Fr., 21.09.2018

Verstoß gegen Tierschutzgesetz – Polizist soll Werkzeug ausgehändigt haben Waschbär mit Brecheisen erschlagen: Anzeige erstattet

Hier das wohl letzte Foto von dem Waschbären, der im Bereich des Parkhauses am Flughafen erschlagen worden sein soll.

Hier das wohl letzte Foto von dem Waschbären, der im Bereich des Parkhauses am Flughafen erschlagen worden sein soll. Foto: Polizei

Von Ingo Schmitz

Paderborn(WB). Ein am Paderborner Flughafen erschlagener Waschbär sorgt für Aufregung bei Tierschützern: Ausgerechnet ein Polizeibeamter soll zwei Männern eine Brechstange aus einem Streifenwagen gegeben haben, damit diese ihr blutiges Werk vollenden konnten.

Im Kollegenkreis sorgt das Vorgehen für Empörung, denn üblicherweise wird der Jagdberechtigte informiert, wenn ein auffälliges Tier gesichtet wird. »Selbst wenn der Waschbär krank gewesen sein sollte: Das ist ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz«, heißt es aus Polizeikreisen. Die Tierschützer haben gegen den Polizeibeamten sowie gegen den mutmaßlichen Täter Anzeige erstattet. Es wird ermittelt, sagte Paderborns Polizeisprecher Ulrich Krawinkel.

Passanten wollten Tier »erledigen«

Der Vorfall soll sich nach Aussage von Zeugen am Montagabend im Bereich eines Parkhauses ereignet haben. Der Waschbär war einer Mitarbeiterin einer Autovermietung bereits zuvor aufgefallen. »Das war ein Jungtier. Er war klein und putzig und zutraulich«, berichtet Bianca Isermann, die nicht glaubt, dass der Waschbär krank war. »Er wirkte lediglich unterernährt. Daher habe ich ihm Katzenfutter gegeben«, sagte sie.

Zwei Passanten mit einem Hund sei der Waschbär ebenfalls aufgefallen, berichtet sie. Diese seien bei der Flughafenpolizei vorstellig geworden und hätten dort berichtet, dass der Waschbär wohl an Staupe erkrankt sei. Sie würden ihn »erledigen«, bräuchten dazu aber einen Knüppel. Monika Isermann berichtet, dass daraufhin ein Polizeibeamter zum Streifenwagen gegangen und den Männern ein Brecheisen mit den Worten ausgehändigt habe: »Wenn ihr euch das zutraut.« Danach sei der Waschbär erschlagen worden.

Tier nicht waidmännisch erlegt

Der zuständige Jagdberechtigte am Flughafen ist der ehemalige Geschäftsführer des Airports, Fritz Henze. Aufgrund der Beschreibung gehe er davon aus, dass der Waschbär sehr wahrscheinlich krank gewesen sei. Dennoch sei das beschriebene Vorgehen nicht der übliche Weg. Seiner Meinung nach hätte ihn der Beamte informieren müssen, um das Tier waidmännisch zu erlegen – entweder in einer Lebendfalle fangen oder erschießen. »Waschbären haben sich unglaublich verbreitet, weil es keine natürlichen Feinde gibt. Es sind Plagegeister. Sie gehören zum jagdbaren Wild und dürfen im September bejagt werden.« Das bedeute nicht, dass man ein solches Tier erschlagen dürfe – egal ob mit Knüppel oder Eisenstange.

Keine Maßnahmen gegen Polizisten

Hat sich nun der Beamte falsch verhalten? Polizeisprecher Krawinkel bestätigte den Eingang der Strafanzeigen. Es sei unbestritten, dass der Waschbär mit einer Eisenstange erschlagen worden sei. Der Polizist, der den beiden Männern den Kuhfuß ausgehändigt haben soll, habe sich dazu eingelassen und berichtet, dass der Waschbär krank gewesen sei. Es gebe derzeit keinen Hinweis auf disziplinarrechtliche Maßnahmen.

Kommentare

Warum ist das Landvolk so verroht?

Warum nur verroht das Landvolk so? Das Tier war sicher entkräftet, weil es durch den Dürresommer nicht zu fressen fand! Oder setzt alles menschliche aus, aus Angst vor der Schweinepest?

Nicht zu glauben

Wie soll man da noch Vertrauen in so genannte "Gesetzeshüter" haben, wenn sie sich an Tierquälerei beteiligen und diese auch noch ermöglichen, anstatt wehrlose Kreaturen zu beschützen.
Ich bin mir sicher, daß diese Herren keinen Sachkundenachweis für das Töten von Wierbeltieren besitzen. Somit ist es ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und die Polizei steht dabei und unterstützt dieses auch noch bzw. ermöglicht es erst
Ich hoffe, der Fall zieht disziplinarische Konsequenzen für den Ordnungshüter nach sich und die Tierquäler, die den armen Waschbären erschlagen haben, werden bestraft.
Aber wahrscheinlich wird ja wieder alles unter den Teppich gekehrt. Ist ja nur ein Tier was bestialisch erschlagen wurde. Wie soll man da noch an Recht und Ordnung glauben, wenn die Polizei Vorschub leistet?

Krank

Ach, jetzt sind Polizisten und Passanten nebenbei alles noch Tierärzte, die eine Erkrankung sogar hellseherisch, ohne Untersuchung erkennen können. Boah...ich hoffe, dass diese 3 Personen eine gerechte Strafe bekommen und den Hundebesitzern ein Tierhalteverbot auferlegt wird. Wer so brutal zu einem Tier ist, wird es auch mit dem eigenem nicht gut meinen. Ich mag gar nicht daran denken, dass solche Empathiebefreiten Menschen womöglich auch Kinder haben...

Jetzt "nur" der Waschbär und dann?

Das darf ja nicht wahr sein! Drei Männer beschliessen ein Tier zu erschlagen!! Wer ist als nächstes dran?l Armer Waschbär!

Also ich Frage mich ganz besorgt,was das sein soll. Wenn ich als Tierschützer dort stehe und sehe das dieses Tier unterernährt ist und vielleicht auch auch krank, dann greife ich ein, bevor das Tier getötet wird. Zum Beispiel rufe ich den Förster an oder benachrichtige irgendeinen vom Flughafen. Wenn ich mich natürlich daneben stelle mir Zeit für das fotografieren nehme und im Nachhinein schreie wie schlecht die Menschen oder der Polizist ist bin ich auch nicht besser. Aber man muss auch mal in Betracht ziehen, das Staupe eine hochansteckende Krankheit ist. Dort leben Katzen, Menschen fliegen mit ihren Hunden in den Urlaub. Jede Medaille hat 2 Seiten.

Schrecklich, in welche Richtung sich die Menschen derzeit entwickeln!
Für Tiere ist offenbar kein Platz mehr in dieser Welt, weil sie Krankheiten übertragen könnten.

Abscheulich

Ein hilfloses Lebewesen wird erschlagen. Der Polizist diagnostiziert eine Krankheit - ist er nebenberuflich Tierarzt? - Mir fehlen die Worte, für diese Abscheulichkeit. Wie empathielos kann man sein? Ich hoffe, die "Herren" werden angemessen bestraft. Unfassbar.

War ja klar das dem Polizisten wieder nichts passiert. Schön alles unter den Teppich kehren war ja „nur“ ein Waschbär

10 Kommentare

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