Mi., 19.09.2018

Lehrer streiten über umstrittenes Konzept »Schreiben nach Gehör« Lernmethode verbieten?

Ein »Masterplan Grundschule« soll jetzt Vorgaben für das Lesen- und Schreibenlernen machen.

Ein »Masterplan Grundschule« soll jetzt Vorgaben für das Lesen- und Schreibenlernen machen. Foto: dpa

Von Bernd Bexte

Paderborn (WB). Wie lernen Kinder am besten lesen und schreiben? Darüber ist ein Streit unter Lehrern entbrannt. Das NRW-Schulministerium will nur bedingt Vorgaben machen.

Wie am Montag berichtet, hatte eine Studie der Uni Bonn ergeben, dass Grundschüler Rechtschreibung am besten nach der klassischen Fibelmethode erlernen. Dazu war der Lernfortschritt von mehr als 3000 Grundschulkindern in NRW über mehrere Jahre analysiert worden. Ansätze wie »Lesen durch Schreiben« (auch »Schreiben nach Gehör« genannt) und »Rechtschreibwerkstatt« schnitten weitaus schlechter ab.

Der Deutsche Lehrerverband (DL) verlangt jetzt ein bundesweites Verbot der didaktischen Methode »Lesen durch Schreiben«. »Es geht darum, möglichst schnell weiteren Schaden von unseren Grundschulkindern abzuwenden«, sagt Heinz-Peter Meidinger, Präsident der Dachorganisation von 160.000 Lehrern. Lehrpläne, Lernmittel und Lehrerfortbildungen müssten überprüft werden. Baden-Württemberg und Hamburg hätten mit einem Verbot der Methode bereits ein wichtiges Zeichen gesetzt, meint Meidinger.

Verbot sei keine Lösung

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) widerspricht vehement: Mit seinen Äußerungen diskreditiere Meidinger die Arbeit vieler Grundschullehrer, empört sich Bundesvorsitzender Udo Beckmann aus Paderborn. Viele von ihnen arbeiteten erfolgreich mit einem Lese- und Schreiblernkonzept, das Teile der Methode »Lesen durch Schreiben« integriere. »Den Eindruck zu erwecken, dass die Methode vielfach in Reinform unterrichtet werde, widerspricht der Realität.« Der VBE, der im Gegensatz zum DL unter seinen 164.000 Mitgliedern auch viele Grundschullehrer habe, verwahre sich gegen den Vorwurf, durch die Anwendung der umstrittenen Methode würden Kinder zu Versuchskaninchen gemacht. »Jedes Kind hat einen eigenen Zugang zum Erlernen der Rechtschreibung.« Ein Verbot einer Methode sei keine Lösung. So sieht es auch die größte Lehrergewerkschaft in NRW, die GEW. »Schulen sollen einen eigenen Weg finden. Verbote bringen da nichts«, sagt die stellvertretende Vorsitzende Maike Finnern aus Bielefeld. »Lesen durch Schreiben« sei nicht die »allein selig machende Methode«. »Es geht aber bei einigen Kinder darum, sie überhaupt erst einmal zum Lesen und Schreiben zu bringen.«

Das NRW-Schulministerium verwies gestern auf einen »Masterplan Grundschule«, der noch in diesem Jahr vorgelegt werden soll. Dieser begrenze die Methode »Lesen durch Schreiben« auf das erste Schuljahr. Lehrer würden angehalten, den Gebrauch der Methode auf die Anfangsprozesse des Lesen- und Schreibenlernens zu reduzieren und gleichzeitig von Anfang an zum normgerechten Schreiben hinzuführen. Zudem soll eine Expertenkommission eine Handreichung für den Rechtschreibunterricht erstellen. Es soll auch ein Grundwortschatz eingeführt werden, der eine Liste von Lernwörtern enthält, anhand derer die Regeln der Rechtschreibung gelernt werden sollen.

In NRW wird nicht zentral vorgegeben, nach welchen Methoden Lesen und Schreiben gelehrt wird. Schulen und Lehrer entscheiden eigenverantwortlich. Es gibt aber in den Lehrplänen verbindliche Kompetenzerwartungen bei der Rechtschreibung.

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