen. »Wenn man sich einmal eingearbeitet hat, zeigen sich schnell die vielen neuen Vorteile. Ich selbst bin auch noch in der Entdeckerphase der neuen Möglichkeiten – aber das ist auch sehr inspirierend«, freut sich der Domorganist.

Während der kirchenmusikalischen Festwoche anlässlich des Domjubiläums wird der neue Orgelspieltisch gleich zwei Mal auf den Prüfstein gestellt, bei dem er die neuen Möglichkeiten beweisen kann. Zum geistlichen Liederabend »Sehet, welche Liebe« laden Bariton Klaus Mertens und Domorganist Tobias Aehlig für Montag, 24. September, um 19.30 Uhr ein. »Es wird eine nette, gemütliche Atmosphäre, denn wir laden die Gäste in den Hochchor ein«, so Aehlig. Auf dem Programm stehen geistliche Lieder von Joseph Gabriel Rheinberger und Antonin Dvorak.

Orgelimprovisationen zu bekannten sowie versteckten Kunstwerken des Domes mit Projektionen auf eine Leinwand stehen am Mittwoch, 26. September, um 19.30 Uhr auf dem Programm. Der Paderborner Dommusik ist es gelungen, mit Wolfgang Seifen (Berlin) und Peter Planyavsky (Wien) zwei Meister ihres Faches zu verpflichten. »Es sind zwei Musiker mit unterschiedlichen Spielarten, aber sie kennen sich sehr gut und treten oft zusammen auf«, ist Aehlig selbst gespannt, wie weit die beiden den neuen Orgelspieltisch ausreizen.

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